# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S386 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 386 — Engel mit Ihm“ — wird Er dann ein tauſendjähriges Reich auf Erden errichten? Mit nichten — „dann wird Er ſitzen auf dem Stuhl ſeiner Herrlichkeit und Gericht halten.“ Matth. 16, 27. ſpricht Chriſtus: „Es wird geſchehen, daß des Menſchen Sohn komme in der Herrlichkeit ſeines Vaters mit ſeinen Engeln und alsdann wird Er einem jeglichen vergelten nach ſeinen Werken.“ Wo wollen denn doch nur die Chiliaſten nach dieſem Ausſpruch und deſſen unauflöslichem Zuſammenhang die tauſend Jahre hinſetzen, die zwiſchen einer erſten und zweiten ſichtbaren Wiederkunft Chriſti liegen ſol⸗ len? — Joh. 14, 3. ſagt der HErr: „So ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wieder kommen“ — wozu? um 1000 eitle Erden⸗Jahre mit den Seinen hier zuzubringen? keineswegs: „und will euch zu mir nehmen“ — nicht um da zu ſein, wo ihr ſeid, ſondern: — auf daß ihr ſeid, wo ich bin.“ — St. Paulus ver⸗ knüpft (2 Theſſ. 1, 7. ff.) mit Chriſti Wiederkunft nicht ein tauſendjähriges Weilen des HErrn auf Erden, ſondern: „Ruhe für die, ſo Trübſal leiden und Feuerflammen der Rache über die, ſo Gott nicht erkennen, und das ewige Verderben.“ Auf gleiche Weiſe tröſtet ſich der Apoſtel, Chriſtus, der „gerechte Richter“ werde ihm die Krone der Gerechtigkeit an jenem Tage bei ſeiner Erſchei⸗ nung geben, 2 Tim. 4, 8. — St. Petrus verſichert uns, der Tag des HErrn werde unvermuthet kommen, wie ein „Dieb in der Nacht“, ſo daß man nicht blos die Stunde nicht wiſſe, ſondern auch den Tag und das Jahr nicht; und wenn Er kommt, ſoll nicht erſt ein tauſendjähriges Reich beginnen, ſondern die Himmel werden zergehen mit großem Krachen, 2 Petri 3, 10. — Demnach iſt nirgends von einer ſichtbaren Zukunft Chriſti die Rede, als von einer ſolchen, mit welcher der Endpunkt des Chriſtenkampfes gekommen iſt, der Tag der ewigen Entſcheidung, alſo nicht ein Zwiſchenreich, ſondern das Reich der ewigen Vollendung. — Haben wir nicht nach dem Zeugniß der Schrift den jüngſten Tag jede Stunde zu erwarten? Sagt doch der HErr: „Von dem Tag aber und der Stunde weiß niemand. So wachet; was ich euch ſage, das ſage ich allen: Wachet! Marc. 13, 35. 37. Man leſe auch Matth. 24, 44—51.: „Darum ſeid ihr auch bereit, denn des Menſchen Sohn wird kommen zu einer Stunde, da ihr es nicht meinet“ u. ſ. w. Folgt nicht daraus, daß ſchon die Apoſtel ſich nicht ſicher dünken durften vor dem Einbruch des entſcheidungsvollen Tages des HErrn? Schon damals ſagte nur der „böſe Knecht“ in ſeinem Herzen: „Mein Herr kommt noch lange nicht.“ Zwar ſchreibt St. Paulus 2 Theſſ. 2, 3. von dem Tage Chriſti, „er komme nicht, es ſei denn, daß zuvor der Abfall komme“; aber dies ſagt er nicht denen gegenüber, welche glaubten, daß der Tag Chriſti jede Stunde kommen könne, ſondern denen, die man durch die Verkündigung in Verwirrung geſetzt hatte, daß der Tag Chriſti bereits „vorhanden“, Vers 2. Der Abfall mußte freilich zuvor eintreten: und wie ſchnell konnte das geſchehen! Dieß konnte im nächſten Augenblick der Fall ſein. — § 13. Doch wir ſind noch den Beweis ſchuldig dafür, daß die falſche Lehre von einem tauſendjährigen Reich Chriſti auf Erden auch den Artikel von der Auferſtehung des Fleiſches verkehre. Die Schrift weiß eben wieder von keiner andern Auferſtehung der Todten als der am jüngſten Tage. Joh. 6, 39. 40. 44. verſichert der HErr Chriſtus dreimal, daß, wer an Ihn glaube, den werde Er auferwecken am jüngſten Tage.