# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S385 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 385 — äußerliche, weltliche Weiſe (nicht allein durch die Gnadenmittel und den Trieb des Heiligen Geiſtes) verwaltet werden. Alſo: iſt es nicht das wahre Gnadenreich Chriſti auf Erden, darauf Er die Seinen gewieſen und ver⸗ tröſtet hat.— Wie ferner das Gnadenreich nicht auf äußerliche, weltliche Weiſe auf Erden verwaltet wird, ſo werden auch den Reichsgenoſſen in demſelben nicht eitel gute Tage, Ruhe, Friede vor den Tyrannen und Ketzern verheißen; im Gegentheil iſt ihnen geſagt, daß ſie durch viel Trübſal ins Reich Gottes eingehen müſſen, Ap. Geſch. 14, 22., daß das Gnadenreich ein Kreuzreich, d. h. ein ſolches Reich ſei, da jeder Chriſt täglich ſein Kreuz auf ſich nehmen und Verfolgung leiden müſſe, Luc. 9, 23. 2 Tim. 3, 12.; und zwar nicht nur etwa eine Zeit lang, ſondern allezeit bis ans Ende. Denn Matth. 24, 1—14. 29—51. Luc. 21, 25—36. lehrt der HErr Chriſtus, wie es von der Zeit an, da Er dies redete, bis zu ſeiner Wiederkunft zum Gericht hergehen werde: es werde niemals an Verfolgung mangeln, die Kirche werde ſtets eine ſtreitende ſein, die Miſchung Guter und Böſer werde dauern, das Unkraut ſogar immerdar „bis zur Ernte“, alſo bis zum jüngſten Tag „wachſen“, Matth. 13, 30., ſo daß Chriſtus, wenn Er kommen wird, faſt „keinen Glauben finden werde auf Erden“, Luc. 18, 8. — Dagegen wenden zwar die Chiliaſten ein: was Chriſtus vom „Kreuz“ ſage, das beziehe ſich lediglich auf die Zeit, die dem tauſendjährigen Reich vorangeht, das habe nur Gel⸗ tung bis zum tauſendjährigen Reich. Aber o klägliche Ausflucht! Denn hiermit geſtehen die Chiliaſten ſelbſt ein, daß zur Zeit der Aufrichtung des von ihnen gehofften Reichs die Bibel mit ihrem Troſt und ihren Warnungen nicht mehr paſſen werde. Denn dieſe iſt nur für ſolche geſchrieben, die in der Welt Angſt, in Chriſto aber Frieden haben und erſt dort nicht mehr weinen werden. Offenb. 21, 4.: „Und Gott wird abwiſchen alle Thränen von ihren Augen und der Tod wird mehr nicht ſein, noch Leid, noch Geſchrei, noch Schmerzen wird mehr ſein, denn das Erſte iſt vergangen.“ § 11. Ebenſo wenig wie mit dem Gnadenreich iſt ein tauſendjähriges Reich mit dem Reich der Herrlichkeit und des Triumphes im Himmel zu vereinigen. Denn die ſelig Entſchlafenen gelangen im Nu ihres Abſchieds ins himmliſche Reich. „Selig ſind die Todten, die im HErrn ſterben, vom Nu an“, Offenb. 14, 13. „Heute“, ſprach Chriſtus zu dem bußfertig ſterbenden Schächer, „wirſt du mit mir im Paradieſe ſein“, Luc. 23, 43. Und dieſes himmliſche Reich iſt ein un⸗ vergängliches, unwandelbares, ewiges Reich. Luc. 1, 33. Ebr. 1, 8. Wollte nun der HErr die ſeligen Geiſter aus den Wohnungen himmliſcher Freude und Herrlichkeit wieder auf unſere Erde, an den Ort der Unvollkom⸗ menheit verſetzen, ſo würde ihre angefangene Seligkeit dadurch wieder unter⸗ brochen, alſo keine ewige ſein; ganz abgeſehen davon, daß nach dem tauſendjährigen Reich, nach einer im Grunde doch nur kurzen, weil eitlen, vergänglichen Freude hienieden, die letzten Schreckenszeiten des Gog und Magog zu erwarten und zu koſten ſein würden. O Eitelkeit! — § 12. So iſt nun alſo der Artikel von dem Reich Chriſti der erſte, der durch jene irrige, der heiligen Schrift fremde Lehre von einem zu erwarten⸗ den tauſendjährigen Reiche umgeſtoßen wird. Der zweite iſt nun der Artikel von Chriſti Wiederkunft zum Gericht. Denn die Offen⸗ barung iſt uns gegeben, daß Chriſtus zum andern Mal wieder kommen werde, zu richten die Lebendigen und die Todten. „Wenn des Menſchen Sohn kommen wird in ſeiner Herrlichkeit und alle heilige [Bogenſignatur „25“ am Fuß der Seite — kein Folio.]