# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S382 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 382 — tung des Heiligen Geiſtes gegründete Erklärung und Auslegung dieſes letz⸗ ten prophetiſchen Buches beſitzen, können wir alle Auslegungen desſelben im Ganzen für nichts als bloße Meinungen anſehen, laſſen ſie jedoch gerne gelten, wenn ſie dem Glauben ähnlich ſind. Weit entfernt ſind wir, von Allem, was Offenb. 20. geſchrieben ſteht, auch nur ein Jota abzuthun oder leugnen zu wollen. Wir halten es für durchaus gewiſſe, göttliche, aber uns noch nicht zweifellos klar gewordene Wahrheit. Iſt uns aber darin auch noch nicht Alles vollkommen aufgedeckt, ſo ſind wir doch nichts deſto weniger gar wohl im Stande, jegliche Auslegung zu prüfen. Und welcherlei Aus⸗ legung mit der Aehnlichkeit des Glaubens nicht im Einklang ſteht, die erkennen wir mit zweifelloſer Gewißheit für falſch. Wo iſt nun aber Offenb. 20. ein Wort, welches mit unwiderſprechlicher Gewißheit eine zwiefache ſichtbare Wiederkunft Chriſti, eine zwiefache leibliche Auferſtehung, ein tauſendjähriges herrliches Reich Chriſti auf Erden lehrete? Man mag dieſes ſo vielfach mißhandelte Kapitel durchleſen, ſo oft man will, man wird kein einziges Wort darin aufweiſen können, das den angegebenen Sinn unzweifelhaft ausſpräche. Daß der Satan tauſend Jahre gebunden ſein ſoll, iſt klar; aber daß kein abſolutes Gebundenſein gemeint ſei, iſt ebenſo klar aus der beigefügten Beſchränkung: „daß er nicht mehr verführen ſollte die Heiden“, und zwar laut des 8. Verſes, „ſie zu verſammeln in einen Streit wider das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt“, alſo nicht dazu, daß er nicht mehr verführen ſollte zu Sünden und Unglauben überhaupt. Und was die Chriſten betrifft, die ja der Satan auch zu ver⸗ führen ſucht, und oft wirklich verführt, ſo iſt nicht die Rede von ihnen, mit keiner Sylbe. Oder man ſage doch, wo? Ueberhaupt ſagt dieſes 20. Kapitel der Offenb. bis zu Vers 8. (alſo bis zum Schluß der tauſend Jahre), was immer überſehen wird, kein Wort von der Kirche auf Erden, worauf hier doch Alles ankäme. Man zeige uns ein ſolches! Will aber jemand in dieſe geheimnißvolle Beſchreibung von Vorgängen im Reiche Gottes, die uns zur Zeit noch dunkel ſind, die ganze ſichtbare Kirche auf Erden hinein legen, ſo fragen wir: mit welchem Recht? Sensus scripturae sacrae non est inferendus, sed efferendus, d. h. der Sinn der heiligen Schrift iſt nicht hineinzutragen, ſondern herauszutragen, — iſt eine alte, noch immer giltige Regel der Schriftauslegung. Wir fragen daher nur immer und immer wieder das Eine: „Wo ſtehts?“ — Ferner iſt freilich unleugbar, daß Vers 5. von einer „erſten Auferſtehung“ geredet werde; aber welcherlei Auferſtehung damit gemeint ſei, und in welchem Sinne ſie die erſte genannt werde, dieß kann aus dieſer Stelle ſelbſt nicht entſchieden werden. So viel nur iſt gewiß und über allem Zweifel erhaben: eine leibliche Auferſtehung kann darunter nicht zu verſtehen ſein, weil es ausdrücklich heißt: „Und ich ſahe die Seelen der Enthaupteten, dieſe lebten und regierten mit Chriſto tauſend Jahr.“ Denn zwar gebraucht die heilige Schrift das Wort „Seelen“ für ganze Perſonen, z. B. 5 Moſ. 24, 7.: „Wenn jemand funden wird, der aus ſeinen Brüdern eine Seele ſtiehlt aus den Kindern von Iſrael und verſetzt und verkauft ſie“ u. ſ. w. 1 Moſ. 46, 15.: „Dies ſind die Kinder von Lea — drei und dreißig Seelen.“ Aber wenn ſie, wie hier, zu dem Wort „Seelen“ die Perſonen, welchen dieſelben zugehören, hin⸗ zufügt, ſo kann ſie natürlich damit nicht die ganze Perſon, ſondern nur den einen Theil derſelben anzeigen. Z. B. „Du Narr, dieſe Nacht wird man deine Seele von dir fordern“, Luc. 12, 20. Oder: „Seine Seele iſt in ihm“, Ap. Geſch. 20, 10. (Vergl.: „Der Gerechten Seelen ſind in Gottes Hand, und keine Qual rühret ſie an“, Weish. 3, 1.) Mit welchem