# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Dezember 1856_S361 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Ständeunterschied in der Kirche. 361 Mensch nicht so gar Nichts und keine Kreatur, oder hat so gar kein Wesen, Natur oder Willen, wiewohl es eine verderbte Natur und Wille ist, die sich von Gott gewendet hat" —; sondern, in besonderer Beziehung darauf, wie der Höchste jetzt sie findet, spricht er S. 85: „Da siehest du, daß, wenn Gott in Bösen und durch Böse wirket, daß wohl Böses geschieht, aber Gott thut darum nicht Böses, wiewohl Er Böses durch Böse wirket; denn dieweil Er gut ist, kann Er nicht Böses thun, doch brauchet Er böser Rüstzeuge, welche unter Seiner allmächtigen Macht und Gewalt sind, die da müssen gehen nach Seiner gemeinen kräftigen Wirkung, wie andere Kreaturen. — Denn die allmächtige göttliche Gewalt treibet den Gottlosen immerhin, wie andere Kreaturen, daß er nicht kann feiern, er muß wollen, sich gelüsten lassen und begehren, wie er an ihm selbst ist; nun ist er gottlos und böse, so thut er auch Böses. — Gott kann Seine allmächtige Gewalt und Wirkung nicht lassen, ob sich der Mensch schon abgekehret hat; so kann der Gottlose seine böse angeborne Art nicht ändern." Aus diesen und ähnlichen Stellen wird sich leicht begreifen lassen, wie nicht minder wahr ist, „daß allein der ewige Gotteswille Etliche verstocket, über Etliche sich erbarmet" ꝛc. ꝛc. S. 82, als „daß es eigentlich des Teufels Werk ist, daß er die (nun unfrei gewordenen) Menschen verblende und halte" ꝛc. ꝛc. S. 60; und vermöge solcher streng antischweizerischer Herleitungen, die am wenigsten übersehen werden dürfen, hat Luther niemals nöthig gehabt, die scheinbar schroffsten, aber mit Bedacht gebrauchten Ausdrucksweisen zu widerrufen. (Fortsetzung folgt.) Der Ständeunterschied in der Kirche. (Fortsetzung und Schluß.) Herr Pastor Grabau schreibt (daß wir es hier wiederholen): „Die Reformatoren setzten kein allgemeines Christenregiment, wo die Köpfe des Haufens nach ihrem Willen und Uebereinkunft regierten*); sondern mit hellem Blick sahen sie an, wie Gott selbst die sichtbare Kirche in ihren Gliedern gestaltet habe. Sie stellten es als eine handgreifliche Wahrheit dar, daß Gott in seiner wahren sichtbaren Kirche drei Hauptglieder oder Stände gesetzt habe: das hl. Predigtamt, den Hausstand und den obrigkeitlichen Stand. Und diese öffentliche Wahrheit machten sie zur Grundlage der Verfassung der Kirche. Sie nannten es Lehr⸗, Nähr⸗ und Wehrstand. Diese Lehre der luth. Kirche ist in neuerer Zeit in Vernachlässigung und in Verachtung gekommen, denn man suchte sich praktisch lieber so zu helfen, daß alles aus der Lehre von der bloß unsichtbaren allgemeinen Kirche construirt und aufgebaut wurde... Unter Verfassung der *) Man merke wohl, daß die letzteren Worte die Verwerfung des allgemeinen Christenregimentes nicht modificiren, sondern motiviren sollen. L. u. W.