# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S381 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 381 — Beilage A. Summariſche Darlegung der Gründe, welche uns in unſerem Gewiſſen dringen, die Lehre von einem noch zu erwartenden tauſendjährigen herrlichen Reich Chriſti auf Erden zu verwerfen und zu verdammen. (Referat des Paſtor Schaller.) § 1. Eine Lehre, die nicht nur der heiligen Schrift durchaus fremd (ein ἄγραφον), ſondern derſelben auch widerſprechend (ein ἀντίγραφον) iſt, und in ihren Conſequenzen Hauptlehren des Chriſtenthums umſtößt, die müſſen wir verwerfen und verdammen. Daß aber die Lehre von einem noch zu erwartenden tauſendjährigen irdiſchen Reich Chriſti eine ſolche ſei, dieß wollen wir in dem Folgenden erweiſen. § 2. Wir werden hier nicht nachzuweiſen ſuchen, daß die Chiliaſten unter ſich ſelbſt nicht einig, ſondern in verſchiedene Klaſſen und beinahe un⸗ zählige Abſtufungen zertheilt ſind; wir wollen dieſelben nicht namhaft machen. So verſchieden jedoch dieſelben auch unter ſich ſein mögen, ſo viel dürfte doch feſtſtehen: ſie alle, oder die meiſten von ihnen, kommen darin überein, daß vor dem Ende der Welt eine doppelte Auferſtehung des Fleiſches, und ein irdiſch herrliches Reich Chriſti und eine Herrſchaft der Gläubigen über die Gottloſen zu erwarten ſei. § 3. Von einer ſolchen Lehre einer zwiefachen ſichtbaren Wiederkunft Chriſti, einer zwiefachen Auferſtehung des Fleiſches und eines herrlichen tau⸗ ſendjährigen Reiches Chriſti auf Erden und irdiſcher Herrſchaft der Chriſten über die Unchriſten weiß aber die heilige Schrift nichts; dieſe Lehre iſt ihr durchaus fremd, ſie iſt ein Agraphon, d. h. ein menſchlicher Traum ohne Schrift. Oder nicht? So weiſe man uns doch die Stelle in der Schrift, worin dieſe Lehre mit ausdrücklichen, klaren und deutlichen Worten enthal⸗ ten wäre. Um eine derartige Lehre zu begründen, iſt es ja nicht genügend, ſolche Stellen aus der Schrift anzuführen, die überhaupt von einer ſicht⸗ baren Wiederkunft Chriſti, einer leiblichen Auferſtehung der Todten, oder von tauſend Jahren reden u. dgl.; denn daß es ſolche Stellen gebe und deren mehr als eine, welcher Chriſt wollte oder könnte das leugnen? Sondern um eine zwiefache ſichtbare Wiederkunft Chriſti handelt es ſich, um eine zwie⸗ fache leibliche Auferſtehung der Todten, um ein tauſendjähriges irdiſches Reich Chriſti! Da möge man den Scharfblick des Auges anſtrengen und uns dieſes mit ein paar recht ausdrücklichen, klaren, unmißverſtändlichen Stellen nachweiſen. — Es wird ſich nicht eine einzige finden. § 4. Man heißt uns Offenb. 20. leſen. Wohlan, wir haben es ge⸗ leſen, und beſcheiden uns gänzlich, daß wir es authentiſch auszulegen ver⸗ möchten. Wir meinen zwar, daß es bereits erfüllt ſei, doch wagen wir nicht, dieß für ſchlechterdings gewiß zu erklären. Iſt es aber noch nicht erfüllt, ſo kann es authentiſch nur durch einen Propheten erklärt werden.*) Wir wollen es alſo abwarten, bis Gott einen ſolchen Propheten erweckt, der vor der völligen Erfüllung der Offenbarung St. Johannis dieſelbe uns auf eine authentiſche Weiſe auslege und erkläre. Doch würde auch eine ſolche Auslegung und Erklärung mit der Richtſchnur ſtimmen, die wir ſchon in Händen haben, und die uns dazu gegeben iſt, um alle Lehre danach zu prü⸗ fen, nämlich die Aehnlichkeit des Glaubens, nach Röm. 12, 7. Bevor wir eine ſolche völlige Gewißheit gebende, auf unmittelbare Erleuch⸗ -------------------------------- *) Prophetiae ante complementum non habent liquidam et certam expoſi- tionem, niſi ipſius Spiritus ſancti illuminatio accedat. Joh. Gerh. Loc. XXX, cap. VII. § XCIII.