# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Dezember 1856_S360 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 360 Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. Acht zu lassen ist, daß Luther das „von Neuem Böses schaffen" ausdrücklich dem entgegensetzt S. 84: „Ehe Adam fiel und übertrat, da war Alles, das Gott gemacht hatte, noch sehr gut," und nachdem nun den Menschen „von Art böse" nennet — vgl. S. 86: „— Den Willen Satanä, den Er böse findet und nicht Böses in ihm von Neuem macht — dieweil Satan durch sein Abfallen einen verderbten Willen hat" ꝛc. ꝛc. —) so ist nur dieses Eine denkbar und als möglich gesetzt, daß durch freie Wahl der Mensch sich der Versuchung hingegeben und in die Sünde gerathen sei; wie denn Luther die Möglichkeit des Gegentheiles selbst zugesteht zu 1 Mos. 3 Th. 1. S. 367 fg. vgl. Th. 2. S. 482, obwohl er, von hoch einherfahrenden Geistern unverstanden, seinem Zwecke gemäß hier vor Allem das urgirt, daß Adam nicht einmal, der geistlich war, die Reinigkeit, das Paradies, die Erstlinge der anerschaffnen Güte sich bewahrte. Die bloße Zulassung des Bösen ohne den concursus Dei simultaneus (i. e. influxus generalis et immediatus), da Gott im Reiche Seiner Geschöpfe, das wie alle Kraft und Herrlichkeit nur aus, in und zu Ihm ist, mit müßiger Beschauung, ohne sie lebendig zu erfüllen und durchdringen, dieselben aus den Händen gleichsam läßt, konnte freilich nicht in einen Lehrbegriff eingehen, welcher Gott allein die Majestät und Ehre gab, ohne einer blinden, fatalistischen Prädestination den Weg zu bahnen, weil er das Wort darin sich Alles sein läßt,. (Vgl. S. 87: „Hier wird aber die Vernunft weiter fragen, warum denn Gott nicht aufhöret von Seiner allmächtigen Wirkung, dadurch der böse Wille der Gottlosen gereget wird und bewegt, daß er fortfähret und nur ärger wird? Darauf antworte ich: Das heißt begehren, daß Gott soll aufhören Gott zu sein um der Gottlosen willen. Denn also begehren, daß Seine ewige Kraft und allmächtige Wirkung soll aufhören, das heißt also viel begehrt, Er soll aufhören gut zu sein, auf daß die Gottlosen nicht ärger werden. Wenn nun hier die Vernunft aber fragt, warum Er denn solche böse Lust und Willen der Gottlosen nicht ändert, die er doch reget und treibet, und könnte sie wohl ändern? Da antworte ich: Das gehöret in den heimlichen Rath im Himmel und der göttlichen Majestat; denn Seine Gerichte und Urtheile unbegreiflich sind; und es gebührt uns nicht die zu forschen, sondern mit Furcht und Zittern anzubeten.") Ohne jemals aufzugeben und zu leugnen, daß mit der göttlichen Allwirksamkeit die kreatürliche Freiheit, welche an sich ganz recht bei ihm libertas a coactione und im Geschöpf, das sich treiben läßt, dispositiva qualitas ist, S. 27 fg., wohl bestehen könne, vgl. u. a. S. 53 fg. 118. 119 fg. 141 fg. auch 29 ꝛc. ꝛc. (besonders aber den drei Jahre später unter seiner Autorität herausgegebenen Unterricht der Visitatoren Th. XIX S. 637 fg. — doch nennt er lieber selbst und verstehet unter freiem Willen den mit Gottes Gnaden gezierten, ohne welche dieser mehr ein eigner, denn freier nach ihm heißen soll —), hat er darum auch, indem er die eine Seite vornehmlich erfaßte (S. 28 fg.), dialektisch scharf und richtig die andere von ihr gesondert und genau bestimmt. Nicht nur daß er S. 84 ausdrücklich sagt: „Derhalben ist Satan oder ein gottloser