# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S363 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 363 — diesmal können wir von keinem Fortgang reden. Weder verlangten außer den Wenigen, welche damals das Abendmahl genoſſen hatten, nach⸗ mals Mehrere darnach, noch kamen jene Wenigen wieder, es zum andern Male zu genießen. Auch die Schule ward nichts weniger als eifrig beſucht. Aus dem Allen ſahen wir bisher mit großen Schmerzen, wie wenig die Liebe zum heiligen Evangelio feſten Grund unter den Gliedern der Be⸗ thaniſchen Gemeinde gefaßt hat und unter welchen entmuthigenden Verhält⸗ niſſen der Miſſionar Mießler zu arbeiten hatte. Und er ſtand noch dazu bisher allein unter ihnen, denn ſeit länger als zwei Jahren ſchon übernahm ſein früherer College Röder eine Pfarrſtelle in Canada, und es lag von der Zeit an die Sorge für die ganze Miſſion auf den Schultern Eines Mannes. Je lauer die Indianer gegen das Wort Gottes ſich zeigten, deſto mehr wurde die Sorge um das Irdiſche und das Streben nach Wohlleben in amerikani⸗ ſcher Weiſe bei ihnen wach, und ein Anerbieten des Indianer⸗Gouver⸗ nements fachte ſolch ihr Streben noch mehr an. Dieſes Anerbieten be⸗ ſtand darin, daß alle Indianer Michigans eingeladen wurden, in Ein County, genannt Iſabella, zu ziehen, worin jedem Familienhaupte etwa 80 Acker guten Landes nebſt andern Subſiſtenzmitteln unentgeltlich zugetheilt werden ſollten, falls ſie ſich daſelbſt anſiedeln würden. Die Indianer Bethaniens wurden für das Anerbieten beſonders von Seiten der Methodiſten ſehr enthuſiasmirt, welche Letzteren es ſich recht angelegen ſein ließen, ihre Stammesgenoſſen bei dieſer Gelegenheit nicht allein von Bethanien, ſondern auch von der lutheriſchen Gemeinde wegzulocken. Ob es nun wohl im All⸗ gemeinen den Indianern nicht zu verargen ſein möchte, wenn ſie Luſt bezeig⸗ ten, ſich 80 Acker Land nebſt andern Vortheilen ſchenken zu laſſen, ſo be⸗ drängte doch die eigenthümliche Lage der Miſſion in Bethanien das Herz des Miſſionars Mießler, ſowie der Miſſionscommiſſion nicht wenig, da wir erkannten, wie wenig Dankbarkeit gegen Gott für die Gabe Seines Evangelii bei den Indianern zu verſpüren ſei, daß ſie ihren Wohnort zu verändern bereit waren, ohne nur darnach zu fragen, ob auch ihr Miſſionar mit ihnen wandern werde. Darüber machten wir ihnen Vorſtellungen und ermahnten ſie zur dankbaren Anerkennung deſſen, was Gott beides in geiſtlicher und leiblicher Hinſicht in Bethanien an ihnen gethan habe. Obwohl ſie ein Jeder in Bethanien durch die Fürſorge der Synode nur etwa 30 Acker guten Farm⸗ landes zu ihrer Dispoſition hätten, ſo ſei doch auch dies ein ſchönes Beſitz⸗ thum, darauf ſie mit den Ihrigen friedlich leben könnten; ſollten ſie aber dennoch dafür halten, daß ſie beſſer daran ſeien, wenn ſie 80 Acker auf einem andern Platze beſäßen und dieſelben bezögen, ſo ſolle vor allen Dingen ihre vornehmſte Sorge ſein, daß die Predigt des Evangeliums nicht von ihnen genommen werde. In der Zeit der größten Entmuthigung, von der auch der „Lutheraner“ (Ende des letzten Jahrgangs) Zeugniß gibt, kam der Präſes der allgemeinen Synode nach Michigan und beſuchte mit dem Unterzeichneten und dem Paſtor Auch zuſammen die Station Bethanien. Er ſah mit uns den gänzlichen Verfall der Miſſion Bethanien vor Augen, falls die Gemeinde in ihrer Leichtfertigkeit und Geringſchätzung der Predigt fortfahren würde. Er erkannte mit klarem Blicke alle Schäden, auf welcher Seite ſie auch liegen mochten. Vor Allem wußte er durch ſeine Zuſprache den Miſſionar Mießler wieder zu ermuthigen, allen Kleinglauben fahren zu laſſen und mit neuer Kraft das Miſſionswerk bei den Alten wie bei den Jungen wieder anzugreifen, beſonders auch das bisherige Benehmen der Indianer nicht der Bosheit, ſondern der Unerfahrenheit und dem Leichtſinn zuzurechnen. So⸗