# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S348 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 348 — Herr Paſtor Schieferdecker: Es habe hier öfter den Anſchein gehabt bei den Verhandlungen, als dürfe man nicht einmal dieſe Hoffnungen hegen, das habe ihn bewogen, es bei dieſer Frage auszuſprechen, damit er nicht in ſeinem Herzen reſervire, und bei ſeinem „Ja“ jedermann verſtehe, als ob er alle Hoffnung auf ein ſeliges Reich Chriſti hier auf Erden fallen laſſe. Er wolle aufrichtig ſein. Er könne und wolle nicht verleugnen, was er in ſeiner Ueberzeugung und in ſeinem Herzen hege, und glaube nicht, daß dieſe Hoff⸗ nung wider die Analogie des Glaubens ſtreite. Jeder müſſe das Recht zu⸗ geſtehn, wenn von Jemandem Grund und Rechenſchaft ſeines Glaubens ge⸗ fordert werde, daß er eine ſolche Antwort gebe, wie ſie ſeinem Sinne am beſten entſpreche. Nun könne die Synode entſcheiden, ob der Zuſatz gegen die Analogie des Glaubens ſei oder nicht. Es wurde die Bemerkung gegen dies Verfahren gemacht, daß wenn die Synode von dem eingeſchlagenen Wege wieder abgehe, und Herrn Paſtor Schieferdecker auffordere, und ihm gewähre, Erklärungen zu geben, ſo würde man wieder an die mündlichen, flüchtigen Bemerkungen Herrn Paſtor Schie⸗ ferdeckers verwieſen. Es ſei genugſam mündlich mit Herrn Paſtor Schiefer⸗ decker verhandelt; es müſſe nun nach ſeiner ſchriftlichen Antwort beurtheilt werden, ob dieſe wider die Analogie des Glaubens ſei oder nicht. Gegen die Aeußerung des Herrn Paſtor Schieferdecker wurde bemerkt: Er ſage, er habe die Zuſätze deswegen gemacht, weil er als Chriſt das Recht habe, Rede und Antwort zu geben der Hoffnung, die in ihm ſei; das habe er nicht gethan, er ſei vielmehr einem ehrlichen chriſtlichen Bekenntniß aus⸗ gewichen. Er ſage „Ja“, weiche aber dem ehrlichen Bekenntniß aus. Es ſei doch ſchrecklich, wenn ein Chriſt nicht ein rundes Bekenntniß gebe auf eine ſolche Frage, worauf „Ja“ oder „Nein“ fallen müſſe. Er ſage „Ja“, aber behalte ſich eine Menge chiliaſtiſcher Anſichten vor, die er behalten wolle und doch den Schein haben, als ſei er ein rechtgläubiger Chriſt. Man wolle nicht über ſeinen Sinn richten, ſondern beurtheile ſeine Worte. Sei das nicht ſein Sinn, ſo möge er den Zuſatz widerrufen. Das hätten die alten Theologen auch bei Seidenbecher verlangt. Man müſſe darauf beſtehen, daß er ein unverclauſulirtes „Ja“ auf die Frage gebe; könne er das nicht, ſo möge er „Nein“ ſagen. Trotz aller Einſchränkungen ſei doch ſoviel gewiß bei Betrachtung ſeiner Clauſeln, daß darin ausdrücklich der Chiliasmus bekannt werde, welchen Pfeifer in ſeiner Schrift den „groben“ nenne. Das Princip des Chiliasmus ſei vollſtändig darin. Würden wir die Antwort anerkennen, ſo würden wir uns damit zum Chiliasmus bekennen. So lange Herr Paſtor Schieferdecker nicht ein rundes „Ja“ zu unſerm Glauben ſpreche, könne man ihn nicht als Bruder anſehen. Es würde ein großer Schade daraus entſtehen, wenn die Synode zulaſſe, daß Herr Paſtor Schieferdecker fort und fort ſeine Antworten verclauſulire. Es wurde von Neuem darauf gedrungen, daß Herr Paſtor Schieferdecker auf jede Frage „Ja“ oder „Nein“ antworte; wenn er nicht mit „Ja“ antworte, könne man ihn nicht als Glaubensbruder anſehen. Er müſſe erklären, daß Alles, was er hinzugeſetzt habe, nicht eine Be⸗ ſchränkung des „Ja“ ſein ſolle; ſondern daß er ſich einfältig zum chriſtlichen Glauben bekenne. Freilich ſehe ein Jeder, daß, wenn nicht eine Aenderung in ihm erfolge, er dasſelbe nicht thun könne. Denn in der zweiten Frage ſage er „Ja“; aber ſtoße ſich an dem Worte „ohne Ausnahme“. Es möchte nun ſcheinen, er denke dabei vielleicht an ein Wunder, das geſchehen, und durch welches, vor der allgemeinen Auferſtehung der Gerechten und Ungerech⸗