# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S345 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 345 — dritten Artikel des chriſtlichen Glaubens enthalten ſind. Ich bekenne ferner, daß die Kirche hier auf Erden ihr von Gott verordnetes Kreuz und Trübſal von Teufel, Welt und Fleiſch bis an den jüngſten Tag haben wird. Ich bekenne ferner, daß die Kirche in ſtetem Warten der Zukunft Chriſti ſtehen müſſe, und daß der jüngſte Tag alle Augenblicke kommen könne. Meine ausgeſprochene Anſicht über die tauſend Jahre in der Offen⸗ barung St. Johannis, daß dieſelben nach dem im Zuſammenhange des prophetiſchen Wortes ſelbſt gegebenen Fingerzeig zwiſchen dem endlichen Un⸗ tergang des Antichriſts und dem Weltgericht mitten inne liegen, und alſo ſchwerlich ſchon erfüllt ſein können, will ich nur als meine Privatmeinung angeſehen haben, die ich nicht zu einem Lehr- und Glaubensartikel machen oder irgend jemanden aufdringen will.“ — Nach dem Vorgefallenen glaubte die Synode ſich mit dieſer Antwort des Herrn Paſtor Schieferdecker nicht beruhigen zu können. Man war der Meinung, daß, wenn dem wirklich ſo wäre, daß Herr Paſtor Schieferdecker die in ſeiner Antwort angezogenen Glaubensartikel von Herzen glaubte, er auch mit uns den Chiliasmus verwerfen müßte. Entweder lebe Herr Paſtor Schieferdecker im Widerſpruche mit ſich ſelbſt, ohne es zu wiſſen, oder es ſei nicht ſo, wie er geſchrieben. Letzteres ſei nicht zu glauben, da er ſich immer als aufrichtig und ehrlich bewieſen; ſo möge das Erſtere der Fall ſein. Paſtor Schieferdecker wolle den feineren Chiliasmus feſthalten; man habe aber Urſache zu fürchten, daß er auch den groben noch feſthalte. Es wurde in Bezug darauf folgende Stelle aus „Pfeifer's Antichiliasmus“ (2. Aufl. v. 1729 S. 112) verleſen: „Den ſubtilen Chiliasmus nennen wir die Meinung derjenigen, welche zwar dafür halten, die tauſend Jahre Offenb. 20. ſeien noch nicht erfüllt, ſondern es ſtehe die daſelbſt verſprochene Herrlichkeit noch zu erwarten; doch ſo, daß ſie keine ſichtbare Wiederkunft Chriſti zum irdiſchen Reiche, keine per⸗ ſönliche Regierung, keine doppelte Auferſtehung ꝛc., ſondern nur halcyonia (d. i. eine ſtille ruhige Zeit) und einen friedlichen Zuſtand der Kirche ſtatuiren, dabei die eigentliche Art, ja auch die Zeit (wie lange es eigentlich damit währen werde) Gott heimſtellen, wie Launojus, Rallius, Coccejus, Brennius u. A. thun. Solchen Chiliasmus halten wir nun zwar für falſch und irrig, allein, weil dadurch die Grundartikel des chriſtlichen Glaubens nicht angetaſtet werden, ſo halten wir denſelben, zumal wenn man problema⸗ tice (d. i. fraglich) davon handelt und ſeine Meinung niemand aufbürdet, für keine Ketzerei. Sondern es wird jetzt die Frage ſein von dem „mittlern Chiliasmus“, den wir den groben heißen ꝛc.“ Dagegen wurde von anderer Seite eingewandt, man müſſe mit einem irrenden Bruder ſo gelinde wie möglich verfahren, und das Uebrige Gott überlaſſen. Er bekenne ſich ja zu der Lehre der Kirche mit runden Worten. Wenn er den ſubtilen Chiliasmus noch feſthalte als Privatmeinung, ſo könne man ihm das nicht wehren. Er müſſe doch von dieſen Artikeln in der Gemeinde zeugen, wie er hier geſchrieben ꝛc. Dagegen wurde auf das Bei⸗ ſpiel des Arius hingewieſen; der würde tauſend Eide darauf geſchworen haben, daß er ſich zu der Lehre von der Gottheit Chriſti mit der rechtgläu⸗ bigen Kirche bekenne: wenn man ihm ohne Weiteres geglaubt hätte, wo wäre dann, menſchlich geredet, die reine Lehre? Man müſſe ihm beſtimmte Fragen vorlegen, worauf er mit Ja oder Nein antworten müſſe; das ſei man ſchon ihm ſelbſt ſchuldig. Er könne uns am jüngſten Tage verklagen, wenn wir aus falſcher Liebe zu ihm ihn in ſeinem Irrthum ſtecken ließen. Die Synode habe ſich ſchon früher dahin geeinigt, ſich mit nichts anderm zu be⸗