# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S343 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 343 — ſolche Hoffnung, die ſich nicht nur auf Muthmaßungen und Conjecturen der gegenwärtigen Verhältniſſe gründe, ſondern die ihren Grund in der Schrift habe. Darauf wurde erwidert: Wenn eine Hoffnung eine ungewiſſe genannt und doch von ihr behauptet werde, ſie habe ihren Grund in der Schrift, ſo ſei das eine läſterliche Rede. Er liege in einer Täuſchung. Wie bei der allge⸗ meinen Judenbekehrung, ſo auch hier, meine er ſeine Hoffnung auf eine prophetiſche Stelle zu gründen, und doch, hier wie dort, ſei er zweifelhaft; das müſſe ihm doch klar machen, daß die Weiſſagung dunkel ſei vor der Er⸗ füllung, daher die Hoffnung nicht auf dem klar erkannten, von dem Heiligen Geiſt intendirten Sinn, wie bei Glaubensartikeln und der Hoffnung, die ſich auf klare und deutliche Ausſprüche der Schrift gründe, erbaut ſein könne; denn dieſer ſei eben noch nicht klar. Er müſſe doch erkennen, daß ſeine auf ſeine eigene Auslegung gebaute Hoffnung nur für eine menſchliche Opinion, Dünkel und Wahn zu rechnen ſei. Herr Paſtor Schieferdecker erklärte, er müſſe geſtehen, es ſei ihm unmög⸗ lich, heute oder überhaupt in dieſen Tagen ſich zu überzeugen, daß das, was er in der Weiſſagung des Alten und Neuen Teſtaments zu finden glaube, eine offenbar falſche und irrige Hoffnung ſei; er finde wahrlich Grund dafür in der Schrift und über dieſe Gründe könne er nicht hinweg kommen. Freilich ſehe er wohl, daß Manches dagegen geſagt werden könne, namentlich wenn er gedrängt werde, zu ſagen, ob er glaube, daß JEſus Chriſtus zu dem endlichen Gericht jeden Augenblick kommen könne; das wage er nicht zu leugnen, weil bezeugt werde, die Analogie des Glaubens erfordere dieſes ſchlechterdings. Wiewohl er auch andrerſeits deutlich ſehe, daß dieſe Er⸗ wartung des jüngſten Tages ihre Begrenzung habe; wie z. B. Paulus ſage: es ſeien noch tauſend Jahre dazwiſchen; das habe doch auch Gott geſagt. Er könne keine befriedigende Antwort jetzt geben. Es ſei gegen ſein Gewiſſen, wenn er jetzt ſage, daß er feſt und zuverſichtlich ohne allen Zweifel glaube, daß nichts mehr vor dem jüngſten Tage zu erwarten ſei. Es wurde ihm erwidert, daß er auf ſein Gewiſſen lade, womit er nichts zu thun habe, und das von ſeinem Gewiſſen abwälze, worin allein ſein Ge⸗ wiſſen gebunden ſein ſollte, nämlich Gottes klares Wort. Uebrigens werde von ihm nicht verlangt, was er eben geſagt habe. Er ſollte nichts aufgeben von dem, was die Weiſſagungen enthalten, ſondern nur ſeine eigene Aus⸗ legung, die er über klare Glaubensartikel ſetze. Das wollten und könnten wir auch nicht entſcheiden, ob nicht noch Vieles dahinten ſei, was in der Schrift geweiſſagt, aber noch nicht erfüllt ſei. Das ſei aber gewiß, daß der HErr jeden Augenblick zum endlichen Gerichte kommen könne, das ſage die Schrift deutlich. Er ſolle alſo auch nach dem leitenden Grundſatz der Schriftauslegung die Auslegung dunkler prophetiſcher Schriftſtellen den kla⸗ ren Machtſprüchen der Schrift unterwerfen. Denn die Schrift ſage, es ge⸗ ſchehe keine Weiſſagung aus eigner Auslegung; hat jemand Weiſſagung, ſo ſei ſie dem Glauben ähnlich. Er thue das Gegentheil. Er ſtelle noch immer ſeine Auslegung über die hellen Sprüche der Schrift, obgleich er ſelbſt ſage, ſie ſei nicht unumſtößlich, ſeine Hoffnung könne ſich auch als eine falſche erweiſen, er ſie alſo ſelbſt für nicht mehr, als einen Wahn oder menſchliche Opinion halten könne. Solche zweifelhafte Dinge gehörten nicht in die Kirche, und wenn ein Prediger ſich mit ſolchen Dingen befaſſe, ſo ſei er eben ein Prediger ſeiner eignen menſchlichen Meinung und nicht ein Verkündiger göttlichen Wortes. Das ſei kein Rohr, ſondern feſt und ewig.