# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S342 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 342 — zwiſchen ihm, dem Miniſterium von St. Louis und den Profeſſoren der An⸗ ſtalt. Dort ſei es ihm ganz überlaſſen worden, den Gang, die Art und Weiſe der Verhandlungen ſelbſt anzugeben. Er habe ſich daſelbſt endlich ſo ausgeſprochen, daß man mit Zuverſicht habe hoffen dürfen, er habe den Chiliasmus aufgegeben. Kaum ſei er in Altenburg angekommen, ſo ſei es wieder das Alte geweſen. Man ſehe keinen Grund der Hoffnung, daß man durch längere Verhandlungen mehr mit ihm ausrichten würde. Liebe zu ihm würde ſich dadurch am beſten beweiſen, wenn man Ernſt gebrauche, um mit ihm zum Abſchluß zu kommen. Es wurde darauf angetragen: Da es unſer Aller Herzen beſchweren müßte, wenn wir uns in unſerem Verhalten bei dieſer Angelegenheit in irgend etwas verfehlen ſollten, ſo möchte es gut ſein, uns Alle zu ſtärken durch Vor⸗ leſung jener Schrift, welche den chiliaſtiſchen Streit und das Verfahren in demſelben zur Zeit und in dem Fürſtenthume Herzog Ernſts des Frommen beſpricht. Dieſer Antrag wurde zum Beſchluß erhoben, und die Vorleſung geſchah während der noch übrigen Zeit der Vormittags- und einer Extra⸗ Nachmittagsſitzung. (Siehe den Auszug dieſer Schrift im „Lutheraner“, No. 8 und 9, des 14. Jahrgangs.) Achte Sitzung. Herr Paſtor Schieferdecker erklärte ſich in Bezug auf den Chiliasmus: er wolle ſeine Anſicht und Meinung von den letzten Dingen nicht zu einem Glaubensartikel machen, ſondern hege ſie als eine Hoffnung, ſo lange bis er aus dem klaren prophetiſchen Worte des Gegentheils überzeugt würde. Es ſei ihm nicht ein Artikel des Glaubens, ſondern der Hoffnung. Der Präſes entgegnete: Die Synode wolle von ihm, als einem Syno⸗ dalgliede, wiſſen, ob zwiſchen ihm und der Synode die rechte Einigkeit in der Lehre beſtehe. Sie habe ihm daher in Bezug auf einen Artikel des Glau⸗ bens eine beſtimmte Frage vorgelegt, und erwarte darauf eine beſtimmte runde Antwort. Es wurde dann darauf hingewieſen, daß, was ein Stück der chriſt⸗ lichen Hoffnung ſei, auch ein Stück des chriſtlichen Glaubens ſein müſſe; denn die Gegenſtände der chriſtlichen Hoffnung ſeien zugleich Gegenſtände des chriſtlichen Glaubens: der Glaube iſt eine feſte Zuverſicht deß, das man hoffet ꝛc., nur mit dem Unterſchiede, daß die Gegenſtände der Hoffnung in der Zukunft lägen. Wenn aber Herr Paſtor Schieferdecker damit ſagen wolle, es ſei nur eine menſchliche Hoffnung, wie man etwa hoffen könne, die lutheriſche Kirche hieſigen Landes komme noch zu großer Blüthe ꝛc., ſo könne kein Menſch etwas dagegen haben; geſetzt, dieſe Hoffnung hindere ihn nicht an der gläubigen Annahme des Glaubensartikels. Herr Paſtor Schieferdecker erwiderte: Es ſei ein Unterſchied zu machen zwiſchen einer unfehlbaren Hoffnung und einer möglicher Weiſe fehlbaren Hoffnung, z. B. die Hoffnung der Auferſtehung zum ewigen Leben ſei eine unfehlbare Hoffnung, weil der Grund derſelben ſo klar in der Schrift nieder⸗ gelegt ſei, daß in der rechtgläubigen Kirche kein Widerſpruch dagegen ſtattfinden könne. Ein anderes ſei es mit dem tauſendjährigen Reich und überhaupt mit dem, was der Sohn Gottes der Kirche in der Offenb. Joh. gegeben. Darüber ſeien immer verſchiedene Auffaſſungen und Meinungen geweſen, und es könne daher nicht als unfehlbar gewiß aufgeſtellt werden, wie andere Glaubensartikel. Wenn das unter einer menſchlichen Hoffnung verſtanden ſei, ſo gebe er zu, daß es eine menſchliche ſei, aber doch eine