# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Dezember 1856_S357 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. 357 und Wollens in letzter Instanz die Prädestinationslehre gegründet werde, (s. S. 92, wo er sagt, daß Gott „viel Dinges nicht thue, das Er doch vermöge“;) — was die Schweizer*) thaten, welche mit großer Zuversicht die Zwecke zu bestimmen wagten, die Gott bei der Anordnung der Sünde und des menschlichen Schicksals zu verfolgen gehabt, nämlich daß für Seine Eigenschaften Objekte außer Ihm gefordert werden müßten; was Leibnitz that durch seine Zurückführung des Bösen auf den göttlichen Verstand als die ideale Ursache, die der Schöpfer nicht selbst gemacht habe, die daraus folgende Idee von einer besten Welt und die ihm eigenthümliche Gestaltung des Satzes von dem zureichenden Grunde, und Neuere (von Spinoza an) durch ausgebildeteren Pantheismus; — sondern eben um mit Augustin die unbeschränkte Willensfreiheit und das ungemessene Wesen Gottes hervorzuheben, macht er S. 64 fg. zu Ezech. 33, 11. die Unterscheidung: „Warum aber Etliche durch das Gesetz getroffen werden, Etliche nicht, warum Etliche annehmen, Etliche verachten die angebotene Gnade, ist eine andere Frage, und wird hier von ihm, Ezechiel, nicht gehandelt, welcher redet von der Gnade, die Gott predigen und Allen anbieten läßt, nicht von dem heimlichen, heiligen Gotteswillen, der Alles ordnet, schaffet und thut durch Seinen Rath, welche und wie viel Er will der angebotenen, ausgerufenen Gnade theilhaftig und mitgenossig machen. Welcher heimliche Wille ist nicht zu forschen, sondern mit Furcht und Zittern anzubeten, als eine tiefe, heilige Heimlichkeit der hohen Majestät, die Er Ihm allein behalten hat —. Alsfern sich nun Gott verbirget und von uns hier nicht will erkennet sein, da sollen wir uns nicht kümmern —. So müssen wir nun Gott in Seiner Majestät und Natur, in Seinem heimlichen Willen ungeforschet lassen —. Gott trauert nicht um den Tod des Sünders, den Er wirket, sondern trauert um den Jammer und Tod, den Er findet an dem Menschen, und wollte den gerne wegnehmen.“ (Wie genau ist hier rein Prinzipielles der Spekulation und Angewandtes von einander gesondert, nach dem, was wir oben über Luthers Art und Weise der Betrachtung bemerkten!) — „Gott aber, wie Er verborgen ist in der Majestät, trauert nicht, nimmt den Tod nicht weg, sondern wirket Tod, Leben, Alles in Allen. Denn da hat sich Gott nicht in's Wort gefasset, sondern schwebt frei über Alles.“ Man höre, wie er, allerdings mit Recht, um Gnadenwillen und Erwählung als über allen Kreaturen unabhängig und nur in Gott selbst durch Versehung der gläubigen Erkenntniß Seines Worts bedingt zu preisen, geoffenbar- *) Anm. Wenn auch die Vertheidiger der sogenannten reformirten Lehre von der Gnadenwahl, frühere oder spätere, gemeiniglich ein decretum Dei liberum annahmen; so widersprachen doch dem nur zu oft ihre sonstigen Bestimmungen. Man sehe unter vielem Anderen, wie spinozistisch z. B. der durch seine Kommentare bekannt gewordene Franz Burmann in der synopsi theol. I, 25 sich äußert: „Objectum omnipotentiae divinae est possibile, hoc est, quidquid Deus velle potuit, quum rerum possibilitas non sit in rebus ipsis, sed in sola Dei voluntate; unde sequitur, respectu Dei nullam esse contingentiam, quae juxta ac possibilitas non rerum adfectiones, sed intellectus nostri defectus notant.“ [unleserlich]