# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S341 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 341 — Chiliaſten, und wie ſie begründet zu werden pflege. — Der Synode müſſe nur daran liegen, zu wiſſen, ob er als ein Glied derſelben mit ihr einhellig ſei in Glauben und Lehre ſolcher Artikel, die mit zum einfältigen Kinderglauben gehören. — Sie habe ſchon früher bekannt, daß ſie den Schlüſſel zur Offen⸗ barung nicht habe, daher das Falſche ſeines Glaubens, der ſich auf den Zu⸗ ſammenhang der Prophetie und Geſchichte gründe, nicht durch eine unum⸗ ſtößlich gewiſſe Erklärung der Geheimniſſe in der Offenbarung, wohl aber durch den nachgewieſenen Widerſpruch mit der Analogie des Glaubens, auf⸗ decken und ihm nehmen könne und, da er dieſen nicht Gehör gebe, ſo könne eine ſolche Mittheilung weder ihm noch der Synode nützen, vielmehr müſſe ſie fürchten, ihm ſelbſt durch ſolche Verwilligung zu ſchaden, da bekanntlich irrende Lehrer durch ihren Vortrag nur je länger je mehr in ihrem Irrthum geſtärkt würden. Siebente Sitzung. Das Antwortſchreiben Herrn Paſtor Schieferdeckers auf die ihm geſtern vorgelegte Frage wurde eingehändigt, verleſen und lautet wie folgt: „Auf die Frage, ob ich glaube, daß der HErr Chriſtus in zweiter Zu⸗ kunft zum letzten allgemeinen Gericht noch heute kommen könne, antworte ich: Obwohl ich aus Vergleichung und Erwägung derjenigen prophetiſchen Stellen, welche von den letzten Dingen handeln, ſchließen muß, es ſei noch nicht Alles erfüllt, was der HErr Chriſtus ſeiner Kirche vor dem Ende ſeines Gnadenreiches begegnen laſſen will, ſo halte ich es dennoch nicht für unmög⸗ lich, daß der HErr jeden Augenblick kommen könne, weil ich mich in dem Verſtändniß der prophetiſchen Stellen nicht für unfehlbar halte.“ Es wurde darauf bemerkt: Die Antwort ſei nicht befriedigend, da er einem Glaubensartikel nicht ſeine freudige Zuſtimmung gebe, ſondern nur einräume, es ſei nicht unmöglich, daß er ſich erfülle; indeſſen habe doch die Synode Urſache, ſich zu freuen. Geſtern würden wir dieſe Antwort nicht er⸗ halten haben. Es ſei zwar kein rechtes Bekennen, aber es liege darin ein Zugeſtändniß, daß er ſeinen Chiliasmus nicht mehr für ein Stück ſeines Glaubens halte. Denn wäre er ein Stück ſeines Glaubens, ſo würde es ihm abſolut gewiß ſein: das tauſendjährige Reich muß erſt kommen. Denn der Chriſt, der ſich in ſeinen Glaubensartikeln nicht für infallibel halte, ſei ein armſelig Ding, kein Chriſt. Er wolle doch nun dem Glauben der Schrift nicht mehr ſchnurſtracks widerſprechen. Es ſei der Hoffnung, daß er dennoch im Glauben mit uns einig werden könne und werde. Die Liebe hoffe Alles. Man müſſe auf Grund dieſer Antwort weiter mit ihm verhandeln, nichts⸗ deſtoweniger auf einer runden Antwort mit Ja oder Nein beſtehen. Auf anderer Seite konnte man nach dem, was man geſehen und gehört hatte, dieſer Hoffnung nicht Raum geben. Die Antwort ſei im Grunde keine andere, als wir ſchon früher vernommen; auf alle Fragen, ob er den chriſtlichen Glauben mit bekenne, werde er eine ſolche Antwort geben: Ich glaube es, aber weil ich ein ſchwacher Menſch bin, ſo kann ich auch irren; es kann auch anders ſein. Vor anderthalb Jahren ſei auf der Synode in Altenburg mehrere Tage lang mit ihm verhandelt worden, er habe damals etwas nachgegeben; aber der Eindruck ſei bald verwiſcht. Dann, weil durch die be⸗ wußte Predigt von Neuem Unruhen ausgebrochen, ſeien Paſtor Schaller und Prof. Biewend nach Altenburg geſandt worden, mit ihm zu verhandeln. Dann ſei der Präſes der Synode zu ihm gereiſ't, habe ihn ſelbſt mit nach St. Louis gebracht, dort ſeien mehrere Tage hindurch von Neuem Verhandlungen gepflogen