# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S340 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 340 — und geſungen werde. Allen dieſen klaren Stellen, dieſem allgemeinen Glau⸗ ben, dieſer ſeligen Hoffnung und Erwartung der ganzen heiligen Chriſten⸗ heit auf Erden trete er mit ſeiner Auslegung einer dunkeln prophetiſchen Stelle aus einem prophetiſchen Buche entgegen. Wo der HErr Ja ſage, die ganze Chriſtenheit mit Einem, allgemeinen lauten Ja antworte, da ſage er auf Grund dieſer Einen dunkeln prophetiſchen Stelle: Nein; es muß noch erſt ein Zwiſchenreich kommen von tauſend Jahren; der HErr kommt noch lange nicht. Es wurde darauf hingewieſen, wie den Chiliaſten alle nüchterne Schriftauslegung entſchwunden ſei; einem jeden Menſchen müſſe doch einleuchten, daß die angeführten Stellen von der Wiederkunft Chriſti deutlich, jene aus der Offenbarung eine prophetiſch dunkle ſei; ihnen ſeien dagegen alle andern Stellen dunkel, dieſe Eine allein klar. Herr Paſtor Schieferdecker meinte, ſeine Anſicht von dem tauſendjährigen Reich hebe die Lehre von dem jüngſten Gericht nicht auf, ſondern beſtätige ſie. Gott habe auch die Zeiten ſeiner Haushaltung näher bekannt gemacht in den prophetiſchen Schriften, während er den Grund der Lehre in den andern Schriften gelegt habe. Er warte auf den jüngſten Tag, aber weil er deutlich ſehe, daß nach der Offenbarung Johannis noch eine Zeit von tauſend Jahren vorhergehen ſolle, und er aus dem Zuſammenhang der Pro⸗ phetie und Geſchichte nicht ſehen könne, daß ſie ſchon vorüber ſei, ſo glaube er ſich nicht zu verſündigen, wenn er ſage: ich bin alle Tage bereit auf mein Ende, auf die Zukunft Chriſti; doch kann ich nicht wohl glauben, daß heute oder morgen der jüngſte Tag komme. Es wurde ihm nachgewieſen, daß in den Stellen von der Wiederkunft Chriſti nicht die Rede ſei von einem Kommen des HErrn auf andere Weiſe, ſondern nur von ſeiner Wiederkunft zum Gericht, er alſo durch derlei Erklärungen nur ausweiche. Ein Sehnen nach dem jüngſten Tage, und ein Warten auf denſelben nach dem Wort des HErrn ſei grundverſchieden; was das über⸗ haupt für ein Glaube ſei, der ſich gründe auf den Zuſammenhang der Pro⸗ phetie und Geſchichte, und zwar, wie er nach menſchlichem Dünken ſolches anſchaue; und wie eine Erwartung des jüngſten Tages, wie der HErr ſie verlange und die geſammte Chriſtenheit ſie hege, mit der Erwartung eines dazwiſchenliegenden tauſendjährigen Reiches ſchnurſtracks im Widerſpruch ſtehe. Er wurde dann von verſchiedenen Seiten auf das eindringlichſte ermahnt, ſich unter Gottes Wort zu beugen, und nicht ſeine Auslegung über die klaren Ausſprüche desſelben zu ſetzen, welches ja eine greuliche Sünde ſei. Aber vergebens. Obgleich er bekannte, daß er nicht Alles befriedigend beantworten könne, ſo blieb er dennoch dabei, daß er nicht von ſeiner Anſicht abgehen könne, er müßte denn geradezu ſagen: die tauſend Jahre ſind gar nicht da; wie er denn ſchon früher geäußert, er könne ſeine Meinung nicht fahren laſſen, er werde denn überzeugt, daß Offenbarung Johannis 20. nicht Chriſti Wort ſei. Beſchloſſen: Dem Herrn Paſtor Schieferdecker die runde beſtimmte Frage zur runden beſtimmten Beantwortung vorzulegen: Ob er mit der ganzen Chriſtenheit den Glauben bekenne, daß der HErr JEſus Chriſtus jeden Augenblick zum endlichen Weltgericht kommen könne? Beſchloſſen, ihm zur Beantwortung derſelben bis Mor⸗ gen Zeit zu laſſen. Dem Wunſche des Hrn. Paſtor Schieferdecker, ſeine Anſicht, wie er ſie unter Studium und Gebet aufgeſetzt, der Synode mittheilen zu dürfen, glaubte die Synode nicht willfahren zu können. Sie kenne die Lehre der