# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S339 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 339 — Stellen Gottes Wort ſeien, noch um die nothwendige Erfül⸗ lung der darin enthaltenen Weiſſagungen; beides glaube die Synode. Sondern darum handele es ſich, ob helle und klare Ausſprüche des HErrn ſelbſt und ſeiner Apoſtel der Grund des Chriſtenglaubens ſein ſollen, worauf wir leben und ſterben, oder die Auslegung einer dunkeln prophetiſchen Stelle, von irgend einem Menſchen aus eigenem Dünkel hervorgebracht? Auf dieſe klaren Machtſprüche der Schrift hätten auch die erſten Chriſten ihren Glauben gebaut, und ſich bereit gehalten, daß der Tag ſie nicht über⸗ falle wie ein Fallſtrick, und ſie als Schalksknechte erfunden würden, die da ſprechen: Der HErr kommt noch lange nicht. Wenn ſie auf Stellen wie Offenb. 20. und ähnliche kamen, ſo wußten ſie eben, daß das prophetiſche Stellen ſeien, deren Sinn und Meinung durch die Erfüllung ſchon klar werden würde, die aber unmöglich den Sinn und die Meinung haben könn⸗ ten, die hellen Ausſprüche des HErrn von ſeiner Wiederkunft, und die darauf bezüglichen ernſten Ermahnungen und Warnungen, den Tag ja nicht in die weite Ferne zu ſchieben, und ſicher zu werden, aufzuheben. Dies geſchehe offenbar durch den Chiliasmus. Ueberdies hätten ſie wohl gewußt, daß tauſend Jahre vor dem HErrn ſeien wie Ein Tag, und Ein Tag wie tauſend Jahre. Daß übrigens bei den erſten Chriſten keineswegs, wie die Chiliaſten vor⸗ gäben, ſolche irrige Meinungen im Schwange geweſen, ſondern daß ſie im Gegentheil gar nicht daran gedacht hätten, erſehe man unter anderm klar und deutlich aus 2 Petri 3.; da ſei doch offenbar von der Wiederkunft Chriſti zum endlichen Gericht und dem damit verbundenen Untergang der Welt die Rede. Darüber, wie über die allgemein lebendig darauf hingerichtete Er⸗ wartung der erſten Chriſten, erhoben die leichtfertigen Spötter ihr Geſpött, und fragten: Wo bleibt denn die Verheißung ſeiner Zukunft? Wie vergeb⸗ lich erweiſet ſich eure Hoffnung? Es bleibt ja Alles, wie es von Anfang der Creatur geweſen iſt. Wie hätten, wenn die chiliaſtiſche Lehre und chiliaſti⸗ ſcher Glaube der Glaube der Chriſtenheit geweſen, man alſo gar nicht ein⸗ mal an die Möglichkeit des plötzlich hereinbrechenden jüngſten Tages habe denken können, die Spötter auf ſolchen Spott kommen, und wie hätte Petrus ihnen antworten können, wie er ihnen geantwortet hat? Hinſichtlich des zweiten Punktes wurde Hrn. Paſtor Schieferdecker wie⸗ derholt vorgehalten: Es ſei doch ein anerkannter Grundſatz der Schriftaus⸗ legung, daß die dunkleren Stellen der Schrift den klaren und hellen weichen, und nach ihnen ausgelegt werden wüßten, und nicht umgekehrt. Es ſei nun klar und unleugbar, daß die Schrift, und zwar auf das allerdeutlichſte und ſo, daß gar kein anderer Verſtand möglich ſei, nur von Einer noch bevor⸗ ſtehenden ſichtbaren Wiederkunft Chriſti rede, und zwar zum letzten Gericht am jüngſten Tage, zum Abſchluß ſeines Gnadenreiches, und zur Aufrichtung und Offenbarung ſeines Ehrenreiches in der Vollendung, daß gerade auf dieſe Zukunft des HErrn, nach denſelben klaren und hellen Ausſprüchen der Schrift, ein jeder Chriſt ſich bereit halten könne und ſolle; daß darauf die ganze Chriſtenheit auf Erden je und je ihren Glauben und ihre Hoffnung gebaut, daß dieſe Hoffnung dieſer ſtets zu erwartenden Zukunft des HErrn, und der Offenbarung ſeiner und der Seinigen Herrlichkeit, die ganze Chriſten⸗ heit je und je durchdrungen, daher in ihren Bekenntniſſen, Lehrbüchern, Erbauungsſchriften, Katechismen und Liedern niedergelegt ſei, und heute, wie in den früheſten Apoſtel⸗Zeiten, in alle Welt hinein gepredigt, bekannt, [SCAN: Wie S. 27 läuft am linken Rande ein breiter Bindungsſchatten, der die letzten ſieben Zeilen berührt. Alle Wörter ſind auf dem Bogen noch leſerlich; es wurde kein Buchſtabe blind ergänzt.]