# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S338 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 338 — ſein. Daß Chriſtus ‚ſichtbar' zur Aufrichtung des tauſendjährigen Reiches erſcheinen werde, wolle er nicht mehr behaupten. Er beſchwert ſich darüber, daß man dieſe auf das Wort Chriſti ſich gründende Hoffnung mit dem Namen Chiliasmus zur Ketzerei mache und verdamme; damit mache man Chriſtum ſelbſt zu einem Ketzer, und alle erſten Chriſten, die dasſelbe nach Offenb. 20 geglaubt und gehofft hätten, zu Chiliaſten.“ In Betreff des von Hrn. Paſt. Gruber übel aufgenommenen Wortes „Chiliasmus“ erwiederte die Synode: Man gebrauche ſich dieſes Wortes, um mit der ganzen Kirche die falſche Auslegung prophetiſcher Stellen und die darauf gegründete falſche Lehre von einem noch bevorſtehenden tauſend⸗ jährigen Reiche damit zu bezeichnen, wie man auch z. B. mit dem an ſich herrlichen Namen „katholiſch“ jetzt die Papiſten, mit dem Worte „Evange⸗ liſch“ die Unirten bezeichne. Unter „Chiliaſten“ verſtehe man daher ſolche Leute, welche die tauſend Jahre der Offb. Johannis ſo nehmen und auslegen, daß ſie eben damit andern deutlichen Stellen und klaren Ausſprüchen der heiligen Schrift widerſprechen, gegen die Analogie des Glaubens verſtoßen, wichtige Glaubensartikel verletzen, und alſo offenbar falſche Lehre aufrichten. Die erſten Chriſten ſeien eben keine Chiliaſten geweſen. Daß Alles, was ſie in der Schrift als Weiſſagung fanden, ſeine Erfüllung haben werde, glaub⸗ ten ſie ſicherlich, das „Wie und Wann“ überließen ſie dem HErrn; ſie aber hielten ſich mit ihrem Glauben und ihrer Hoffnung einer ſtets zu erwarten⸗ den Wiederkunft Chriſti zum endlichen Gericht an die klaren Ausſprüche des HErrn und ſeiner heiligen Apoſtel. Denn nicht von jedem Kommen des HErrn, auch auf andere Weiſe, wie durch den Tod ꝛc., ſondern gerade von dieſer ſeiner Wiederkunft in ſeiner Herrlichkeit ſei ausdrücklich zu Allen geſagt: Wachet. Im Verlauf der ſich daran anknüpfenden Discuſſion behauptete Herr Paſtor Schieferdecker: 1. Die erſten Chriſten müßten nach Offenbarung 20. geglaubt haben, die Wiederkunft Chriſti zum endlichen Gericht müſſe ſich wenigſtens noch tauſend Jahr verſchieben. 2. Auch er müſſe aus dem Zuſammenhang des Textes, namentlich des 19. und 20. Cap. der Offenbarung, den Schluß ziehen, die tauſend Jahre müſſen noch bevorſtehen, weil dort deutlich von der vorher⸗ gehenden Hinwegräumung des Antichriſts, und alles ſeines Weſens, wie aller Mächte, die dem Reiche widerſtanden haben, die Rede ſei. 3. In einem chriſtlichen Gemüthe laſſe ſich dennoch wohl vereinigen das Warten, und das ſtete Bereitſein auf die Zukunft Chriſti. Man könne chriſtlich wünſchen: Ach käme doch der HErr heute! man könne auch ſo wandeln, als käme er heute, wie der Apoſtel ſage: Unſer Wandel iſt im Himmel; und doch müſſe man dem Worte Gottes die Ehre geben, daß man glaube, nichts ſei umſonſt geredet. Alles und jedes müſſe erfüllt werden. Da Hr. Paſt. Schieferdecker im Verlauf der Verhandlungen ſolche und ähnliche Redensarten oft auf eine ſolche Weiſe gebrauchte, daß für die Synode der Vorwurf darin liegen mußte, ſie verwerfe überhaupt ſolche Stellen wie Offenb. 20. ꝛc., und glaube nicht die Erfüllung alles Deſſen, was Gott in ſeinem heiligen Worte geredet habe, ſo mußte ihm wiederholt vorgehalten und allen Ernſtes verwieſen werden, daß er dadurch auf eine unredliche und die Synode ſchmähende Weiſe den eigentlichen Standpunkt des Streites ver⸗ ſchiebe, um der beſtimmten Beantwortung einer beſtimmten Frage auszu⸗ weichen. Es handele ſich gar nicht darum, ob die angeführten