# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S336 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 336 — fertig an Gottes Wort gehandelt, ſo ſei es auch mit der ganzen Reformation nichts. Als ein treuer Seelſorger habe Hr. Paſtor Schieferdecker die Gewiſ⸗ ſen nicht einer Parthei, ſondern Aller berückſichtigen müſſen. Hr. Paſt. Schieferdecker bemerkte, er wolle, was er gepredigt und bezeugt, vor dem Richterſtuhl Chriſti verantworten. Denn wer, wie er, lebendig davon überzeugt ſei, daß die Offenbarung St. Johannis wirklich Chriſti Offenbarung ſei, und göttliche Weiſſagung, Troſt und Kraft zur Stärkung des Glaubens enthalte, dem müſſe auch daran liegen, daß in den Herzen der Gemeinden kein Zweifel an der Göttlichkeit des Buches erregt werde. Darauf wurde erwiedert, der Pabſt mit ſeinem Anhang decretire über die Echtheit oder Unechtheit bibliſcher Bücher, und wer dem Urtheile nicht beifalle, ſei ein Ketzer. Die Lutheriſche Kirche maße ſich nicht an, dar⸗ über etwas feſtzuſetzen, ſondern bleibe bei dem Unterſchied von canoniſchen Büchern erſten und zweiten Ranges, der je und je in der Kirche von den älteſten Zeiten her gegolten. Wie die älteſte Kirche, ſo habe auch ſie es un⸗ gewiß laſſen müſſen, ob die Offenbarung, wie die andern Schriften des Neuen Teſtaments, denen in der erſten Kirche von Einigen widerſprochen ſei, von einem Apoſtel oder unter apoſtoliſcher Autorität geſchrieben ſei, oder nicht. Nicht aus Leichtfertigkeit gegen, ſondern aus rechter Furcht vor Gottes Wort behalte ſie dieſen Unterſchied, der immer in der rechtgläubigen Kirche geweſen, bei; denn, wie es eine unerträgliche Verwegenheit ſei, wenn die Kirche durch ihren Machtſpruch falſche Bücher zu echten machen wollte, ſo ſei es gleichfalls papiſtiſch, nicht aber chriſtlich und lutheriſch, ſolche Bücher für eben ſo gewiſſe zu decretiren, die in der früheſten Kirche als „wider⸗ ſprochene“ nicht in dem eigentlichen Canon heiliger Schrift aufgeführt wären. Dieſe Freiheit. müſſe bleiben; das Gegentheil ſei papiſtiſche Tyrannei. Wer mit der früheſten Kirche, mit Luther und der Lutheriſchen Kirche in ihren anerkannt rechtgläubigen Theologen, die Canonicität der Offenbarung aus hiſtoriſchen Gründen bezweifele, ſei darum kein Ketzer und Verächter gött⸗ lichen Wortes. Wenn es daher einerſeits Hrn. Paſtor Schieferdecker unbe⸗ nommen geblieben, ſeine Gründe für die Echtheit der Offenbarung ſeiner Gemeinde vorzulegen, und ſie zu warnen, irgend welchem Zweifel daran Raum zu geben, ſo ſei es andererſeits unweiſe, unchriſtlich und ärgerlich gehandelt, daß er dabei den eigentlichen Stand der Dinge, wie er in dieſer Beziehung je und je in der chriſtlichen Kirche Statt gefunden, verhehlt, da⸗ durch Rumor angerichtet und einen gehäſſigen Schein auf diejenigen gewor⸗ fen habe, die mit der früheſten Kirche, mit Luther und den älteren rechtgläu⸗ bigen Theologen unſerer Kirche, den Unterſchied zwiſchen canoniſchen Büchern erſten und zweiten Ranges feſthielten; es ſei Unrecht, ſeine eigene Synode bei einfältigen Leuten innerhalb des Synodalkreiſes zu verdächtigen, da zu dieſer Verdächtigung auch nicht die geringſte Veranlaſſung vorgelegen. Während des Verlaufs der Verhandlungen erklärte noch Herr Profeſſor Walther: „Ich bekenne, daß ich die Offenbarung für das Werk eines Apoſtels und von Anfang bis zu Ende für Gottes geoffenbartes Wort halte; aber ich habe weder ein Recht, ſolche meine Ueberzeugung der Synode als ein Geſetz aufzudringen, noch glaubte ich dem Aufſatz eines Bruders die Aufnahme in den „Lutheraner“ verweigern zu dürfen, der mit Luther dieſelben Zweifel über das Buch der Offenbarung hegt, ohne die Göttlichkeit der darin ent⸗ haltenen Weiſſagungen anzutaſten“, dem die Synode beiſtimmte. Nach längern, eingehenden Debatten wurde Beſchloſſen: die Synode erklärt, daß ſie den Vorwurf als durchaus grundlos, und als eine Schmähung zurück⸗ weiſe, als wolle ſie das Anſehen der Offenbarung St. Jo⸗