# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S333 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 333 — Im fernern Verlauf ſeines Schreibens wiederholte Paſtor Gruber, mit Bezug auf Röm. 11, 25. 26., die Behauptung, daß dort von einer noch zu⸗ künftigen Bekehrung Israels die Rede ſei; und Paſtor Schieferdecker be⸗ ſchwerte ſich darüber, daß die Synode Weſtlichen Diſtricts, in dem erſten ihrer Beſchlüſſe, dieſe Hoffnung den Gewiſſen zur Sünde gemacht habe. Dagegen wurde einerſeits gezeigt, daß der Beſchluß keineswegs verwerfe, daß jemand jene Hoffnung hege; ſondern daß gelehrt werde, daß auf Grund von Röm. 11. und anderen Stellen eine allgemeine oder noch nie dageweſene, beſonders zahlreiche Bekehrung der Juden vor dem jüngſten Tage gehofft werden müſſe; und andrerſeits wurde durch den Deputirten W. conſtatirt, daß eben Paſtor Schieferdecker innerhalb der Gemeine, wenn auch nicht öffentlich von der Kanzel, darauf gedrungen habe, nicht daß man jene Hoff⸗ nung haben könne, ſondern müſſe. Die Synode faßte nun nach reiflicher Discuſſion den einſtimmigen Beſchluß: Die Synode bekennt ſich zu dem Be⸗ ſchluſſe des Weſtlichen Diſtricts ad 1. a., nach welchem: 1. ein gebührender Unterſchied zwiſchen der Lehre von einer noch zu hoffenden allgemeinen Bekehrung der Juden und dem Chiliasmus beobachtet iſt; und 2. nur verworfen iſt, daß, ſo lange dieſe allgemeine Bekehrung der Juden nicht erfolgt ſei, der jüngſte Tag nicht kommen könne, und dieſelbe nach Röm. 11. und ähnlichen Stellen gehofft werden müſſe. Paſtor Schieferdecker allein verſagte ſeine Zuſtimmung. Die Erklärung, mit welcher er dieſen Diſſenſus zu begründen ſuchte, veranlaßte wiederum eine lebhafte Verhandlung ſowohl über den betreffenden Lehrgegenſtand ſelbſt, als namentlich über die perſönliche Stellung Paſtor Schieferdecker's zu dem⸗ ſelben. Während er ſeine Ueberzeugung ausſprach, die allgemeine Bekehrung der Juden ſei in Hoſea 3., Röm. 11. u. a. Stellen deutlich geweiſſagt, und jede andere Auslegung thue den Worten Gewalt an; gab er zu, daß nie⸗ manden ein Gewiſſen darüber zu machen ſei: denn der Gegenſtand ſei kein Glaubensartikel, und über eine Weiſſagung laſſe ſich vor der Erfüllung nicht ganz abſprechen. Während er hervorhob, wie die Ehre Gottes dadurch gefördert und des HErrn Gebet „Vater, vergib ihnen“ dadurch erhört werde; geſtand er ein, ſeine Auslegung habe in der luther. Kirche nicht allgemein Eingang gefunden, und um der Gewiſſen zu ſchonen, erbot er ſich, davon zu ſchweigen. Während er ſeine perſönliche Ueberzeugung wiederholt kundthat und in das Verwerfungsurtheil einzuſtimmen ſich weigerte; geſtand er zu, ſeine Sache nicht mit völlig überzeugenden Gründen beweiſen zu können, und ſtellte die endliche Entſcheidung, welcher Verſtand ſich als der richtige erfüllen werde, dem HErrn anheim. Seinen eigenen Worten nach gewann es fort und fort den Anſchein, als ſtimme er allen weſentlichen Stücken nach mit der Synode überein; weshalb auch wirklich ein Vorſchlag gethan wurde, den Wortlaut des Verwerfungsurtheils, als das einzige Hinderniß der Einigkeit, fahren zu laſſen und einen beiderſeits genügenden andern Aus⸗ druck zu ſuchen. Wiewohl von vielen Seiten und auf das nachdrücklichſte immer wieder hervorgehoben wurde, daß nur das müſſen, nicht die Zuläſſigkeit einer Hoffnung allgemeiner Judenbekehrung verworfen werde; konnte doch Paſtor Schieferdecker nicht bewogen werden, ſeine Stellung der Synode gegenüber zu verlaſſen. Die ungelösten Widerſprüche mußten wohl offenbar machen, daß die Verſchiedenheit tiefer ſtecke als im bloßen Ausdruck. Darum wurde ihm entgegengehalten, daß es der Geiſt des Chiliasmus ſei, welcher ſich auf des