# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Dezember 1856_S356 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 356 Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. wendige Einheit aber dadurch festgehalten, daß bei dem einen das andere immer als Ergänzung hinzugedacht wird. Und namentlich hat Luther mit einem Gegner es zu thun gehabt, dem nur geholfen und sein hochmüthig herausfordernder, wie weichlicher, dem großen Ernst des Glaubens abgeneigter Sinn, wenn möglich, genommen werden konnte durch Ueberwiegenlassen der von ihm verkannten und ganz unbegriffnen Seite in der Behandlung dieser mit den Grundbedingungen des Heils auf's Innigste verwebten Sache. Eine höhere Anschauungsweise liegt also zum Grunde, wenn der in seiner Demuth doch gewaltige Mann schreibt S. 14: „Wenn dieses stehet, daß Gott durch Seinen ewigen, unverrücklichen Rath und Willen Alles versehen hat, auch durch denselben Alles macht, wirkt und schafft, so schlägt dieser Donnerschlag zu Boden den freien Willen mit allen Gründen, die dazu mögen aufgebracht werden —. Du sagest, Gottes Wille sei unveränderlich, und willst nicht, daß wir lehren, Gottes ewiges Vorsehen sei auch nicht veränderlich? meinst du, daß Er Etwas versehe ohne Seinen Willen, oder Etwas wolle, daß Er nicht wisse, so Sein Vorsehen nicht ohne Seinen Willen geschieht? ist Sein Wille unveränderlich und ewig, weil er die göttliche Natur und Art selber ist, so ist auch Sein Vorsehen unveränderlich und ewig, weil es auch die göttliche Natur und Art selbst ist.“ Er will freilich damit dieses sagen, daß Wissen und Wollen, obschon sie nicht dasselbe seien, doch das Gebiet des göttlichen Thuns in gleichem Maße umfassen, so daß das Böse, was Gott weiß, auch von Ihm gewollt zugelassen, und insoweit es gut d. h. zum Guten ist, Röm. 8, 28., von Ewigkeit zu wirken gewollt wird; der Begriff der Mitwirkung, den Luther selbst in diesem Buche hat, S. 54. 119., setzt aber die freie endliche Kausalität voraus und schließt sie in sich ein, so daß unleugbar zugleich Gott mehr weiß, als Er will, nämlich das Böse, inwieweit es böse ist. Umgekehrt setzten die Sozinianer: Gott will Manches, was Er nicht weiß, d. h. Er will die Seligkeit der Menschen, von welchen Er noch nicht unfehlbar weiß, ob sie dieselbe durch den Glauben erlangen werden. Dagegen ist allerdings festzuhalten, Er versehe nur mit und nach Seinem Willen; da Er nun das weiß, ob Jemand in dem Glauben behalten werde oder nicht, so will Er's auch, wie Er es weiß. Daher S. 81—95 der Schluß: „Daß Alles allein nach dem ewigen Gotteswillen geschieht, und daß es mit uns also geschehen muß, wie Er will.“ Sieh auch u. a. S. 89: „Hat Gott von Ewigkeit versehen, daß Judas hat sollen ein Verräther werden, so hat er müssen verrathen, und ist nicht in Judas oder einiger Kreatur Gewalt gewesen, das anders zu machen oder den Willen zu ändern; wiewohl er das gethan hat mit Willen und nicht gezwungen. Aber das Wollen war an Judas Gottes Werk, der durch Seinen allmächtigen Willen das regete, wie alle andern Kreaturen —. Wenn Gott nicht fehlen kann in dem, das Er versehen hat, so muß das geschehen, das versehen ist.“ Vgl. S. 91 fg. Nicht um Allem, was geschieht, in der Bedeutung eine absolut gleich bedingende Nothwendigkeit beizulegen, daß auf die durch solche selbst determinirte immerdar wirksame Macht des göttlichen Wissens