# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S331 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 331 — Aeußerung, daß wir die Gelegenheit ergreifen müßten, um in unſerer Zeit im Schwang gehende Irrthümer zu widerlegen, und vor der chriſtlichen Kirche zu beweiſen, daß wir um des Wortes Gottes willen nicht mit dem Chilias⸗ mus gehen könnten, und daß die Zeit nicht beſſer ausgekauft werden könne, als wenn wir dem Irrthume entgegentreten, wie er ſich gerade in unſerer Atmoſphäre ausgeſprochen habe, Beſchloſſen, das Schreiben des Herrn Paſtor Gruber Satz für Satz durchzugehen. Herr Paſtor Gruber hatte ſich im Anfange ſeines Schreibens auf Luther, inſonderheit auf deſſen Vorrede zum Propheten Daniel berufen dafür, „daß das prophetiſche Wort in ſeinen einzelnen Thei⸗ len der Kirche nach und nach aufgeſchloſſen werde, je nachdem ſie es bedürfe, und daß alſo keine traditionelle Exegeſe des prophe⸗ tiſchen Wortes ſtattfinden könne. Darauf wurde erwiedert: Durch die Darſtellung der Lehre Luthers, wie ſie in dem Schreiben ſich findet, kann leicht ein Irrthum erzeugt werden, dem von Seite der Synode begegnet werden muß. Luther hat nicht geſagt, daß das Licht über die Propheten nach und nach durch Speculation kommt, wie es nach den Worten Paſtor Grubers angenommen zu ſein ſcheint; ſon⸗ dern durch die Erfüllung werde das prophetiſche Wort klarer, nicht durch Grübeleien darüber. Vor der Erfüllung ſeien die Propheten noch nicht auf⸗ geſchloſſen. Luther ſagt von der angezogenen Stelle der Offenbarung: „Hierauf folgt nun, wie das Pabſtthum fallen und untergehen ſoll. Und ſind ſehr heimliche und verſiegelte Reden, die mißlich ſind zu treffen, ehe denn ſie erfüllt werden. Wie denn alle Weiſſagungen auch dem Teufel ſelbſt verborgen ſind, ehe ſie vollendet werden. Wie Gott zu Moſe ſpricht, 2 Moſe 33, V. 20.: Mein Angeſicht kannſt du nicht ſehen, meinen Rücken oder Hinterſt ſollſt du ſehen, das iſt: Wenn ich gangen bin und hab's gethan, ſo kannſt du mir nachſehen; aber vornen zu, wo ich hin will, kann kein lebendiger Menſch ſehen.“ (S. Ausl. des Propheten Daniel von 1530 Halle VI, 1469.) Und wiederum (zu Dan. 12, 4.): „Hier ſagt der Engel klärlich, daß dieſes Buch Danielis ſolle verſiegelt bleiben, und doch nicht ewiglich, ſondern bis zur letzten Zeit, da ſoll's geöffnet und großer Verſtand daraus genommen werden. Daran wir jetzt arbeiten, wie droben (C. 11, 25.) geſagt, daß die Weiſſagungen nicht gründlich zu verſtehen ſind, ehe ſie vollendet werden, darnach, wenn's geſchehen iſt, ſo zeugen ſie alsdann das Werk; gleich⸗ wie Chriſtus Luc. 24, 27. nach ſeinem Tode allererſt ihnen die Sinne aufthät, die Schrift zu verſtehen. Und zuvor ſprach er: Solches ſage ich euch, auf daß, wenn's nun geſchieht, ihr's glaubet ꝛc.“ (Ibid. pag. 1484). — Luther hat alſo nicht den Grundſatz gehabt, der ihm hier beigelegt wird. Menſchenfleiß kann keine neuen Geheimniſſe aus der Schrift herausholen und entdecken, nur die alten können beſſer erkannt werden. Luther ſagt alſo nicht: Nach Bedarf erleuchtet Gott, ſondern: durch die Erfüllung. Dies aber wollen die Chiliaſten nicht. Wir ſagen: wir wollen eine beſtimmte Auslegung Nie⸗ manden aufzwingen, noch eine ſolche machen; aber die Chiliaſten haben eine Auslegung, die ſie aller Welt aufzwingen wollen, und welche doch gegen die Analogie des Glaubens verſtößt. Man ſollte glauben, wenn irgend Jemand, ſo hätte Luther Licht durch die Erfüllung erlangt haben müſſen über die noch zu erfüllenden Weiſſagungen. Aber er hat es nicht erlangt. [SCAN: Am linken Rande dieſer Seite läuft ein breiter Bindungsſchatten, der bei den letzten Zeilen bis an den Satzſpiegel reicht. Alle Wörter ſind auf dem Bogen ſelbſt noch leſerlich; es wurde kein Buchſtabe blind ergänzt.]