# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S323 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Obgleich ich mich nicht erinnere, von irgend einem meiner geliebten Amtsbrüder eine Klage vernommen zu haben, ſo habe ich doch auf beiläufiges Befragen gefunden, daß einzelne Gemeinden, und nicht gerade arme (denn da iſt es ja genugſam bekannt, wie freudig unſere Prediger den Mangel mit ihren Gemeinden tragen), ihre Prediger wirklich auf eine ſchmachvolle Weiſe mit dem verſorgen, was man zur Leibes⸗ und Lebens⸗Nothdurft bedarf, ſo daß, wenn man nicht Gottes väterliche und tägliche Fürſorge wüßte, der auch das Wenige ſo ſegnen kann, und ſegnet, daß es zur Genüge ausreicht, man nicht begreifen könnte, wie die Prediger mit dem, was ſie von den Ge⸗ meinden erhalten, ihr Leben friſten können. Daß in ſolchen Gemeinden denn auch bei andern Gelegenheiten, wo es ſich zum Aufbau des Reiches Gottes, wie unſere Anſtalten, Miſſionen ꝛc., um Werke der Liebe handelt, wenig oder nichts geſchieht, oder wo etwas geſchieht, es ſo ſehr ſpärlich und nothgedrungen herauskommt, iſt nicht zu verwundern. Wiewohl man ſich darüber wundern muß, daß Gemeinden mit leiblichem und geiſtlichem Segen ſo überſchüttet werden können, ohne daß ihr Herz zerſchmilzt, und den irdiſchen Sinn, und abgöttiſchen ſchändlichen Geiz ſo weit überwindet, daß ſich die Liebe frei er⸗ gießen kann. Der HErr wolle das beſſern, und ſeinem Worte Kraft geben, daß die Herzen mit dem Hammer des Geſetzes rechtſchaffen zerſchlagen, mit dem Balſam des Evangeliums aber reichlich getröſtet, geheilt und geheiligt werden, daß der Glaube auch in flammender Liebe herausbreche! ſonſt, was Gott in Gnaden verhüten möge, kommen wir in die Gefahr, daß bei allem Ruhm reiner Lehre nichts als ein todtes, confeſſionaliſtiſches Weſen, und eine elende Leere und Hülſe der Gottſeligkeit herauskommt, aber keine Kraft und Leben ſich erweiſet. Doch wir haben ja die Verheißung, daß ſein Wort nicht leer zurückkommen, ſondern ausrichten ſoll, wozu er es geſandt hat. Und wir können ja auch Gott es nachrühmen, daß es nicht an Gemeinden in unſerm Synodalkreiſe fehlt, die auch in dieſen Stücken an den Tag legen, daß ſie die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangen haben, geſund im Glauben, gottſelig im Leben, thätig in der Liebe, wie ja die reichlichen Lie⸗ besgaben beweiſen, wodurch ſie ſich an dem Werk der Liebe, das unſerer Synode zur Aufgabe geſtellt iſt, bethätigen. Wo des Lichtes heller Schein iſt, da tritt auch natürlich die Schattenſeite am ſtärkſten hervor, und leider ſehen wir Chriſtenleute mehr auf das, was uns mangelt, als daß wir uns deſſen erfreuen ſollten, was Gottes allmächtige Liebe durch ſein Wort gewirkt hat, und noch wirken will, wenn wir nur aus ſeiner Fülle nehmen wollen Gnade um Gnade, Kraft um Kraft, Leben um Leben. Daß in unſern Lehranſtalten mit Fleiß und Treue gearbeitet wird, iſt männiglich bekannt. Nur wäre zu wünſchen, daß die Lehrkräfte gemehrt würden, damit nicht die Kräfte der Arbeiter weit mehr, als billig, ja auf die Länge der Zeit unmöglich iſt, in Anſpruch genommen werden. Der St. Louiſer Anſtalt iſt durch Gottes Gnade die Vermehrung der Lehrkräfte wenigſtens in etwas geworden. Das Wahlcollegium hat das freundliche Anerbieten des verehrten Herrn Profeſſor Seyffarth, an unſerm Seminar mitarbeiten zu helfen, mit herzlicher Freude und Dank angenommen. Da der Herr Rector Gönner von der Bibelgeſellſchaft aufgefordert wurde, die Correctur für den Druck des Neuen Teſtaments mit den Vierling'ſchen Vor⸗ reden und Dietrich'ſchen Summarien zu beſorgen, ſo wurde Herr Saxer aus dem Hannoverſchen gebeten, derweilen den Platz des Herrn Rector beim Un⸗ terricht einnehmen zu wollen, wozu er ſich auch aus herzlicher Liebe zum HErrn und ſeiner Kirche bereit finden ließ. Wir haben aber erkannt, daß die Anſtalt zu ihrem Beſtand durchaus ſeiner Hülfe bedarf, und es wird der