# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S322 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 322 — früherer Zeit ſich richteten. Durch die Neuherausgabe der alten Sächſiſchen Agende mit den nöthigen aus andern rechtgläubigen Agenden und Gebets⸗ ſammlungen genommenen Zuſätzen wäre wenigſtens Gelegenheit gegeben, die wünſchenswerthe Gleichförmigkeit in der Führung des öffentlichen Gottes⸗ dienſtes anzubahnen. Freilich wird die Ungleichmäßigkeit im alten Vater⸗ lande und die Zähigkeit, das Gewohnte oft mit Eigenſinn feſtzuhalten, die dem deutſchen Charakter eigenthümlich iſt, immer noch Hinderniſſe in den Weg werfen, um auch in dieſem Stück unſere Geduld in Uebung zu halten. Das wäre ein Uebelſtand, aber immer noch ein zu ertragender. Indeſſen ich muß die Ehrw. Synode noch auf zwei Stücke in unſerm Gemeindeleben auf⸗ merkſam machen, die uns mit tiefer Betrübniß und Befürchtung für die Zu⸗ kunft erfüllen müſſen. Das iſt der Mangel an Theilnahme für die Angelegenheiten der einzelnen Gemeinden von Seiten der Mitglieder, wie für die allgemeinen Angelegenheiten der Kirche, und der damit vielfach zuſammen⸗ hängende Geiz, der noch ſo manche Gemeinde abhält, ſich an den Liebes⸗ werken zu bethätigen, die die Errichtung ſo wie Erhaltung und Vervoll⸗ ſtändigung unſers Kirchenweſens nothwendig macht, und für den wahren Chriſten eine Luſt, und keine Laſt iſt. Man ſollte denken, daß Leute, die aus ſolch einem Drucke durch Gottes Gnade herausgeriſſen ſind, wie ihn im Allgemeinen unſere Gemeindeglieder ſchier ohne Ausnahme im alten Vater⸗ lande erfahren haben, nun mit dem lebhafteſten Intereſſe ihrer beſondern wie allgemeinen kirchlichen Angelegenheiten ſich annehmen würden, nament⸗ lich da von Seiten der einzelnen Prediger wie von der Synode insgeſammt dahin mit Fleiß gearbeitet wird, daß doch die Gemeinden zum Bewußtſein, zur Werthſchätzung und zur Ausübung ihrer heiligen Rechte kommen, die der HErr ihnen mit ſeinem Blut erkauft hat. Unſer Streben iſt doch dahin gerichtet, im Glauben geſunde, in der Beweiſung des kirchlichen Lebens mündige, für Alles, was das Reich Gottes betrifft, muntere und thätige Gemeinden heranzubilden. Aber, daß Gott erbarme, wie viel iſt hier noch zu wünſchen und zu beklagen! Wie viele Gemeinden begnügen ſich damit, wenn ſie nur in ihrer Mitte das heilige Predigtamt aufge⸗ richtet und nun Alles ſo ziemlich ungeſtört ſeinen kirchlichen Gang geht nach dem herkömmlichen Schlendrian. Schon die Gemeindeverſammlungen ſind ihnen vielfach eine Laſt, und habe ich über den Mangel des Beſuches derſelben manche Klagen hören müſſen. An eine rege, lebendige, thätige Theilnahme an den gemeinſamen Angelegenheiten der Synode oder der Kirche überhaupt iſt da wenig oder gar nicht zu denken. So ſollte es ja freilich nicht ſein, liebe Brüder, und ſo kann es auch nicht ſein, wenigſtens nicht bleiben, wo der Glaube mit ſeinem lebendigen Liebesfeuer eingezogen iſt. Ob nicht auch wir Prediger viel Schuld mit daran ſind? Einer unſerer Amtsbrüder ſchreibt wenigſtens: „Während der Winterzeit nahm ich wöchentlich in freien Verſammlungen die Synodal⸗ berichte auch der andern Diſtricte in der Weiſe durch, daß ich über die einzelnen Stücke nähere mündliche Erläuterungen hinzufügte, und zum Fragen aufforderte, was dann auch mehrfach geſchah; und die regelmäßig Kommenden bezeugten, daß ſie dadurch vielen Nutzen gehabt hätten und in der Erkenntniß weſentlich gewachſen ſeien. Sonderlich über die Privatbeichte und Abſolution ſind in ihnen mancherlei Bedenken gefallen und das Evan⸗ geliſch⸗Tröſtliche derſelben zur klaren Erkenntniß gekommen, wie denn über⸗ haupt durch dieſe Verhandlungen das Intereſſe für die Werke des Glaubens und die Arbeit der Liebe innerhalb unſerer Synode merklich gefördert wurde.“ Ein gleicher Verſuch würde ſicherlich auch anderswo von gleichem Erfolge gekrönt werden.