# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Dezember 1856_S355 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. 355 mit Nothwendigkeit brechenden göttlichen Wirkung durch genaue und sorgfältige Beziehung der gratia praeveniens und des doni perseverantiae, so weit es möglich war, zu mindern. Mit Kraft und Nachdruck hatte Luther, von dem Bischof zu Hippo vielleicht an Naturgaben übertroffen, aber durch noch heißere innerliche Kämpfe, auch die hohe schwere Anfechtung über den Artikel von der Erwählung dem goldenen Schatz des Wortes nachzugraben und zum Verständniß des Christenvolkes zu befördern, sowie dem Schutt verstümmelnder Auslegung zu entreißen ganz vornehmlich zugerüstet, die durch jenen gewonnene unerschütterliche Basis biblischer Anthropologie, durch eigne Erfahrung und große Gewißheit des heil. Geistes gesichert, im Streite gegen Erasmus behauptet. Wenn er in seiner Schrift de servo arbitrio die Präscienz von der Prädestination, wie nicht minder Augustin bisweilen thut, aufgenommen werden und damit zusammen fallen läßt, so hat unstreitig dieses auch sein gutes Recht in konsequenter Anschauung der Untheilbarkeit des göttlichen Wesens, während er die beiden Begriffe in der Anwendung doch nur von einander sondert, und demnach auch nichts weniger als im Gegensatz mit den symbolischen Büchern der Kirche selbst befangen ist. Aus was für einem Grunde man zum Supralapsarier ihn gemacht, wenn es kein grober Mißverstand an heiliger Wahrheit selbst ist, richte Gott, da er entschieden die Schuld der Verstockung und endlichen Verwerfung der Bösen nicht auf Gott, sondern auf den bösen Willen der Menschen und des Teufels stets zurückgeführt hat! Mit Bestimmtheit und erwogner Rede spricht er dieses aus, indem er a. a. O. (Ausg. Lpz. Th. XIX.) S. 86 sagt: „Item daß also auch Gott den Willen Satanä, den Er böse findet und nicht Böses in ihm von Neuem macht, treibt, dieweil Satan durch sein Abfallen einen verderbten Willen hat und von Gott verlassen ist“ ꝛc. — — „Darum so gehet nun Pharaonis Verstockung aber also zu: äußerlich hält Gott Etwas vor seinem bösen Willen, dem er von Art feind ist, nämlich Sein Wort, und inwendig höret Er nicht auf zu regieren seinen bösen Willen, den Er böse findet“ ꝛc. Man vergesse überhaupt doch nicht, daß Luther in dieser ganzen Schrift vom Standpunkt einer in der Tiefe aufgefaßten Gotteserkenntniß aus sich bewegt, nach welcher dieselbe Handlung, die abhängig von dem Willensentschlusse eines Geschöpfes, zugleich als von der Allmacht des Unendlichen umschlossen und also auch von Ihm hervorgebracht und gewollt zu denken ist, als letzteres freilich nicht, inwiefern sie böse, sondern weil die göttliche Mitwirkung zum Bösen nicht eine operatio zum Bösen, sondern zum Guten ist, ohne daß dadurch das Böse als Beschaffenheit des endlichen Willens in einen bloßen Schein verwandelt, noch weniger die eigne Kausalität desselben ausgeschlossen wird. (Der böse Gedanke als böse Gedanke ist nicht von Gott, sondern vom Menschen oder Teufel, als Gedanke aber von Gott und der Kreatur zugleich.) Je nachdem der kontemplative oder ethische Gesichtspunkt vorherrscht, wird mehr bei dem Verhältniß allgemeiner Dependenz oder der relativen Selbstständigkeit stehen geblieben, ihre noth-