# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S319 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 319 — HErr dieſe theuren Brüder bei dem großen Mangel an Arbeitern ſo früh aus unſerer Mitte geriſſen, gebührt uns nicht zu fragen, ſondern, indem wir die Hand auf den Mund legen, und unter den weiſen Liebesrath ſeines Willens uns demüthig beugen, wollen wir vielmehr ihn in wahrer Demüthigung unſers Herzens anrufen, daß er durch ſolche Liebesſchläge uns zur rechten Buße führe, daß wir unſere Lauheit und unſern Undank gegen die himmliſche Gabe ſeines reinen theuren Evangeliums mit herz⸗ licher Reue erkennen, und durch ſeine Gnade uns beſſern. Die Gemein⸗ den aber wollen doch mit herzlicher und thätiger Barmherzigkeit der armen Wittwen und Waiſen der Abgeſchiedenen gedenken. Was unſere Betrübniß noch vermehrt und uns mit nicht geringer Beſorgniß für die Zukunft erfüllt, iſt die Nothwendigkeit, in welche vier theure Brüder durch ihre zerrüttete Geſundheit ſich verſetzt geſehen haben, ihr Amt niederzulegen. Nach der Aufgabe der Ehrw. Synode ſollte der Präſident während ſei⸗ ner dreijährigen Amtsführung jedes Kirchſpiel ſämmtlicher Synodaldiſtricte wenigſtens einmal beſuchen. Leider habe ich dieſer Beſtimmung nicht nach⸗ kommen können; von den 140 Predigern und 30 Schullehrern, die unſere Synode in ſich ſchließt, habe ich leider 35 Prediger und zwei Schullehrer amtlich nicht beſuchen können. Es gefiel dem HErrn, mich im Sommer des erſten Jahres auf ein ſchweres Krankenbett niederzuwerfen, von dem ich mich kaum im nächſten Frühjahr in etwas erholt hatte, als mich ein neuer Unfall betraf, der mich wieder ſechs Wochen unthätig machte. Ich möchte aber zugleich zum Beſten meines etwaigen Nachfolgers im Amte meine Ueber⸗ zeugung ausſprechen, daß es für einen Mann von gewöhnlicher Leibes⸗ und Geiſtesconſtitution faſt zu ſchwer, wenn nicht unmöglich ſein möchte, einer ſolchen Aufgabe nachzukommen, namentlich da der dazwiſchenfallende Beſuch der Diſtrictsſynoden oder ſchon inſpicirter Gemeinden, die aus irgend einem Grunde ſeine Gegenwart erfordern, oft die fortlaufende Reiſeroute, die er ſich vorgeſetzt, unterbrechen, und ſo einen doppelten Aufwand von Zeit und Kräften erfordern. Meinen geliebten Brüdern im Amte kann ich mit herzlichem Danke gegen den HErrn im Allgemeinen nur das Zeugniß geben, daß, obgleich die Kräfte und Gaben nicht gleich ſein mögen, ſie mit wahrer Hirtenliebe und Treue ihre Gemeinden auf dem Herzen tragen, mit Lehre und Wehre, Er⸗ mahnung und Warnung, Rath und Troſt in großer Geduld und Selbſtver⸗ leugnung unter harter Arbeit, oft drückenden Beſchwerden und Entbehrungen, Führer ſind auf dem Wege des ewigen Lebens und, wie es Hirten geziemt, in Unſträflichkeit des Lebens vor ihnen her wandeln. Und, Gott ſei gelobt, ich habe keinen Einzigen gefunden, der Angeſichts der Wichtigkeit und ſchweren Verantwortlichkeit ſeines Amtes, trotz der Treue, vor Gott nicht ſeine Un⸗ tüchtigkeit erkennete und deswegen in wahrer Demuth und dem innigſten Ge⸗ fühl ſeiner Abhängigkeit von dem Geber aller guten Gaben mit Furcht und Zittern, wenn auch zugleich im gläubigen Aufblick auf den HErrn der Kirche, ſein Amt führte. Leider Gottes hat das Präſidium des weſtlichen Diſtricts ſich genöthigt geſehen, ein unwürdiges Glied des Miniſteriums zu ſuspen⸗ diren. Es ſteht zu hoffen, daß durch das raſche Einſchreiten desſelben, wie dadurch, daß die Conferenz, zu welcher dieſer unglückſelige Menſch gehörte, auf der Stelle den Handel in die Hand nahm, dem ſchändlichen Aerger⸗ niß gewehrt worden, welches ſonſt nothwendig durch dies Offenbarwerden eines gottloſen Weſens namentlich von Seiten eines Predigers entſtehen muß. Ich habe wenigſtens bei dem Beſuch der betreffenden Gemeinde keine beſorgliche, ſondern nur Hoffnung erregende Folgen gefunden. Die Ge⸗