# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S315 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 315 — gen und ſaugen, ſondern die denen Säuglingen gleich ſind das iſt, die dem lautern reinen Worte anhangen ohne Zuſatz menſchlicher Träume und Ge⸗ danken. Denn gleichwie ein ſäugendes neugeboren Kind ſich an ſeiner Milch genügen läßt und keine Speiſe mehr begehrt und ſucht, denn die Milch ſeiner Mutter, alſo begehren und ſuchen dieſe für ihre Seele keine Speiſe mehr, denn das lautere, unverfälſchte Evangelium ... derohalben das Wort; Unmün⸗ dige ausſchleußt alle menſchliche Vernunft in Glaubensſachen; das Wort Säuglinge ſchließt aus alle Verfälſchung des Wortes, und falſchen Zuſatz menſchlicher Gedanken. .... Nun aber iſt es ein wunderbar Ding, daß Chriſtus den Feind und Rachgierigen vertilget durch die Macht, ſo aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge zugerichtet iſt. Denn der Feind und Rachgierige iſt ein ſtarker mächtiger Geiſt, welcher Gott und Fürſt iſt in der Welt, und ein feſt, beſtändig Reich hat, und unter ihm viel andre Geiſter, deren ein jeglicher ſtärker iſt, denn alle Menſchen auf Erden. Dagegen ſind die Unmündigen und Säuglinge arme, ſchwache Menſchen, dazu in des Feindes Gewalt gefangen; denn durch Adams Fall und Sünde ſind alle Menſchen in Tods und Teufels Tyrannei gekommen. Was vermögen ſie nun in ſolcher Schwachheit und Gefängniß wider den Feind und Rachgierigen? Unmündige und Säuglinge werden geringen Widerſtand thun, und wenig abbrechen ſo mächtigen ſtarken Geiſtern, und ſo groß gewaltigen Tyrannen auf Erden, welche dem Teufel in ſeinem Dienſte zu Hofe reiten, wider Chriſtum und ſeine Kirche toben, ſonderlich weil ſie kein Schwert zucken, ſondern allein mit dem Munde ſtreiten ſollen. Warum ſendet er nicht die himmliſchen Geiſter und Fürſten, Gabriel, Michael und andre Engel, die dem Feinde ſtark Widerſtand thun und abbrechen könnten? Antwort: Der HErr unſer Herrſcher hat nicht Gabriel oder Michael hiezu wollen brauchen, ſondern aus dem Munde der Unmündigen und Säug⸗ linge hat er eine Macht zurichten wollen. Denn weil des Feindes Bosheit groß, und ſein Zorn giftig iſt, ſo hat dieſer Herrſcher Luſt und Wohlgefal⸗ len, daß er den ſo boshaftigen, grimmigen und ſtolzen Geiſt höhne, und ſein dazu gleich ſpotte. Darum da er die Macht zurichten will, wirft er ſich ſel⸗ ber ſo tief herab, wird Menſch, ja wirft ſich unter alle Menſchen, wie geſchrie⸗ ben ſteht Pſalm 22, 7.: „Ich bin ein Wurm, und kein Menſch, ein Spott der Leute, und Verachtung des Volkes.“ Gehet daher in Armuth, wie er ſelbſt ſagt Matth. 8, 20.: „Die Füchſe“ ꝛc. In ſolcher leiblichen Schwachheit und armen Geſtalt greift er den Feind an, läßt ſich ans Kreuz ſchlagen und tödten, und durch ſein Kreuz und Tod tilget er den Feind und Rachgierigen, Col. 2, 3. Darnach, da er vom Tode wieder auferſtanden iſt, gen Himmel gefahren, und durch der Menſchen Mund eine Macht zurichten will, ſendet er ſeine Apoſtel und Jünger, einfältige und alberne Leute. Er nennet ſie zwar ſelbſt Schafe, Matth. 10, 16.: „Siehe, ich ſende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“. Und das ganze Evangelium zeuget, daß ſich des HErrn Jünger allezeit geſtellet haben als lauter Kinder. Wenn der HErr hieher redete, ſo verſtunden ſie es dorthin. Darum waren ſie in der Wahrheit Schafe. Nun iſt es zumal läppiſch und närriſch angefangen (wie alle Ver⸗ nunft nicht anders urtheilen kann), daß er ſolche alberne, unverſtändige Menſchen an ſo kluge, hochverſtändige Geiſter hängt, und die ſchwächſten auf Erden wider die gewaltigen Herrn der Welt und ſtärkſten Geiſter unter dem Himmel hetzet. So fähet er die Macht und das Reich an, närriſcher könnte er es nicht vornehmen vor der Welt, denn alle Vernunft ſagen muß, es ſei ein närriſch Ding, daß er mit ſo geringem ſchwachen Zeuge wider den Teufel und alle Pforten der Hölle ſtreitet. .... Iſt das nicht ein Wunderding,