# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S313 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 313 — der lutheriſchen Kirche über lutheriſche Lehre und demgemäße Praxis öffent⸗ lich zur Buße vermahnt. Die Synoden dieſes Landes, mit Ausnahme einer einzigen, verachten uns zum Theil als veraltete und verroſtete Orthodoxiſten und todte Formaliſten, oder ſehen doch mit Mißtrauen auf uns, als eigen⸗ ſinnige, hochmüthige Köpfe, mit denen nun einmal nicht auszukommen ſei. Nur einzelne Individuen laſſen ſich nach und nach heran, mit uns zu han⸗ deln. Im alten Vaterland haben wir wenig Freunde. Diejenigen, welche das Anſehen haben, behandeln uns mehr oder weniger, ſo weit ſie von ihrer Höhe aus überhaupt noch von unſerm armſeligen unwiſſenſchaftlichen Häuf⸗ lein meinen Notiz nehmen zu dürfen, wie etwa die hohen Geiſter auf dem Marktplatz zu Athen den heiligen Apoſtel Paulus; während wir zu gleicher Zeit von unſern beſten und einſt ſo eifrigen Freunden und Mitarbeitern dort als Undankbare und die alle „Pietät“ gegen ihre Väter und Wohlthäter ver⸗ leugnet haben, angeſehen und hingeſtellt werden. Dies iſt etwa unſere Stellung, die dadurch noch unendlich erſchwert wird, daß leider Gottes noch ſo manche unſerer Gemeinden, in unleidlichem Stumpfſinn befangen, unſerm Kampfe, wie überhaupt den allgemeinen Angelegenheiten der Kirche nicht die geringſte, oder doch nur eine abgedrun⸗ gene Aufmerkſamkeit ſchenken, es auch an ſolchen Gliedern nicht fehlt, denen unſer Ernſt zuwider iſt, und die eine fleiſchlich gemüthliche Ruhe, und einen ſchmachvollen, entnervenden, ja die Seele tödtenden Frieden einem ruhm⸗ würdigen Kampfe für die höchſten himmliſchen Güter vorziehen, und leben wollen, ohne mit Chriſto zu ſterben, mit Chriſto herrſchen wollen, ohne mit ihm zu dulden. Gott ſei Dank! Bis jetzt hat uns dies alles nicht irre machen können. Die Trübſale, die in dieſem Kampfe und über dieſem Kampf auf uns ge⸗ fallen, ſie haben weder die Stimme unſers Zeugniſſes gedämpft, noch, was ſo leicht zu geſchehen pflegt, wenn gemeinſame Trübſale anhalten, die Bande unſerer Gemeinſchaft gelöſ't. Wie wir durch den Einen Glauben zuſammen⸗ gebracht, ſo ſind wir auch durch denſelben zuſammengehalten in der Liebe und Liebesgehorſam, und ſind ſo zuſammengeſtanden in dem Kampf um den Glauben, der Einmal den Heiligen vorgegeben iſt. Unſer Troſt dabei war der, nämlich das Zeugniß eines guten Gewiſſens vor Gott, daß wir nach dieſem Wege, den ſie eine Secte, Rotte, Ketzerei nennen, alſo dienen dem Gott unſerer Väter, daß wir gläuben alle dem, das geſchrieben ſteht im Geſetze und den Propheten. Und nun, meine theuren Brüder, wollen wir dieſe Stellung ferner be⸗ haupten, und dieſer Aufgabe unter Gottes Gnadenbeiſtand fernerhin nach⸗ zukommen ſuchen, oder wollen wir mit dem Thatbekenntniß wenigſtens, daß wir zu Großes uns angemaßt, beides, Aufgabe und Stellung, fahren laſſen? Sie wollen mir meine thörichte Frage zu Gute halten. Sie wiſſen wohl, daß ich ſie nicht darum thue, als hätte ich auch nur den leiſeſten Ge⸗ danken an die Möglichkeit eines Bedenkens von Seiten der Ehrwürdigen Synode in Bezug auf die Beantwortung dieſer Frage. Sondern deswegen frage ich ſo, damit gleich von vornherein einem Jeden das vor Augen trete, worauf es auch bei der jetzigen Verſammlung nach meiner Meinung haupt⸗ ſächlich ankomme, nämlich auf ein feſtes, gewiſſes, in Gottes Wort eingebun⸗ denes Herz und Gewiſſen, einen friſchen gottgetroſten Muth, und ein dem⸗ gemäßes, unverzagtes, offnes und ehrliches Bekennen und Handeln. Das war auch eine Hauptſache mit, weswegen ich die lieben Brüder an die Stif⸗ tung der Synode, und wie, und wozu uns Gott der HErr zuſammengebracht und zuſammengehalten, zu erinnern mir erlaubt habe. Auch die diesmaligen