# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S312 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 312 — meiſtens ſolche Leute, die Gottes Gnade und Barmherzigkeit, zum Theil durch große Kämpfe, aus ſchweren Verirrungen herausgeriſſen, und ihr Herz in der Einigen und ewigen Wahrheit zur Ruhe und zum Frieden ge⸗ bracht hatte, wie ſie unſere liebe lutheriſche Kirche der Schrift gemäß in ihren Bekenntnißſchriften niedergelegt, bezeugt und predigt. Es war nur das, den Gläubigen natürliche, ſehnſüchtige, brennende Verlangen, in wahrer, herzlicher Glaubens⸗ und Lebensgemeinſchaft mit gleichgeſinnten Brüdern ſich ſelbſt und die ihnen anvertrauten Gemeinden, und ſo viele der HErr nach ſeinem Wohlgefallen auf die Stimme ihres Zeugniſſes erwecken, und aus der herrſchenden Verwirrung ihnen, wenigſtens im Geiſte, zufüh⸗ ren würde, auf demſelben Glauben und Bekenntniß zu erbauen. Denn es hieß auch bei ihnen: „Ich glaube, darum rede ich.“ Sie wollten und konnten ja auch nicht ſchweigen zu der heilloſen Verwirrung, in welcher die Kirche, auch durch ihre Mitſchuld, den Füchſen und Hunden zur Beute ge⸗ worden, zur Schmach des Namens Chriſti, und zum großen Schaden der Seelen, die mit Haufen, entweder frei öffentlich von den Secten, oder unter dem Namen „Lutheriſch“ von blinden Blindenleitern verführt wurden. So wie ſie durch Gottes große Barmherzigkeit aus der wilden und öden Fremde in das wohnliche, lichte und friedvolle Mutterhaus zurückgeführt waren: ſo wollten ſie auch nun ihres Theils andern zur Rückkehr behülflich ſein, und durch ſchriftlich und mündlich Zeugniß, in Lehre und Wehre dazu auffordern, und den Weg bahnen helfen. Dies erkannten ſie als die ihnen von Gott ge⸗ ſtellte Aufgabe. Das war es, was ſie und uns alle einander ſuchen und finden ließ, das, und das allein hat uns bisher in der rechten Gemeinſchaft des Geiſtes zuſammengehalten; ein Wunder des HErrn in einer ſolchen Zeit des Ab⸗ falls, der Zerriſſenheit, der Selbſtſucht, und der daraus hervorgehenden rückſichtsloſen, ungebundenen Willkühr. In dieſer Gemeinſchaft des Geiſtes, auf Grund des Einen und gemeinſamen Glaubens, in dieſem Liebesgehor⸗ ſam gegen den Einen gemeinſchaftlichen HErrn haben wir bisher mit ein⸗ ander, wenn auch in großer Schwachheit, doch mit Ernſt und Aufrichtigkeit geſtrebt, die Aufgabe zu erfüllen, die der HErr, wie einem jeden wahren Chriſten, ſo auch uns auszurichten befohlen hat. Oder hätte etwa die Synode als ſolche etwas anderes als ihr Amt und Aufgabe erkannt? Mit nichten. Sie hat es offen bei ihrer Gründung ausgeſprochen, und unſere Kämpfe nach Außen und Innen, unſer Lehren und Wehren, unſer Niederreißen und Bauen, unſer Zuſammentreten, wie Zuſammenbleiben, unſer Anziehen wie unſer Abſtoßen, unſer Arbeiten wie unſer Leiden iſt ja ein Beweis dafür, daß wir dies bisher als die Aufgabe unſers Lebens erkannt haben. Der HErr helfe uns forthin, wie bisher, daß wir nicht weich werden in den Trübſalen, die uns darob betreffen, und uns die Hitze nicht befremden und abwenden laſſen, die uns darob begegnet, ſon⸗ dern männlich ausharren in Geduld und Arbeit, bis wir aus Gnaden den Kampfpreis, die Siegeskrone aus der Hand des HErrn in Empfang nehmen. Harte Proben haben wir bereits durch ſeine Gnade beſtanden. Seit langen Jahren werden wir über die lutheriſche Lehre von Kirche und Amt, und weil wir uns der um dieſer Lehre willen mit mehr als papiſtiſcher Frech⸗ heit Gebannten aus Noth des Gewiſſens angenommen, mit den gemeinſten und roheſten Schmähungen überhäuft. Wir ſtehen vor der ganzen Kirche dieſes und des alten Vaterlandes als die ruchloſeſten Frevler an dem Leibe Chriſti angeklagt, und ſind, wunderlich genug, von angeſehenen Conferenzen