# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S311 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 311 — vertheidigten ſie. Das Concordienbuch, welches die öffentlichen Glaubens⸗ bekenntniſſe unſerer Kirche enthält, war bei den meiſten hieſigen Lutheranern kaum dem Namen, geſchweige ſeinem Inhalt nach bekannt. Von Luthers Schriften war nur in ſehr Weniger Händen etwas. Die meiſten ſich noch lutheriſch nennenden Prediger hatten die Zwingliſch⸗Reformirten Irrlehren (z. B. vom heiligen Abendmahl, von der heiligen Taufe, von der Abſolu⸗ tion, von der Erbſünde ꝛc.) und, wenigſtens viele von dieſen, methodiſtiſche Praxis, oder die ſogenannten „Neuen Maßregeln“ angenommen. Die meiſten unſerer Gemeinden wurden daher nicht durch den Einen lutheriſchen Glauben zuſammengehalten, ſondern waren gemiſchte, d. i.: aus Luthera⸗ nern und Reformirten zuſammengeſetzte Gemeinſchaften. In dieſen hatte man daher zum Theil Agenden und Geſangbücher eingeführt, in welchen man es den Un⸗ und Falſchgläubigen eben ſo recht zu machen geſucht hatte, wie den Gläubigen. Kurz, war die lutheriſche Kirche in Amerika auch nicht in ſo groben Unglauben, in ſo offenbares Heidenthum zurückgefallen, wie faſt aller Orten in Deutſchland, ſo war ſie jedoch abgefallen, hatte das Panier des Bekenntniſſes ihrer Väter, das ihr anvertraute Kleinod der reinen Lehre weggeworfen, ſich durch geiſtliche Hurerei mit allen Secten ver⸗ unreinigt, und faſt nichts behalten, als — den Namen. Trotz dieſes greu⸗ lichen Zuſtandes war doch bei den meiſten Lutheranern in Amerika die Mei⸗ nung geblieben, es ſtehe hier alles recht gut, die Prediger ſeien ja keine Ra⸗ tionaliſten, man halte ja viele Betſtunden, man bringe ja hie und da Erweckungen hervor, und dergleichen. Man ſprach daher mit Laodicea: „Ich bin reich, und habe gar ſatt, und darf nichts.“ Offenb. 3, 14—19. Und trotz der bunteſten Verſchiedenheit in Lehre und Glauben, die unter den ſogenannten Lutheranern ſtattfand, herrſchte unter ihnen ein ſo ungeſtörter Friede (1 Theſſ. 5, 3. cf. Heſek. 13.) wie unter den Todten des Kirchhofes. Jeder ließ den andern gewähren, mochte jeder Anſichten haben, welche er wollte; wer nur in den allgemeinen Ton einſtimmte, der war ein lieber Bruder.“ So weit der „Lutheraner“. Und wie wahrheitstreu dieſe Schilderung, weiß ein jeder, welcher jene Zeit mit durchgemacht: und wer nur Luſt hat, ſich auch heute noch von der Wahrheit zu überzeugen, der findet die auch im „Lutheraner“ aufgeführten Zeugniſſe, durch welche die damalige lutheriſche Kirche ihre Schmach auf die Nachwelt überliefern zu müſſen glaubte. So war die Zeit, dies im Allgemeinen der Zuſtand der Kirche, da hier in Fort Wayne der Grund zu unſerer Synode gelegt ward. Der Segen, den der HErr auf ſie gelegt, und durch ſie gewirkt hat, wird zwar erſt am Tage des HErrn völlig offenbar werden; indeſſen ſo viel liegt auch jetzt ſchon offen zu Tage, daß, wer unter uns den jetzigen Zuſtand mit dem da⸗ maligen vergleicht, von Herzen ausrufen muß: Lobe den HErrn, und ver⸗ giß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Doch noch aus einem andern Grunde möchte ich die geehrten und lieben Brüder bitten, mit mir auf die Stiftungszeit der Synode zurück zu gehen, und zu fragen: Was hat zu jener Zeit Männer, die zum Theil ein⸗ ander perſönlich unbekannt, zum Theil durch weite Länderſtrecken von ein⸗ ander getrennt waren, zuſammengebracht? Was hat ſie getrieben, daß ſie ſich über die vielen dazwiſchen liegenden Synoden hinaus, von Oſt und Weſt, Nord und Süd die Hand reichten, und zu einer eignen Synode zu⸗ ſammentraten? Was wollten ſie und alle diejenigen, die ſich ſpäter an⸗ ſchloſſen, und bis auf dieſe Stunde nicht blos äußerlich, ſondern auch inner⸗ lich und von Herzen mit ihr verbunden ſind? Die erſten Gründer waren