# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1856_S352 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 352 Melanchthon und Luther über Sclaverei. perint. Brömel), wegen des regen Lebens in den Gemeinden und des richtigen Verhältnisses derselben zu ihren Seelsorgern unter allen lutherischen Ländern oben an.“ Melanchthon und Luther über Sclaverei. Als im Jahre 1525 in Schwaben der Bauernaufstand ausbrach, kamen die bekannten „zwölf Artikel der Bauerschaft“ heraus, worin die Forderungen der aufständigen Bauern verzeichnet waren. Darin heißt es: „Zum dritten, ist der Brauch bisher gewesen, daß man uns für ihre eigene Leute gehalten habe; welches zu erbarmen ist, angesehen, daß uns Christus alle mit seinem kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat, den Hirten gleich so wohl als den Höchsten, keinen ausgenommen. Darum erfindet sichs mit der Schrift, daß wir frei sein, und wollen sein. Nicht daß wir gar frei sind, keine Obrigkeit haben wollen, lehret uns Gott nicht.“ Dagegen schrieb zuerst Melanchthon Folgendes: „Es ist auch ein Frevel und Gewalt, daß sie nicht wollen leibeigen sein. Daß sie aber Schrift anziehen, Christus habe uns frei gemacht, das ist geredt von geistlicher Freiheit, daß wir gewiß sind, daß durch ihn unsere Sünde ohne unsre Genugthuung weggenommen ist und daß wir kühnlich uns zu Gott Gutes dürfen versehen, bitten und hoffen, und daß Christus den heil. Geist den Seinen gibt, dadurch sie dem Teufel Widerstand thun, daß der Teufel sie nicht in Sünde werfen mag, wie die Gottlosen, deren Herzen er in seiner Gewalt hat, treibt sie zu Mord, Ehebruch, Gotteslästerung ꝛc. Drum stehet christliche Freiheit im Herzen, läßt sich nicht mit fleischlichen Augen sehen. Aeußerlich trägt ein Christ geduldiglich und fröhlich alle weltliche und bürgerliche Ordnung und braucht deren, als Speise und Kleider; er kann leibeigen und unterthan sein; er kann auch edel und ein Regent sein; er kann sich Sächsischer Rechte oder Römischer Rechte im Brauch und Theilung der Güter halten. Solch Ding irret alles den Glauben nicht; ja das Evangelium fodert, daß man solche weltliche Ordnungen um Friedens willen halte. Paulus zun Ephesern am 6. V. 5. 6. 7.: „„Ihr Leibeigenen seid euren leiblichen Herrn gehorsam mit Furcht und Zittern, mit willigen Herzen, als Christo, nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als Diener Christi; und thut solchen Willen Gottes von Herzen freundlich““ ꝛc. und zun Col. 3, 22.:„ „Ihr Leibeigene seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren ꝛc. Wer unrecht thut, wird empfahen, was er unrecht gethan hat.““ Also ist Joseph selbst ein Leibeigener in Egypten lange Zeit gewesen und andere Heiligen viel.“ (S. Luthers Werke, Hall. A. Tom. XVI, S. 26. 27. 48.) Gegen denselben Artikel der Bauerschaft schrieb Luther Folgendes: „Es soll kein Leibeigener sein, weil uns Christus hat alle befreiet. Was ist das? Das heißet christliche Freiheit ganz fleischlich machen. Hat nicht Abraham und andere Patriarchen und Propheten auch Leibeigene gehabt? Leset St. Paulum, was er von den Knechten, welche zu der Zeit alle leibeigen waren, lehret. Drum ist dieser Artikel stracks wider das Evangelium und räuberisch, damit ein jeglicher seinen Leib, so eigen worden ist, seinem Herrn nimmt. Denn ein Leibeigener kann wohl Christe sein und christliche Freiheit haben, gleichwie ein Gefangener oder Kranker ein Christ ist, und doch nicht frei ist. Es will dieser Artikel alle Menschen frei machen und aus dem geistlichen Reich Christi ein weltlich äußerlich Reich machen; welches unmöglich ist. Denn weltlich Reich kann nicht stehen, wo nicht Ungleichheit ist in Personen, daß etliche frei sein, etliche gefangen, etliche Herren, etliche Unterthanen ꝛc. Wie St. Paulus sagt Gal. 3, 28., daß in Christo Herr und Knecht Ein Ding sei. Davon hat mein Herr und Freund, Urban Rhegius, wohl und gnug geschrieben, da magst du weiter lesen.“ (Ibid. S. 85. 86.)