# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1856_S347 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber kirchliches Leben im Königreich Hannover. 347 völlig. Beide Fractionen sind auch jetzt noch vorhanden. Der größere, weniger strenge, hat auch einen eigenen Prediger, nämlich den von Berlin zum Missionär abgeordneten, auf seiner Reise nach Rotterdam von den Coccianern in Emden zurückgehaltenen Diepenbrock, der ihnen alle Mittwoch- und Sonntag⸗Abende in einem eigens dazu hergerichteten großen Saale Gottesdienst hält. Indeß die Separation soll schon ihren Höhepunkt erreicht haben; die reformirten Pastoren haben bereits die Schließung der Versammlung beantragt, aber freilich wegen des noch bestehenden Vereinsrechtes ohne Erfolg. In keinem andern Theile des Königreichs Hannover ist die confessionelle Unordnung so groß und bedürfte so sehr einer schleunigen und durchgreifenden Abhilfe, wie in Ostfriesland. Doch findet sich allerdings auch in anderen Theilen des Landes in dieser Hinsicht allerlei, was nicht zu billigen ist. So stehen unter den rein lutherischen Consistorien zu Hannover, Stade und Osnabrück doch auch reformirte Gemeinden. Dem Consistorio zu Hannover sind die vier reformirten Gemeinden in der vormals hessischen Herrschaft Plesse, die auch einen eigenen reformirten Superintendenten haben, zu dessen Inspection ebenfalls eine lutherische Gemeinde gehört, untergeordnet. — Dem Consistorialbezirk Stade sind fünf reformirte Gemeinden mit 6500 Seelen einverleibt, deren Prediger unter lutherischen Superintendenten stehen und gleich den Schullehrern derselben vom lutherischen Consistorio examinirt und bestätigt, zum Theil auch bestellt werden. Es wird uns berichtet, daß in Lehe und Ringstedt im Stadischen lutherische und reformirte Gemeinden also vereinigt sind, daß sie jede ihren besonderen Prediger, aber zusammen dieselbe Kirche und denselben Kirchen⸗ und Schulvorstand haben. So soll es vorkommen, daß in Lehe der reformirte Pastor als der ältere den Vorsitz in allen Kirchenund Schulangelegenheiten, auch der lutherischen Gemeinde, zu führen hat. Bei Communionen assistirt der reformirte Prediger dem lutherischen und reicht den lutherischen Communicanten den Kelch, selbst bei der Confirmation der lutherischen Kinder. In gemischten Ehen, welche sich häufig finden, gehen die lutherischen Frauen gewöhnlich bei den Reformirten zum heiligen Abendmahl, ohne daß die reformirten Frauen lutherischer Männer auch ihrerseits bei lutherischen Predigern communicirten, also im Stadischen ganz das Umgekehrte wie im Ostfriesischen. Die Reformirten, deren Pastoren das Zeugniß gegeben wird, daß sie gläubig und strengreformirt sind, keineswegs aber „melanchthonisch“ sein wollen, haben es durchgesetzt, daß in den gemischten Gemeinden die vorgeschriebene lutherische Missions⸗Collecte, um ihnen keinen Anstoß zu geben, gar nicht gehalten wird; sie bestehen nachdrücklich auf dem Festhalten des Heidelberger Katechismus und haben, wo das lutherische Element sich geregt und die Einführung des kleinen Katechismus Luthers gesucht hat, entschiedenen Widerstand geleistet. Doch ist zu bemerken, daß sich bei nicht wenigen lutherischen Pastoren im Consistorialbezirk Stade eine sehr scharfe Opposition gegen alle Confessionsmengerei gezeigt und auch schon manches durchgesetzt hat. Es ist bekannt, daß die Reaction des lutherischen Bewußt⸗