# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1856_S346 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 346 Ueber kirchliches Leben im Königreich Hannover. ersten reformirten Prediger in Emden an der Spitze, gebildet wird und in allen kirchlichen Angelegenheiten, bei welchen der Staat nicht concurrirt, die Bestimmung hat. In Aurich dient ein vor wenig Jahren errichtetes Schullehrerseminar, dessen Lehrer theils lutherisch, theils reformirt sind, beiden Confessionen —; auf welche Weise das ermöglicht wird, ist dem Schreiber dieses unbekannt. — Bei so wenig klaren Verhältnissen der Confessionen zu einander und so starkem Ueberwiegen des reformirten Elements — wiewohl aus gemischten Ehen die Kinder, wenn auch mehr um äußerer Rücksichten willen, meist lutherisch erzogen werden sollen — läßt sich schon im voraus erwarten, daß auch das Sectentum in Ostfriesland nicht fehlen wird. So ist Ostfriesland recht eigentlich die Heimath der Mennoniten⸗Baptisten, die außerdem, so viel ich weiß, im Königreich Hannover nur noch Eine förmliche Gemeinde bilden, nämlich in der Stadt Eimbeck. In Ihren, 3 Stunden von Emden, ist vor kurzem eine Baptistenkirche eingeweiht, in Leer hat schon länger eine solche bestanden, und aus Emden hörten wir vor einiger Zeit, daß dort um Concession eine Baptistenkirche zu bauen gebeten werde. Man ist in Ostfriesland gewohnt, auch von „evangelisch⸗mennonitischen“ Kirchen zu reden. — Von den ostfriesischen Reformirten wird uns berichtet, daß sie, wenn sie gläubig werden, gewöhnlich in Prädestinatianismus fallen, und daß namentlich in einem Orte derselbe durch und durch herrschend ist. — In Emden werden von einem Kreise Reformirter Sonntagsschulen gehalten, an denen die Lehrer der puritanischen Richtung zugethan sind, welche nur den Sonntag feiert, alle übrigen Festtage aber als bloß menschliche Institution will fallen lassen. — Als eigentliche Sectirer sind die Coccianer in Emden anzusehen. Sie sind derselben streng dortrechtischen Auffassung zugethan, welche vor etwa 20 Jahren namentlich von dem Prediger Hendrick de Cock in und um Utrecht geltend gemacht und nach Absetzung desselben der Grund einer noch bestehenden Separation wurde. Ob die Coccianer in Emden mit den holländischen noch einen weitern historischen Zusammenhang haben, als den ihnen vielleicht nur zum Spott angehängten Namen und die Gleichheit der Richtung, haben wir nicht erfahren können. Die ostfriesische Secte verdankt aber ihren Ursprung dem Prediger R. W. Duin, der jetzt schon seit mehr als zehn Jahren todt ist. Folgendes war dazu die Veranlassung. Im Jahr 1838 erklärte sich im „Cötus“ ein jüngerer Geistlicher gegen die strenge Lehre von der Erbsünde und Prädestination. Duin erhob sich dagegen mit Nachdruck, aber ohne Anklang zu finden, ja ging später in seinem Eifer so weit, daß er nicht nur sich auf das nachdrücklichste gegen den Gebrauch der Dinterschen Schullehrerbibel erklärte, sondern auch einen im Jahr 1825 eingeführten Katechismus, dem der Heidelberger hatte weichen müssen, vor dem Cötus in Stücken zerriß. Endlich kam es so weit, daß über Duin eine Art Excommunication erging. Seine Anhänger theilten sich dann in zwei Haufen; der größere, 4—5000 Seelen umfassend, wollte sich doch noch zur Kirche halten; der kleinere aber separirte sich