# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1852_S206 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 206 — ten zu üben, ſich ihres hohen Berufs immer lebendiger bewußt zu werden und ſich desſelben immer würdiger zu beweiſen. Er fürchtet ſich nicht, daß die Laien die Grenzen überſchreiten, denn wo ſind die Grenzen der wahren, geiſtigen, himmliſchen Freiheit? Er fürchtet ſich ſo wenig, ſie darin zu üben, wie der Adler ſich fürchtet, ſeine Jungen im Fluge der Sonne entgegen zu führen, aus kleinlicher Beſorgniß, ſie möchten ſich zu hoch, vielleicht über ihn erheben; denn wo ſich der Flug den Grenzen fleiſchlicher Freiheit nähert, da geht er unterwärts, nicht aufwärts, und da ſteht der treue Wächter mit dem göttlichen Worte, vor dem das ſinkende Kind Gottes beſchämt ſich beugt und umkehrt. Er entſagt mit Freuden der ihm nicht gebührenden Herrſchaft über den Glauben, um Gehülfe ihrer Freude zu ſein, und ruft mit dem heiligen Apoſtel aus: „Wollte Gott, ihr herrſchtet, auf daß auch wir mit euch herr⸗ ſchen möchten!“ Es genügt hier nicht, das Amt oft nur aus falſchem Ge⸗ wiſſen nur äußerlich reſpectirt zu ſehen, ſondern dahin arbeitet er, daß es aus dem Geiſt heraus und durch den Geiſt geliebt, geehrt, Gott dafür ge⸗ dankt, und der ihm von Gott geforderte Gehorſam willig und mit Herzens⸗ luſt gebracht werde. Und das iſt unſer Ziel — dahin arbeiten wir — da⸗ durch wird die Führung des Amtes zur Luſt und Freude. Denn obgleich wir wohl alle ohne Ausnahme unter dem Kampf mit der fleiſchlichen Freiheit, die namentlich hier zu Lande die deutſchen Gemeinden wenigſtens anfänglich auf eine traurige Weiſe auszeichnet, mit ſchwerem Seufzen, mit viel Angſt und Noth und oft mit Thränen gearbeitet und ge⸗ litten haben, ſo fürchte ich doch keinen Widerſpruch von meinen geliebten Amtsbrüdern, wenn ich im Namen Aller behaupte: Unſere ſaure Arbeit, unſere Angſt und Noth, unſere Seufzer und Thränen gereuen uns nicht. Das Ziel iſt ein zu herrliches, und die Arbeit auf dieſes Ziel hin, eben um dieſes Zieles willen, eine zu ſelige, als daß wir ſie mit der leichtern, einer angemaßten Herrſchaft über die Kinder Gottes, und der Beraubung ihrer ſo theuer vom HErrn erworbenen Rechte vertauſchen möchten. Nun, wohlan denn, verehrte Brüder, ſo wollen wir uns die Schmä⸗ hungen und den Spott, den die Gegner über uns ausſchütten, noch den Streit ſelbſt nicht ſo hoch verdrießen, noch in unſerer ſeligen, wenn auch mühſeligen Arbeit uns ſtören laſſen. Durch Reibung kommt Politur und durch den Widerſtreit wird die Wahrheit nur um ſo heller ins Licht geſetzt, und je mehr der Feind dieſes Licht zu verdunkeln ſucht, deſto heller, klarer und beſeligender wird's in die Lande leuchten und mit ſeiner belebenden Kraft in die Herzen dringen, die das Licht mehr lieben, denn die Finſterniß. Wir ſitzen durch Gottes Gnade in dem reichen und theuren Erbe unſerer Väter, das wollen wir uns und den uns anvertrauten Gemeinden nicht rauben laſſen, ſondern mit Gott es behaupten und vertheidigen, und um ſo ernſtlicher darob halten, je leichter in dieſer Zeit des offenbaren Abfalls einer, und der heilloſeſten Zerriſſenheit und ſchwankenden Unſicherheit anderer Seits ein erwecktes Gewiſſen in Gefahr kommt, ſich in den ſcheinbar feſtern Bau einer hierarchiſchen Verfaſſung zu flüchten, ſei er nun im römiſchen, oder ſogenannten altlutheriſchen Styl aufgeführt. Hat uns der HErr, wahrlich nicht um unſeres Verdienſtes willen, ſondern weil es nach ſeiner freien Gnade ihm nun einmal ſo gefallen hat, gewürdigt, die Freiheit und Hoheit eines Chriſtenmenſchen in der rechten Lehre von Kirche und Amt, wie ſie von den Vätern auf uns gekommen iſt, wieder anpreiſen und vertheidigen zu dürfen, ſo wollen wir uns den Mund auch nicht ſtopfen laſſen, ſondern friſch unſere Stimme erheben, und das Schwert des Geiſtes fröhlich nach