# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1852_S205 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 205 — Wie kann da endlich vom Umſtoßen göttlicher Ordnung die Rede ſein, wo wir wohl unterſcheiden zwiſchen dem, was die Kirche ihrem Weſen nach iſt und hat, und was nach der Ordnung Chriſti zu thun ihr obliegt? Dem Weſen nach iſt ſie als Chriſti Braut Herrin über Alles, der Ord⸗ nung nach iſt ſie Chriſto und ſeinem Worte unterthan. Dem Weſen nach beſteht ſie aus lauter Königen, Prieſtern und Propheten, der Ordnung nach gebührt ihr, dem öffentlichen Predigtamt gehorſam zu ſein. Dem Weſen nach hat ſie alle Schätze des Himmelreichs und die Schlüſſel dazu, vom HErrn ihr unmittelbar übergeben, der Ordnung nach muß ſie die öffentliche Verwaltung derſelben in ihrer Mitte den vom HErrn geſetzten Schaffnern und Haushältern übertragen; dem Weſen nach iſt kein Unterſchied zwiſchen Mann und Weib, Jungen und Alten, Predigern und Laien, der Ordnung nach müſſen die Weiber ſchweigen in der Gemeinde, die Jungen den Alten gehorchen, die Diener öffentlich lehren, die Zuhörer die Predigt hören und lernen. Worin nun auch immer die uns gemachten Vorwürfe ihren Grund haben mögen, ſie werden nicht gerechtfertigt durch unſere Lehre von Kirche und Amt, denn ſie iſt die rechte und allein ſchriftgemäße. Sie iſt aber auch dadurch, wie es nicht anders ſein kann, und wie Sie, geliebte und innig geehrte Brüder, gewiß beiſtimmen werden, diejenige, welche das Amt in ſeiner rechten, hohen und göttlichen Würde darſtellt. Denn die beſteht doch wahrlich nicht darin, daß man über die Gemeinde eine äußerliche Autorität ausübt, die in der Perſon des Amtsträgers, in ſeiner Herrſcherwürde, in einem äußerlichen Vorzuge ſteckt, den ich bei allem Leugnen der Gegner doch nicht anders, als einen Standesvorzug bezeichnen kann, und dadurch den äußerlichen Gehorſam eines gefangenen und geknech⸗ teten Gewiſſens hervorzwingt, ſondern darin liegt ſeine überſchwenglich hohe Würde, daß es lebendig und kräftig, friſch und fröhlich in der Macht des Wortes innerhalb der Gemeinde ſich bewegt, über der Gemeinde ſchwebt, und die himmliſchen Segnungen, die der HErr in ſein Wort gelegt, heraus⸗ ſchüttet, die ihm anvertrauten Seelen immer mehr in die Erkenntniß und den ſeligen Genuß der Freiheit der Kinder Gottes von Geſetz, Sünde, Tod und Teufel einführt, ihnen immer mehr den überſchwenglichen Schatz und Reichthum dieſer geiſtigen himmliſchen Freiheit aufdeckt, in welcher der Glaube über Alles ein Herr wird, der kein Joch irgend welcher Art ſich aufbürden läßt und tragen will, als das ſanfte Joch Chriſti, die Liebe aber des in der herrlichen Freiheit ſich fröhlich bewegenden Gotteskindes ſich in Alles ſchickt, Alles duldet und träget, was nicht wider den Glauben geht. Sie beſteht doch wahrlich nicht darin, dem ſogenannten Laien ſeine Hoheit zu verdecken, ihn immer zu bevormunden, die Grenzen, innerhalb welcher er ſich bewegen darf, immer enger zu ſtecken, ſeine Rechte zu beſchnei⸗ den, ſein Herz einzuſchnüren, ſeine Lippen zu ſchließen, mit Aengſtlichkeit dar⸗ über zu wachen, daß er hübſch in der Unterwürfigkeit bleibe, und ſich nichts herausnehme, wodurch er irgendwie der eingebildeten und angemaßten Ho⸗ heit des Pfarrers zu nahe trete; kurz, ſie beſteht nicht darin, den Laienſtand zu unterdrücken, um den der Geiſtlichen auf ſeine Koſten zu erhöhen, für dieſen den Ruhm des Herrſchens zu beanſpruchen, um jenem großmüthig den Ruhm des Gehorſams zu überlaſſen, ſondern darin liegt die Würde, die Luſt und Freude des rechten Mitarbeiters Gottes, ſeine Gemeine immer mehr zu der Freiheit und deren würdigem Gebrauch zu erziehen, ſie anzutreiben und anzuleiten, ſich immer mehr in der Ausübung ihrer Rechte, wie ihrer Pflich⸗