# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1852_S202 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 202 — fügen. Wir würden vielleicht ein ſchönes, ins Auge fallendes Gebäude auf⸗ richten, worin aber nicht in Gott freie Chriſten mit Luſt und Liebe wohnten, mit freier und froher Bewegung innerhalb der für ein mit Gott vereintes Herz weiten Grenzen des göttlichen Willens darinnen ſchalteten und wal⸗ teten, ſondern arme Sklaven, die mit gefangenen, geknechteten und zermar⸗ terten Gewiſſen und ſeufzenden Herzen unter dem Druck eines elenden Men⸗ ſchenjoches ihr verkümmertes Daſein elend dahin friſteten, den Druck deſ⸗ ſelben wohl fühlten, aber es nicht abzuſchütteln wagten, weil nach ihrem irregeleiteten Gewiſſen ihrer Seelen Seligkeit an dieſe knechtiſche Unterwür⸗ figkeit gebunden wäre. Und wie lange würde dieſer Bau beſtehen? Nicht länger, als bis der unter dem erzwungenen Gehorſam verborgene Mißmuth ſich Luft machte und Gebäude und Bauherr zu Boden riſſe. Ja, was wäre gewonnen, wenn es ſtünde bis an der Welt Ende? Der HErr müßte es ja doch am Ende der Tage mit dem Feuer ſeines Zornes verzehren, wie Alles, was nicht ſein Geiſt gebauet hat. Warum aber bringt man dieſe ſchweren Beſchuldigungen auf uns, daß wir das heilige Predigtamt den Laien unter die Füße werfen, ſie zur Ver⸗ achtung desſelben reizen, der fleiſchlichen Freiheit der Gemeinden huldigen, und ähnliche damit verbundene? Meine Antwort, und wie ich zuverſichtlich hoffe, auch die Ihrige, iſt die: Es geſchieht darum, weil wir nach der uns vom HErrn geſchenkten Erkenntniß nicht leiden wollen, daß die durch Chriſti Blut erkauften und freigemachten Seelen wieder unter das Joch kleiner lutheriſcher Päbſtlein zurückgebracht werden, nachdem ſie durch Gottes Gnade der ſchmählichen Knechtſchaft des römiſchen Pabſtes und Antichriſts ent⸗ ronnen ſind, ſondern dagegen proteſtiren und warnen, ſo gut und laut wir es vermögen, und dadurch der neu aufgekommenen Hierarchie, wo ſie von ihrem Irrthume nicht laſſen will, auf das unangenehmſte ins Gehege kommen. Darum, weil wir nicht alles als „Lutheriſch“ annehmen können, was heut⸗ zutage unter dem Namen „Lutheriſch“ zu Markte gebracht wird, ſondern bei unſerm alten Katechismusglauben, und damit bei Gottes theurem und hei⸗ ligem Worte bleiben, nach welchem wir vor allen Dingen eine Prieſterherr⸗ ſchaft als recht unlutheriſch verwerfen müſſen. Nach unſerem Katechismus glauben wir ja, daß die Eine heilige chriſt⸗ liche Kirche nichts anderes ſei, als die Gemeinde der durch die ganze Welt zerſtreuten wahrhaft Gläubigen und Heiligen, der geiſtige Leib unſeres einigen HErrn und Hauptes, das wohl am reinen Wort und Sacrament erkennbare, aber ſeinem Weſen nach unſichtbare Himmelreich unſeres himmliſchen Königs, welches er allein durch ſein Wort und ſeinen Geiſt regiert, nicht aber ein ſichtbares irdiſches Reich, welches nach Art der Weltreiche von einem gewiſſen privilegirten Stand, durch äußerliche von dieſem Stande in ſeinem Namen aufgeworfene Ordnungen, Statuten und Satzungen regiert werde. Wir glauben, daß es in dieſem Himmelreich nur Einen Stand gebe, den allgemeinen Chriſtenſtand, auch kein ander Amt, als das, welches allen Chri⸗ ſten gemein iſt. Wir glauben ferner, daß dieſe Eine, ihrem Weſen nach ungetheilte Kirche, die Gemeinde der Gläubigen, ohne Unterſchied von ſogenannten Geiſt⸗ lichen und Laien die himmliſche Braut ſei, der ſich Chriſtus durch den Glau⸗ ben vertraut, und ſie dadurch zur Einigen rechten Inhaberin und Trägerin aller himmliſchen Güter, Rechte, Aemter und Gewalten erhoben habe, daß ſie als die Hausehre Chriſti, und nicht die ſogenannten Geiſt⸗ lichen, den Raub austheile, welchen Chriſtus als der Stärkere dem Starken