# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1856_S343 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchliche Zustände im Coburgischen. 343 Also thut die Feder, wenn sie gleich der Zunge „von der Hölle entzündet ist“ (Jac. 3, 6). — Die große Mehrzahl der Gedichte des „Weihnachtsbaumes“ aber verrathen eine ganz verkehrte Lebensanschauung, z. B. welche Ansichten von bräutlicher Liebe, von weiblicher Sittsamkeit und von Weiblichkeit überhaupt! — Im letzten Jahrgang finden sich drei Gedichte von Friedrich Teich, Briefträger in Lobenstein. Es ist eine wahre Freude, ihnen zu begegnen, denn dieser Dichter sieht offenbar mit christlichem Auge um sich her und ins Leben hinein. Aber werden sie hier ihre Wirkung thun, wo sie die einzigen Perlen sind unter so viel Spreu? Bei der Mehrzahl der Leser gewiß nicht! Wir wissen, daß der natürliche Mensch sich an das hält, was seinem sündigen Wesen Nahrung giebt. Dazu kommt, daß unser Volk, meist gar nicht mehr recht zu lesen versteht, denn die Meisten lesen auch das Ernste, das man ihnen bietet, wie sie selbst sagen, zum Zeitvertreib, und darum ohne Nutzen, während das Seelenverderbliche auch beim bloßen Zeitvertreibslesen unvermerkt in die Herzen schleicht. So wird nun der Hildburghauser „Weihnachtsbaum für arme Kinder“ gekauft, denn er fördert ja „ein gutes Werk“, aber er verbreitet zugleich unter dem Volke eine Menge schädlicher Gedanken. — Das ist unsers armen Volkes Seelenspeise. Unter solchen Umständen wäre es gewiß nicht zu verwundern, wenn in unserm Ländchen von christlichem Glauben und Leben nichts mehr zu finden wäre. In der That ist die Sittenlosigkeit mit dem Luxus in den letzten zehn Jahren auf das furchtbarste gestiegen, besonders in der Hauptstadt. Aber, Gott sei Dank! es finden sich dennoch allenthalben Seelen, die ihren HErrn JEsum Christum aufrichtig lieb haben, auch viel klare christliche Erkenntniß, die meisten aber treu bei wenig Erkenntniß. Woher kommt das? Das Christenthum hat sich in manchen Familien durch die Erziehung fortgepflanzt und immer seine Nahrung empfangen aus den herrlichen Schätzen der Kirche, die von Geschlecht zu Geschlecht vererbt worden sind. Joh. Arnd's wahres Christenthum (sechs Bücher) und Paradiesgärtlein, Fr. Werner's Himmelsweg, Scheitbergers Sendbrief, Matth. Mayfart's (eines Coburgers) himmlisches Jerusalem, Stark's tägliches Handbuch, Cober's Cabinetsprediger, hie und da auch die ernestinische Bibel, finden sich noch in den Häusern; und wenn sie auch bei Manchem leider verachtet im Staub liegen, so stehen sie doch gottlob bei Andern in desto höhern Ehren. Dazu kommt nun seit Kurzem wieder die Predigt des unverfälschten Evangeliums. Freilich ist die Zahl Derer, die es verkündigen, noch sehr klein, aber sie ist doch seit zehn Jahren schon gewachsen. Auch unter diesen Wenigen muß gar Mancher sich noch zur rechten Klarheit und Nüchternheit hindurcharbeiten, aber es ist doch gewiß: den Aufrichtigen läßt es der HErr gelingen. Wir wissen, daß noch viel zu wünschen übrig bleibt, und daß noch sehr, sehr viel gearbeitet und gekämpft werden muß, aber wir wissen auch: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HErrn: Meine Zuversicht und meine