# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1856_S342 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 342 Kirchliche Zustände im Coburgischen. Zustände Bayerns so darzustellen, wie sie nicht sind.) — Ein Christ sollte es für Sünde achten, ein solches Blatt zu lesen. Nur eins könnte ihn entschuldigen, wenn er es lies't, wenn ihm sein Beruf die Pflicht auflegt, die Gedanken zu bekämpfen, die unter dem Volke sich bewegen. Neben der Dorfzeitung nährt sich unser Volk am Kalender. Am weitesten verbreitet sind der Saalfelder und der Römhilder Kalender, besonders der Letztere. Der Saalfelder enthält stets neben einer längern moralisierenden Erzählung eine Menge nicht bloß abgeschmackter, sondern auch unsittlicher Anecdeten, aus denen man z. B. nicht bloß lernen kann, daß das Stehlen zu den freien Künsten gehört, sondern auch, wie man es klüglich anzufangen hat, um einen Andern um das Seinige zu bringen. Der Römhilder füllt seine leeren Räume mit den abgeschmacktesten Anecdoten, in denen aber auch oft die Sittlichkeit und Gottes heiliges Gesetz verhöhnt, christliche Gedanken lächerlich gemacht und schändliche Anspielungen nicht zurückgehalten werden. Von dem Schmutz, welchen neben Dorfzeitung und Kalender die Leihbibliotheken bieten, wollen wir nicht reden, weil wir meinen: den behält die Residenzstadt zum größten Theil für sich allein. Eine geistige Nahrung sei aber noch erwähnt, weil sie seit 14 Jahren zu bestimmter Zeit jährlich unserer Hauptstadt und den kleineren Städten des Landes, ja auch einigen größern Dörfern geboten wird; ich meine den im bibliographischen Institut zu Hildburghausen erscheinenden „Weihnachtsbaum für arme Kinder“. Dies Büchlein wird jährlich auf Kosten Joseph Meyers, des Chefs des bibliographischen Instituts, gedruckt und unentgeltlich in vielen Exemplaren nach einer großen Menge von Orten in ganz Deutschland verschickt. Dort wird durch den Verkauf desselben eine Christbescheerung für arme Kinder bereitet. Das wäre nun ein recht guter Gedanke, wenn der Inhalt des Büchleins dem Volke auch nur gutes darböte. Aber das ist leider nicht der Fall. Es geht hier nach dem Worte: „Laßt uns Böses thun, auf daß Gutes herauskomme!“ Das Büchlein ist eine von Dr. Friedrich Hofmann, einem gebornen Coburger, veranstaltete Sammlung von Gedichten der verschiedensten bekannten und unbekannten Dichter und Dichterinnen Deutschlands. Da finden wir Zeugnisse von mancher herrlichen Begabung, aber ach! in welchem Dienste zumeist! Entschieden christliches ist nur höchst selten darunter, christliche Anklänge nur in wenigen Gedichten. Die geradezu gegen Gott und göttliche Ordnungen, bewußt oder unbewußt, zu Felde ziehen, sind nicht gerade viele, aber darunter auch die schändlichsten, besonders solche, welche dazu dienen müssen, christliche Wahrheiten lächerlich zu machen, und solche, die darauf berechnet sind, die Revolution wieder heraufzubeschwören. Zu den Letztern müssen wir vor allem die des obengenannten Chefs des bibliographischen Instituts selbst rechnen. Als Beispiel nur einen seiner Gifttropfen aus dem letzten Jahrgang, und zwar nicht den stärksten: „Wo Freiheit, da ist Lärm, wo Sclaverei, ist Ruh'; Lärmscheue machen drum die Thür vor jener zu.“