# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1856_S341 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchliche Zustände im Coburgischen. 341 Tode, einen nach dem andern, absingt: „Ich sterb im Tode nicht! Mich überzeugen Gründe, die ich, je mehr ich forsch, in meinem Wesen finde“ ꝛc. Im Hildburghauser findet sich ein kleiner Anhang „alter noch unverbesserter Lieder“ (!) und selbst da ist das Lied: „Eine feste Burg“ ꝛc. eingeführt oder gleichsam gerechtfertigt durch die Worte: „So sangen die Väter.“ Neben solchen Liedern findet nun die Gemeinde im Gotteshause einige armselige Ueberreste der reichen und wundervollen Liturgie unserer theuern lutherischen Kirche. An den großen Festen findet sich nach einem Eingangsverse das Gloria, dann der erste Vers von „Allein Gott in der Höh“ ꝛc., Responsorium und Collecte, ein Liedervers, eine Schriftlection, das Hauptlied, die Predigt, das Gebet auf der Kanzel, ein Liedervers und, wenn keine Communion ist, Intonation, Collecte, Segen und Schlußvers. An den Sonntagen und kleinen Festen bleibt das Gloria und „Allein Gott in der Höh“ ꝛc. weg, und auf die Schriftlectionen folgen unmittelbar die kirchlichen Abkündigungen. In der Residenzstadt Coburg finden sich zwei Schriftlectionen durch einen Liedervers getrennt. In dieser Stadt ist sogar die Feier des heiligen Abendsmahls nur ausnahmsweise, d. h. bei der Feier eines Säcularfestes oder bei einer Ordination, mit dem Hauptgottesdienst verbunden. Die Predigt selbst ist an den meisten Orten voll Irrlehre und Moralisiererei. Wo aber gläubige Predigt ist, da ist sie den Leuten schwer verständlich, weil ja die Vernunftschwärmer den biblischen Worten längst andere Begriffe untergeschoben haben. So hat nun der gläubige Prediger gegen die Sprach- und Begriffeverwirrung zu kämpfen, und doch soll er dabei kurz predigen, höchstens eine halbe Stunde. Er soll nicht einmal die große Freude, das Wort des lebendigen Gottes verkündigen zu dürfen, ungeschmälert genießen. Kaum hat er die Kanzel verlassen, so beginnt in vielen Gemeinden das Schwatzen und andere Unruhe, und es wird den wirklich heilsbegierigen Seelen recht schwer gemacht, sich zu erbauen. Daß dann nach geschlossenem Nachmittagsgottesdienst sich die Wirthshäuser, Kegelbahnen und Tanzplätze füllen, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Denn es ist allgemein bekannt, daß es der Satan in diesen letzten Zeiten so weit gebracht hat, daß er gerade an den Tagen des HErrn seine Schlingen und Netze auswerfen darf, und daß er da seine reichsten Züge thut. Aber woher empfängt denn unser Volk an den Werktagen seine geistliche Nahrung? Vor allem ist die „Dorfzeitung“ so werth und hochgehalten, als wäre sie das Evangelium. Was sie sagt, das muß nach der Meinung der großen Mehrzahl wahr sein. Und doch ist diese Zeitung, die in der Stadt Hildburghausen erscheint, je länger, desto entschiedener in Feindschaft mit dem Evangelium und der Kirche getreten. Hat sie doch noch vor Kurzem ausdrücklich und unumwunden erklärt, es sei ein Wahn aus finsterer Zeit, wenn man unter den Menschen Gotteskinder und Weltkinder unterschiede. (Beiläufig gesagt, in Bayern hat sie einen Correspondenten (wenn er anders wirklich in Bayern lebt), der es sich zur Aufgabe gestellt zu haben scheint, die kirchlichen