# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1851_S171 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 171 — durch ihn der wahren Kirche angehören, die Niemand kennt, denn Gott allein. Per synecdochen nun, d. i. durch diejenige Redeweiſe, da man den Theil fürs Ganze ſetzt, nennt man auch eine ganze Kirchgemeinde, bei der das Wort Gottes rein gepredigt wird, eine wahre rechtgläubige Kirche; es bleibt jedoch immer eine uneigentliche Redeweiſe; würde man ſie aber nicht ſo nennen, ſo würde man die wahre Gemeinde der Heiligen, die darunter ver⸗ borgen iſt, verleugnen. Wo hingegen das Wort Gottes mit manchen Irrthümern verdunkelt und gefälſcht iſt, kann man eine ſolche ſichtbare Gemeinſchaft nicht die wahre rechtgläubige Kirche nennen, obgleich nicht geleugnet werden kann, daß die wahre Kirche auch unter den Rotten und Secten, ſelbſt unter dem römiſchen Antichriſt verborgen liegt, ſo fern doch noch wenigſtens bei ihnen der Text der Schrift und der heiligen Taufe iſt, woraus wahre Kinder Gottes geboren werden können. Nur unter denen, welche Wort und Sacrament weſentlich leugnen, läſtern und verfolgen, iſt keine Kirche Gottes mehr verborgen. Man muß daher die Kirche, nämlich die wahrhaft gläubigen und ge⸗ heiligten Kinder Gottes, nicht vorzugsweiſe in einer Particularkirche, ſondern in der Geſammtheit der Berufenen ſuchen. Obwohl wir unſerer lutheriſchen Kirche mit vollkommenem Recht den herrlichen Vorzug zuſchreiben, die Kirche des reinen Worts und Sacraments zu ſein, und obwohl wir es daher einem Jeden bei ſeiner Seligkeit zur Pflicht machen müſſen, ihre Gemeinſchaft zu ſuchen und ſich zu ihr zu halten: ſo dürfen wir uns doch nicht unterſtehen, zu behaupten, daß wir nur ausſchließlich in ihr die Kirche finden, ja, müſſen es als einen Irrthum ſtrafen, wenn ſich jemand deshalb zur lutheriſchen Kirche hielte, weil er nur in ihr die Gemeinde der wahren Heiligen zu finden glaubte. Diejenigen, welche die lutheriſche Kirche als eine ſolche anſehen, die ſich eben darum als eine Sonderkirche conſtituirt habe, weil ſie außer ſich keine Kirche mehr ſehe, machen ſie in der That zu einer Secte. So wenig es Luthern in den Sinn kam, ſich von der unter dem Pabſtthum verborgenen wahren Kirche zu trennen, ſo wenig darf es einem wahren Lutheraner in den Sinn kommen, ſich durch ſeinen Anſchluß an die lutheriſche Kirche von denen abzuſondern, die mit dem Licht des wahren Glaubens erleuchtet ſind, unter welchen kirchlichen Gemeinſchaften ſie auch verborgen oder gleichſam gefangen ſein mögen. Unſere Väter, die Bekenner der Concordia, ſchlagen nicht blos die particulariſtiſchen Lutheraner der Neuzeit, ſondern auch die Gegner, die alles, was auf Abgeſchloſſenheit und Entſchiedenheit des Bekenntniſſes dringt, als excluſiv (ausſchließend) verſchreien, auf den Mund, wenn ſie ſich in ihrer Vorrede ſo hoch und theuer dagegen verwahren, als ſollten ihre Verdammun⸗ gen denen gelten, die aus Einfalt irren und die Wahrheit des göttlichen Worts nicht läſtern, vielweniger aber ganzen Kirchen, ſondern allein den falſchen und verführeriſchen Lehren und derſelben halsſtarrigen Lehrern und Läſterern. Ihr Exempel kann demnach lehren, wie unlutheriſch die Ver⸗ dammungsſucht ſei. Es führte dies zur Erörterung des Begriffs: Ketzer. Nur der kann dafür angeſehen werden, der ſich ſelbſt gerichtet hat, Tit. 3, 10., d. h. deſſen Gewiſſen durch deutliche, ſonnenklare Vorhaltung der Wahrheit ſo überwie⸗ ſen und überwunden iſt, daß es ihm ſelbſt ſagen muß: Du biſt unredlich und willſt die Wahrheit weder hören noch leiden; der zugleich auch ſeinen Irrthum auszubreiten und ſich einen Anhang zu machen ſucht. Es iſt alſo bei weitem nicht jeder irrende Lehrer ſogleich als ein Ketzer zu brandmarken. Bei Gelegenheit der 4. Theſis, daß die Gemeinde der Gläubigen und Heiligen die wahre Inhaberin und Trägerin aller himmliſchen Güter, Rechte, Aemter und Gewalten ſei, entſpann ſich eine lebhafte Discuſſion