# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1851_S168 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 168 — und Praxis aus dem Wege geräumt, manche Gleichgeſinnte uns näher ver⸗ bunden und unſerer lieben Mutterkirche in Deutſchland dadurch eine ſchul⸗ dige Gegenliebe erwieſen würde, wenn wir ihr bei ihrer bevorſtehenden Neu⸗ geſtaltung mit den beſonderen Erfahrungen in Bezug auf Kirchenregiment dienen könnten, welche uns aus der eigenthümlichen Stellung der amerika⸗ niſchen Kirche, als einer vom Staat völlig getrennten, erwachſen mußten. In demſelben Schreiben wurden Profeſſor Walther und Paſtor Wyneken als Delegaten vorgeſchlagen. Außer dieſen hatten faſt alle der abweſenden Paſtoren, ſo wie viele Ge⸗ meinden ihre Beiſtimmung ſchriftlich zu erkennen gegeben, und ihre thätige Mitwirkung zur Deckung der Koſten zugeſagt. Eine ſolche unerwartete, von ſo vielen Seiten kommende Theilnahme erweckte nicht allein eine große Freude, ſondern beſtärkte auch die Synode in der Ueberzeugung, daß der HErr der Kirche ſelbſt dieſem Werke günſtig und förderlich ſei. Indem die bereits angeführten Gründe für die Delegation nochmals von der Synode erwogen wurden, erſchienen ihr diejenigen als die wichtig⸗ ſten, welche aus dem Gebot der Einigkeit und der Liebe zu den Brüdern fließen. Profeſſor Walther wies beſonders darauf hin, daß unſere Freudig⸗ keit für die Delegation von der Ueberzeugung abhinge, daß die Differenz⸗ punkte von unberechenbarer Wichtigkeit ſeien; denn lehre uns bereits die Erfahrung, wie ſchädlich die falſche Lehre von Kirche und Amt gewirkt habe, ſo ſei zu erwarten, daß ſie ihren ſchädlichen Einfluß in noch größerem Maaße beweiſen werde, wenn es in Deutſchland zur Vollziehung der Trennung zwi⸗ ſchen Kirche und Staat kommen, und demgemäß der Organiſation der Ge⸗ meinde nach hierarchiſchem Princip nichts mehr im Wege ſtehen ſollte. Wir ſtünden aber auch in Gefahr, daß dieſes Princip ſich hierüber verpflanzen und der geſunden Entwickelung unſerer Gemeinden ſtörend in den Weg treten werde. Gegen dieſe traten alle anderen Gründe in den Hintergrund, nament⸗ lich auch der, daß durch eine engere Verbindung mit der deutſchen Mutter⸗ kirche unſerer hieſigen Kirche mancher materielle Vortheil entſprießen werde. Es wurde mit Recht eingewandt, daß wir zunächſt an die Kräfte gewieſen ſind, die uns Gott in unſerem Bereich darbietet; dieſe zu wecken und zu be⸗ nutzen müſſe unſer ernſtes Bemühen ſein; das Aufſehen auf fremde Hülfe möchte leicht den eigenen Eifer in dieſer Sache lähmen. Durch Ermahnung und Vorſtellung an die Gemeinden, an die Haus⸗ und Familienväter, die fähige Kinder haben, die ſich zum Studiren eignen, könnte in dieſer Beziehung viel geſchehen. Da es für nöthig erachtet wurde, daß Betreffs dieſer wichtigen De⸗ legations⸗Angelegenheit ein jedes anweſende Synodalglied einzeln ſeine Stimme abgäbe, ſo geſchah dies auch, und die endliche Abſtimmung über den erſten Punkt, nämlich die Nothwendigkeit der Delegation, ergab ein freudiges, einſtimmiges Ja! Größere Schwierigkeit machte die Wahl der Delegaten; denn obwohl in der ganzen Synode nur eine Stimme für die Wahl der beiden Brüder Walther und Wyneken war, ſo lagen doch zweierlei Schwierigkeiten im Wege; einmal weil eine ſo lange Abweſenheit derſelben ſowohl dem College als auch der Gemeinde von St. Louis von nicht geringem Nachtheil ſein möchte; ſodann, weil die dortige Gemeinde, ſo viel aus den bereits darüber gepflogenen Verhandlungen derſelben zu erſehen, ſchwerlich ihre Einwilligung dazu geben werde. Das erſtere Bedenken, wie viel es auch an und für ſich wäge, hielt die Synode doch nicht für ſo wichtig, daß es nicht ſollte durch