# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1850_S144 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 144 — eigene noch fremde Herzensanliegen zu berückſichtigen, iſt es ihm als einem treuen Sohn der Kirche geziemend, von den feſtſtehenden, durch hocherleuchtete Väter verabfaßten Gebetsformularen, welche das allgemeine Bedürfniß einer jeden Gemeine ausſprechen, nicht abzuweichen. Der Einwand gilt nicht, daß das Letztere weniger erbaulich ſei; es kommt vielmehr auf die der inner⸗ lichen Geſinnung entſprechende Art und Weiſe des äußerlichen Vortrags an, dadurch das Vorleſen vorgeſchriebener Gebetsformeln mehr oder weniger der Wirkung des Gebetswortes den Weg zu der Zuhörer Herzen bereitet. Iſt doch in denſelben eine unſchätzbare reiche Fundgrube göttlicher Gedanken und eine nie verſiegende Fülle himmliſcher Bewegungen enthalten, die ſich in den Bußfertigen und Gläubigen durch den in ihnen ſeufzenden und ſie vertreten⸗ den Geiſt an jene anknüpfend fortleiten, und ein Inbegriff des evangeliſchen Lehrkleinods, der, wunderbar und köſtlich, die Gemüther der Frommen im wahren Glauben ſtärkt und befeſtigt, während es einen Ekel und ſchnöde Verachtung der geſundeſten geiſtlichen Speiſen verräth, wenn man Solches vernachläſſigt. Dazu kommt, daß in unſern Zeiten der lutheriſchen Kirche weitmehr noch Gefahr droht von überwiegender und einſeitiger, und daher oft verunreinigter Gefühlserregung, die auch aus dem Mißbrauch des münd⸗ lichen Gebets erfolgt, als von ſtarrer kirchlicher Form, durch welche das geiſt⸗ liche Leben erdrückt wird. Die rechtgläubige Kirche hat auch beſtändig gegen die ſchwärmeriſchen Auswüchſe hinſichtlich des Gebets gezeugt, und ihre gute Ordnung hierin bewahrt. Dem Prediger ſteht es zwar frei, den öffentlichen Lehrvortrag mit freiem mündlichen Gebete ebenſo zu beginnen, als zu endigen — (Luther lehrt mehr in den Predigten ſelbſt das Beten und ſchließt ſie ge⸗ wöhnlich mit einem betenden Wunſche) — ſo wie dem Hausvater in Bezug auf den Hausgottesdienſt innerhalb ſeines Familienkreiſes; doch iſt hierbei ſowohl vor der Gefahr phariſäiſcher Selbſterhebung, nach welcher man vor Gott und Menſchen gern ſich hören und ſehen läßt, und Haſchen nach präch⸗ tigen Worten, dadurch dem Hochmuthsteufel Thür und Thor geöffnet wird, ſo wie vor überladender Weitſchweifigkeit der Rede zu warnen: als auch daran zu erinnern, daß man das Herzensgebet nicht als äußerliches Merk⸗ mal der Frömmigkeit zu betrachten habe, indem ja oft ganz redliche, durch kind⸗ liche Zuverſicht und Glaubenseinfalt begabte Redner übertreffende Chriſten der Fähigkeit, vor Andern etwas vorzutragen, ermangeln können. In Summa, man halte das heilige Vater Unſer und die Gebete der Kirche Gottes Alten und Neuen Teſtaments für die Muſter, nach denen wir erſt beten lernen ſollen, und bediene ſich ſeines eigenen Gebetes nur dann, wo für den vorliegenden Zweck, namentlich in beſondern Angelegenheiten und großen Nöthen, man kein ent⸗ ſprechendes Gebet der Kirche hat. Denn Noth lehrt auch im einſamen Käm⸗ merlein das Beten. Dergeſtalt wird dem Satan gewehrt, der hierbei ſo leicht zum Engel des Lichtes ſich verſtellt, und das Reich Gottes gemehrt in uns und denen, die uns hören. Das helfe uns der Vater aller Gnade und Barmherzigkeit durch Seinen lieben Sohn, unſern HErrn JEſum Chriſtum, Amen. Grabau'ſcher II. Synodalbrief. Zur Widerlegung der in dieſer Schrift enthaltenen falſchen Lehren ꝛc., ſo wie zur Rechtfertigung des Verfahrens der Synode ſoll eine Schrift heraus⸗ gegeben werden, mit deren Ausarbeitung eine Committee beauftragt worden. Die Herren Paſtoren Lochner, Bürger, Keyl ꝛc. ſind erſucht, genau bezeugte