# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1850_S120 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 120 — Theologie auch zu, daß ein kleiner Irrthum die ganze chriſtliche Lehre ver⸗ derben und fälſchen ſoll. Denn es iſt mit der Lehre ſo genau abgezirkelt und eigentlich abgemeſſen, daß man ohne großen merklichen Schaden weder dazu thun, noch davon etwas nehmen kann. Darum ſoll die Lehre ſein, gleich wie ein feiner ganz güldener Ring, daran kein Rißlein noch Bruch ſei; denn ſobald ſolcher Ring ein Rißlein oder Bruch gewinnt, iſt er nicht mehr ganz. Alle Artikel unſeres chriſtlichen Glaubens ſind Einer, und wiederum Einer ſind alle; und wo man Einen fahren läßt, fallen gewiß die andern alle⸗ ſammt mit der Zeit einzelig hinnach: denn ſie hangen alle an einander, und gehören zuſammen.“ So weit Luther. Iſt dem aber alſo, — und wer unter uns wollte das leugnen? — ſo folgt hieraus zweitens, daß, obwohl die Kirche aus Schwachheit Irrende nicht von ſich ſtößt, dennoch in einer rechtgläubigen Particularkirche über irgend einen Punkt, alſo auch innerhalb unſerer Synodalgemeinde über jene Punkte unmöglich verſchiedene Lehren als gleichberechtigte geführt werden können. Wollte eine Kirche dies geſtatten, ſo würde ſie ſich damit ſelbſt aufgeben; ſie würde nicht mehr das Wort des Apoſtels auf ſich anwenden können, daß die Kirche eine Säule und Grundveſte der Wahrheit ſei; ſie würde ſich damit in die Reihe jener Unionskirchen ſtellen, deren charakteriſtiſches Merkmal die gleiche Berechtigung der Wahrheit und des Irrthums in ihrer Mitte iſt, trotz aller heuchleriſchen Proteſtationen, welche dieſe Miſchmaſchkirchen gegen dieſe Beſchuldigung, als eine grund⸗ loſe, erheben. Vor allem jetzt gilt uns daher auch jenes apoſtoliſche Wort: „Ich ermahne euch aber, lieben Brüder, durch den Namen unſeres HErrn JEſu Chriſti, daß ihr allzumal einerlei Rede führet, und laſſet nicht Spaltungen unter euch ſein, ſondern haltet feſt an einander, in Einem Sinn, und in einerlei Meinung.“ 1 Cor. 1, 10. Daher unſer Luther gar recht ſchreibt: „Das Leben kann wohl Sünde und unrecht ſein, ja, iſt leider allzu unrecht; aber die Lehre muß ſchnurrecht und gewiß ohne alle Sünde ſein. Darum muß in der Kirche nichts, denn allein das gewiſſe, reine und einige Gottes Wort gepredigt werden. Wo das fehlet, ſo iſt's nicht mehr die Kirche.“ (Opp. Hal. Tom. XVII, 1686.) Das Dritte, worauf ich ferner hinzuweiſen mich gedrungen fühle, iſt, daß die Lehren, um welche es ſich jetzt handelt, nicht zu denen gehören, welche in der Kirche noch nicht zur Sprache gekommen ſind, ſondern vielmehr zu denen, welche nicht nur von unſern erleuchtetſten Gottesgelehrten in ihren Privatſchriften bereits klar und deutlich nach Gottes Wort auseinander⸗ geſetzt ſind, ſondern von denen unſere ganze Kirche in ihren öffentlichen Symbolen bereits ihr gemeinſames entſchiedenes Bekenntniß vor aller Welt abgelegt hat. Ja, es handelt ſich hier um Lehren, um welche ſich recht eigentlich einſt der große Kampf des Reformationszeitalters bewegt hat und in denen recht eigentlich der Charakter unſerer Kirche ſich ſpiegelt. Wollen wir daher in dieſen Punkten weichen, ſo haben wir wohl zu bedenken, ob wir uns damit nicht thatſächlich von unſerer Kirche losſagen; ob wir damit nicht aufhören, treue Diener und Glieder derſelben zu ſein; ob wir damit nicht unſeren auf die Bekenntniſſe unſerer Kirche geleiſteten theuren Eid brechen und es den Feinden unſerer Kirche eingeſtehen, daß der Kampf unſerer Väter vor dreihundert Jahren wenigſtens zum Theil ein unrecht⸗ mäßiger, ein Kampf für Irrthümer und gegen die Wahrheit geweſen ſei. Das Vierte, woran hierbei zu erinnern ich mir erlaube, iſt endlich dieſes: Obwohl die ſtreitigen Punkte keine Fundamentalartikel des chriſtlichen Glaubens betreffen und wir daher gewiß alle weit entfernt davon ſind, die⸗