# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1850_S119 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 119 — achtung des Alten, und gegen die Abweiſung aller fremden Auctorität und bewährter Kircheninſtitute ſuchen ſie nun wieder zu manchen menſchlichen Satzungen und kirchlichen Ordnungen auch die Gewiſſen zu verbinden. Im Gegenſatz gegen die Entwürdigung des Predigtamtes bekämpfen ſie wichtige und billige Rechte des geiſtlichen Prieſterthums aller Chriſten als Chimären geiſtlich ſtolzer Schwärmer, und ſprechen ſie den ſogenannten Laien ſelbſt das Recht der Wahl ihrer Prediger, und das Stimmrecht auf den Synoden und in den Kirchengerichten ab. In dieſem Gegenſatz leiten ſie ferner das Pre⸗ digtamt aus der Kraft der Ordination durch Prediger, die ſie für eine gött⸗ liche Ordnung erklären, her; machen ſie das Amt und den Dienſt derer, die nur Haushalter über Gottes Geheimniſſe ſein ſollen, zu einem vor dem Laienprieſterthum bevorzugten beſonderen Stande; geſtehen ſie den Pre⸗ digern des Evangeliums eine Gewalt und Herrſchaft de jure divino auch in den Dingen zu, welche in Gottes Wort weder geboten noch verboten ſind; verwandeln ſie ſo die Chriſtokratie der Gemeinde der Heiligen und Aus⸗ erwählten, der Freien, die unſer aller Mutter iſt, des Jeruſalems, das da droben iſt, in die Ariſtokratie eines Kirchenſtaates, und machen ſie endlich die Kraft des Wortes und Sacramentes von dem Amte deſſen abhängig, der dieſe Gnadenmittel handhabt. Obgleich nun dieſe letztere Richtung, ſowohl in der lutheriſchen Kirche Deutſchlands wie Amerikas, ſchon längere Zeit deutlich hervorgetreten iſt, ſo iſt doch dieſelbe noch bis vor Kurzem ohne Einfluß auf unſere Synode ge⸗ blieben. In neueſter Zeit jedoch ſind wir endlich, wie Sie wiſſen, von zwei Seiten her mit derſelben in einen ernſten Conflict gerathen. Die Zeit, wo die Glieder der Synode ſtille Zuſchauer des Kampfes ſein konnten, den dieſe Richtung hervorgerufen hat, iſt daher vorüber. Der Ruf zum Kampf für oder wider iſt auch an uns ergangen. — Kann es nun auch natürlich nicht mein Zweck ſein, hier das Irrige jener Richtung nachzuweiſen, ſo kann ich doch nicht unterlaſſen, auf Einiges hinzuweiſen, was wir, nach dem geringen Maß meiner Erkenntniß, bei unſerer gemeinſamen Entſcheidung über dieſe Sache nie aus den Augen ver⸗ lieren ſollten. Das Erſte iſt dieſes: Es handelt ſich hier keineswegs um Adiaphora, um Maßregeln, Gebräuche, Ceremonien und Verfaſſungsfragen, über welche die chriſtliche Weisheit entſcheidet; es handelt ſich vielmehr um Lehre, alſo um etwas, was nicht unſer, ſondern Gottes iſt, um Gottes Namen und Ehre ſelbſt; wovon etwas um der Liebe und um des Friedens willen zu ver⸗ geben und nachzulaſſen nicht in unſerer Macht ſteht; um das, wovon ein Pünktlein mehr werth iſt, als die ganze Welt mit aller ihrer Weisheit und allen ihren Schätzen; um das, woran die wahre Kirche allein erkannt wird; um ihren höchſten Schatz, in welchem alle ihre ſonſtigen Schätze enthalten ſind; um das Pfund, das ihr anvertraut iſt, und von deſſen treuer Be⸗ nutzung und Bewahrung ſie Gott einſt eine ſtrenge Rechenſchaft wird geben müſſen; um die Reinheit jenes himmliſchen Samens, von deſſen Reinheit die Reinheit des Glaubens und Lebens, alles Licht der Seelen, aller Troſt des Gewiſſens und die Hoffnung des ewigen Lebens abhängt. Hier gilt daher das alte Sprüchwort: „Amicus usque ad aras“ — der Freund bis zu den Altären —; ja, vor allem jetzt gilt uns daher die apoſtoliſche Er⸗ mahnung: „Ein wenig Sauerteig verſäuert den ganzen Teig“, Gal. 5, 9., und was Luther in folgenden Worten hierüber ſchreibt: „Gleich⸗ wie in der Philoſophie, wenn man im Anfang ein wenig fehlet, am Ende ein ſehr großer und unmäßiger Irrthum daraus wird: alſo geht es in der