# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1850_S118 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 118 — mens geſchämt hatte, in unſeren Tagen ſelbſt mehrere der begabteſten, gelehr⸗ teſten und angeſehenſten Theologen wieder, daß ſie des Namens eines Luthe⸗ raners ſich zu ſchämen keine Urſache ſehen; und wohl haben ſich wieder meh⸗ rere derſelben an die Spitze des deutſchen lutheriſchen Volkes zur Führung der Sache desſelben geſtellt, und dieſes blickt nun zu ihnen mit großen Hoff⸗ nungen hinauf — allein was thun jene? Der eine Theil derſelben bleibt offenbar auf der Höhe ſeiner Wiſſenſchaftlichkeit und ſeines Menſchen-Geiſtes- Reichthums ſtehen, und kann ſich nicht entſchließen, alle Vernunft unter den Gehorſam Chriſti gefangen zu nehmen, ſich mit den Unmündigen zu den Füßen unſerer alten Lehrer zu ſetzen, und ſich des armen Volkes zu erbarmen und mit demſelben zu lallen, ſondern beutet vielmehr das Recht und die Pflicht einer angeblichen Fortentwickelung der Lehre zu deren Deſtruction aus. Unter denen jedoch, auf welche die Augen unſeres lutheriſchen Volkes in dieſer Zeit der Noth ſehnſüchtig als auf ihre Vorkämpfer und Retter gerichtet ſind, erblicken wir allerdings Männer auch einer ganz anderen Rich⸗ tung. Wir gewahren nämlich darunter auch Männer, denen es offenbar ein Ernſt iſt, ſich von dem Verderben dieſer letzten betrübten Zeit gründlich zu reinigen; Männer, die nicht auf halbem Wege ſtehen bleiben, ſondern ganz aus der Verirrung zurück kehren wollen. Sie erkennen lebendig, welche furchtbaren Verwüſtungen Rationalismus und Unionismus in unſerer Kirche angerichtet hat. Sie ſehen mit Schrecken, wie das Bewußtſein, ein Glied der Einen heiligen chriſtlichen Kirche aller Zeiten und Orten zu ſein, mehr und mehr ſchwindet; wie allenthalben die Bande der Kirche mehr und mehr ſich löſen; wie alles theils in offenbar fleiſchliche, theils in übergeiſtliche Secten ſich ſpaltet; wie das im Chriſtenthum äußerlich Gegebene immer mehr in den Hintergrund und das eigen Erfahrene und eigen Gemachte über dasſelbe geſtellt wird; wie alles Alte immer mehr als Veraltetes weggeworfen und alles Neue immer mehr alsbald als eitel neu gefundene Schätze unge⸗ prüft angenommen wird; wie ſchon jeder leiſeſte Schein einer Unterwerfung unter fremde Auctorität immer mehr geächtet, aber Unterwerfung unter die eigene deſto mehr geltend gemacht und gefordert wird; wie das heilige Amt ſeiner göttlichen Würde immer mehr entkleidet, zu einem menſchlichen In⸗ ſtitute herabgedrückt und ſo ſeiner ſeligmachenden Wirkſamkeit beraubt wird: dies alles, ſage ich, ſehen die letzteren mit Schrecken. Es blutet ihnen das Herz im Hinblick auf die Noth unſeres armen verführten und verlaſſenen lutheriſchen Volkes. Sie ſind entſchloſſen, zu helfen, gründlich zu helfen. — Allein, was thun nun dieſe? Gerade indem ſie recht ſtreng lutheriſch ſein und werden wollen, führt ſie ihr Eifer über das Lutheriſche wider Willen und ohne daß ſie es ahnen, weit hinaus. In der beſten Meinung, vergrabene und in den Staub getretene Perlen aus der Schatzkammer unſerer Kirche wieder hervorzuſuchen, bringen ſie in dieſelbe wieder Dinge herein, von denen einſt ein Luther die Kirche als vor arger Unzier mit großer Mühe und har⸗ tem Kampfe gereinigt hat; und in der beſten Meinung, unſere Kirche von neu angehäuftem Schutt und Unrath zu ſäubern, thun ſie Kleinodien hei⸗ liger Lehren und Ordnungen hinaus, für deren Erringung unſere Väter Gut und Blut einſt freudig daran ſetzten. Im Gegenſatz gegen das Auf⸗ geben der Idee von der Einen heiligen chriſtlichen Kirche und gegen den Synkretismus unſerer Tage kehren ſie unverkennbar wieder mehr und mehr zu dem Begriffe von der Kirche, als einer ſichtbaren, wohl organiſirten äußeren Anſtalt zurück. Im Gegenſatz gegen die Geringſchätzung der Gna⸗ denmittel und alles objectiv Gegebenen nähern ſie ſich wieder der Lehre von der Kraft der Sacramente ex opere operato. Im Gegenſatz gegen die Ver⸗