# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1850_S117 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 117 — einer ganz anderen Beziehung einer noch ungleich wichtigeren und entſchei⸗ dungsvolleren, der ſchwerſten Prüfung entgegen geht, welche die Kirche je erfahren kann, einer Prüfung, gegen welche die durch blutige Verfolgungen nur gering anzuſchlagen iſt, kurz, es iſt dies nämlich — die Verſuchung zu falſcher Lehre. Ehe ich die Gegenſtände dieſer Verſuchung näher bezeichne, erlauben Sie mir, erſt etwas vorauszuſchicken. Es iſt nicht zu leugnen, daß nach langem Todesſchlafe, in welchen unſere deutſche lutheriſche Kirche gänzlich verſunken zu ſein ſchien, es ſich ſeit ohngefähr drei Decennien in derſelben wieder mächtig geregt und neues göttliches Leben darin kund gegeben hat. Nicht nur ſind ſeit dieſer Zeit immer mehr theure Männer aufgetreten, welche, die Tiefe des Abfalls der meiſten Diener unſerer Kirche zum Rationalismus erkennend, ihre Stimme wie eine Poſaune dawider erhoben und laut zur Rückkehr zum Glauben an die in der heiligen Schrift enthaltene göttliche Offenbarung aufgefordert haben; ſondern es ſind bald auch darüber vielen die Augen mit Schrecken aufgegangen, daß die in dieſer Zeit entſtandene Kirchenunion nichts als ein neuer Betrug geweſen ſei, wodurch Satan das neue Werk Gottes habe zer⸗ ſtören und die deutſche Chriſtenheit um den Segen der ihr geſchenkten neuen göttlichen Gnadenheimſuchung bringen wollen; und es iſt ſo endlich auch die Zahl derjenigen immer größer geworden, welche eingeſehen und mit Wort und Schrift es öffentlich bezeugt haben, daß die einzige wahre von Gott geſtiftete Union in der evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche ſchon vorhanden und jede andere, von Menſchen gemachte, ein bloßes Zerrbild derſelben ſei, womit Satan die kaum erwachte Chriſtenheit nur äffe. Doch was iſt geſchehen? — Iſt man mit dieſer von Gott ge⸗ ſchenkten Erkenntniß treu umgegangen? — Ach, wollte Gott, ich könnte, bei dieſer Frage angekommen, abtreten, und einen Luther, einen Chemnitz, einen J. Gerhard, oder doch eine ganz andere gewichtige Stimme aus unſerer Zeit anſtatt der meinigen dieſe Frage hier öffentlich beantworten laſſen! Wie gern wollte ich dann ſchweigen und Zuhörer ſein! — Da es aber Gott ſo gefügt hat, daß ich, der Geringſte unter Ihnen, von Amtswegen noch einmal hier öffentlich reden muß, ſo bitte ich Sie um Got⸗ teswillen, Sie wollen jetzt von meiner armſeligen Perſon gänzlich ab⸗ und allein auf die Sache ſehen, davon ich zu reden genöthigt bin. Ich frage alſo noch einmal: Was iſt geſchehen? Iſt man mit jener von Gott geſchenkten Erkenntniß treu umgegangen? Iſt man wirklich zu unſerer theuren evangeliſch-lutheriſchen Kirche, dieſer von Gott ſelbſt geſtif⸗ teten Union, iſt man wirklich zu dem Glauben und Bekenntniß unſerer Väter zurückgekehrt? Sind die Männer, welche Gott zur Zeit der Refor⸗ mation der Chriſtenheit zu Lehrern geſendet und durch die Gott derſelben ſein reines und lauteres Wort wieder geoffenbart und geſchenkt, die aber ein undankbares folgendes Geſchlecht von ihren Lehrſtühlen geſtoßen hatte, ſind dieſe Männer wirklich wieder in ihr Amt eingeſetzt worden und ſind nun die Geiſter der Propheten in unſeren Tagen dieſen Propheten einer beſſeren Zeit wieder unterthan? Hat man wirklich bußfertig in ſich geſchlagen und iſt jeder als ein verlorener Sohn wirklich reuig zur verlaſſenen treuen Mutter zurückgekehrt? — So hart, und gerade für mich am wenigſten geziemend, die Antwort erſcheinen mag, ich kann nicht anders, ich muß, wenn ich der Wahr⸗ heit die Ehre geben will, hier antworten: Nein! es iſt das, einige wenige Zeugen der Wahrheit ausgenommen, nicht geſchehen. Wohl bekennen es, nachdem man ſich lange Zeit des lutheriſchen Na⸗