# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1849_S97 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 97 — denen überlaſſen, denen es nach dem 28ſten Artikel der Augsburgiſchen Con⸗ feſſion zukomme. Um dies zu bekräftigen, fährt Herr Paſtor Grabau fort: „Eure Lehrer ſind nicht Lehrer einer falſchen Kirche, auch nicht Lehrer einer zeitgeiſtiſchen Richtung, ſondern Lehrer der wahren Kirche, wie genugſam bekannt iſt. Ihr (Laien) könnt alſo bei ihnen eine rechtſchaffene Erkenntniß der Kirchenlehre vorausſetzen, und zwar eine tiefere Erkenntniß, als ihr ſie haben könnt, da ſie gelernt haben, um zu glauben, zu lehren und Euch im rechten Glauben zu erhalten, Ihr aber, um zu glauben und im rechten Glauben erhalten und geheiligt zu werden.“ No. 2. Beurtheilung des vorſtehenden Hirtenbriefs durch die Miſſourier. Die Miſſourier ſagen in Summa von dem Hirtenbrief, daß darin eines⸗ theils hinſichtlich der ſo ſehr darin hervorgehobenen alten Kirchenordnungen Weſentliches und Unweſentliches, Göttliches und Menſchliches verwechſelt und ſomit die chriſtliche Freiheit beſchränkt, anderntheils aber dem Predigt⸗ amt mehr, als ihm zukommt, zugeſchrieben und ſomit das geiſtliche Prieſter⸗ thum der Gemeinden hintangeſetzt zu werden ſcheine. Sie tadeln ferner, daß Herr Paſtor G. die Verwaltung der heiligen Sacramente den prieſterlichen Theil des öffentlichen Lehramtes nennt und dieſelbe über das Predigen zu ſtellen ſcheint. Sie zeigen aus Gottes Wort und Luthers Schriften, daß das Amt zu predigen nicht nur das höchſte, ſon⸗ dern auch eigentlich das rechte Prieſteramt in der Kirche ſei. Sie legen das Zeugniß Luthers vor, welcher, was die göttliche Ordnung bei der Aufrichtung des Amtes betrifft, kurz ſagt: „Es liegt daran, ob die Kirche und der Biſchof eins ſind und die Kirche den Biſchof hören und der Biſchof die Kirche lehren wolle. So iſt's geſchehen, Auflegung der Hände, die ſegnen, beſtätigen und bezeugen ſolches, wie ein Notarius und Zeugen eine weltliche Sache bezeugen, und wie der Pfarrherr, ſo Braut und Bräuti⸗ gam ſegnet, ihre Ehe beſtätiget oder bezeuget, daß ſie zuvor ſich genommen haben und öffentlich bekannt, es ſei nun der Pfarrherr ein Engel oder Teufel, weil das Amt geſchehen, ſo iſt die Braut geſegnet.“ Die Miſſourier weiſen darauf hin, daß die Ordination nur eine von den älteſten chriſtlichen Zeiten her angenommene, löbliche und heilſame Generalceremonie, aber kein ausdrückliches göttliches Gebot ſei. Ferner, daß mit keiner Kirchenordnung das Gewiſſen der Chriſten gebunden werden dürfe, als ſei irgend welche nöthig und zu göttlicher Ordnung gehörig, eine jede ſei vielmehr ein Mittelding, dem ſich der Chriſt nur um der Einigkeit und Liebe willen unterwerfe. Sie tadeln, daß Paſtor G. zu dem ordentlich Berufenſein, wovon der 14. Artikel der Augsburgiſchen Confeſſion redet, die Gaben des Heiligen Geiſtes zum Amte als nöthig rechnet. Sie halten ferner dem Paſtor G. entgegen: nur dann und inſofern iſt uns die Gemeinde Gehorſam ſchuldig, wenn wir ihr Gottes Wort predigen. Wollten wir aber denſelben unbedingten Gehorſam verlangen, wenn wir einen Kirchen⸗ oder Schulbau begehrten, der doch an ſich nicht wider Gottes Wort iſt, ſo würden wir unleugbar uns anmaßen, was uns nach Gottes Wort nicht zukommt. Ferner: Allerdings ſoll jedes Schaf Chriſti ſeines Hirten Stimme ſelbſt von der Stimme eines Fremden unterſcheiden können, Joh. 10, 5., und Paulus ſagt: „Als zu den Klugen rede ich, richtet ihr, was ich ſage.“ Endlich: Luther redet blos von der Mittelbarkeit der Beru⸗ fung, an deren Stelle von der Apoſtel Zeiten her niemals wieder eine unmit⸗ 7