# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1849_S91 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 91 — ſei freilich wahr, daß die kirchliche Tradition Zeugniß ſei und gebe für die Authenticität der Schrift Alten und Neuen Teſtaments; aber nicht minder wahr ſei es auch, daß die heilige Schrift über alle Tradition, aber nicht um⸗ gekehrt, dieſe über jene, urtheile und richte; — und gewiß ſei es, daß die göttliche Glaubwürdigkeit der heiligen Schrift nicht von der Tradition ab⸗ hange, ſondern ſich auf ihre eigenen innern und äußern Beweiſe für ihre Göttlichkeit ſtütze. Die Conferenz fragt, ob nichts geſchehen könne, die verſchiedenen Syno⸗ den der lutheriſchen Kirche (natürlich auf Grund der Lehre) einander näher zu bringen, — und erachtet, daß 1. eine mildere Polemik, 2. die Verbreitung geeigneter Schriften, 3. vielleicht ein Colloquium, 4. freundliche Zuvorkom⸗ menheit im perſönlichen Umgange u. ſ. w. geeignete Mittel dazu ſein möchten. Hierauf bemerkt die Synode, daß ſie ſich nicht bewußt ſei, bei ihrer Po⸗ lemik gegen andere luth. Synoden dieſes Landes oder deren Glieder gegen das Gebot der chriſtlichen Liebe gefehlt zu haben, — und daß nur ſo lange alles vermieden werden dürfe, was die Erbitterung der Gegner vermehren könnte, als dies unbeſchadet der Wahrheit geſchehen kann. Sie glaubt auch Urſache zu haben, daran zu zweifeln, daß die Feindſchaft der betreffenden Synoden nur aus Unkenntniß herrühre, da ja die Bekenntnißſchriften der luth. Kirche zum Theil in ihren Händen oder doch in ihrem Bereich ſeien, — und da unter andern diejenigen Synoden, welche die ſogenannte General⸗ ſynode bilden, öffentlich und offiziell erklärt haben, daß ſie nicht die ungeän⸗ derte Augsb. Confeſſion in allen ihren Artikeln anerkennen, — auch nach Deutſchland ein Bekenntniß hinübergeſandt haben, darin ſie erklären, daß ſie auf dem Standpunkte der unirten Kirchen ſtänden. — Ob ein Colloquium jenem Ziele näher bringen würde, ſei kaum zu hoffen, da die Geſchichte der Kirche beweiſe, daß ſolche Colloquien ſich faſt ohne Ausnahme als erfolgloſe Verſuche erwieſen haben. Die Conferenz wünſcht, die Synode möge dafür ſorgen, daß durch klei⸗ nere Schriften gegen den Unglauben und die Unſittlichkeit namentlich in den größern Städten angekämpft, und wo möglich eine politiſche Zeitung gegrün⸗ det werde, um dem in den öffentlichen deutſchen Blättern ausgeſtreuten Gifte entgegenzuarbeiten. Auf erſteres will die Synode Bedacht nehmen; ſo wünſchenswerth ihr aber auch eine ſolche gute politiſche Zeitung erſcheine, ſo wenig ſei ſie Willens, als Unternehmerin eines ſolchen Blattes ſich zu betheiligen, wohl aber, durch thätige Theilnahme ein ſolches zu unterſtützen. Schließlich beantwortet die Conferenz noch folgende Fragen: Ob Chri⸗ ſten die hier üblichen Eidesformeln ſich gefallen laſſen dürften? — Antwort: Es habe dies keine Bedenklichkeit, da ja die Eidesleiſtung nur Bezug habe auf den Glauben deſſen, der ſchwört, nicht aber deß, der den Eid ab⸗ nehme u. ſ. w. — und endlich: Ob unſer Bekenntniß das Bekenntniß nur einer Particularkirche oder der allgemeinen Kirche ſei? — Antwort: Der Form und Entſtehung nach ſei es Bekenntniß einer Particularkirche, dem Inhalt nach aber Bekenntniß der allgemeinen Kirche. Eintheilung der Conferenz⸗Diſtricte. 1. Diſtr. St. Louis: Walther, Bünger, Fürbringer, Schieferdecker, Birkmann, Scholz, Beſt, Lange, Müller, Kalb, Wege, Fick, Francke, Jo⸗ hannes, Fleſſa. 2. Diſtr. Chicago: Keyl, Selle, Brauer, Hoffmann.