# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1856_S332 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 332 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet und erzogen? cher oder roher Gemeinden alsbald die vollständige formgerechte Kirchenzucht einzuführen unternehmen. Denn solches verfrühte Vornehmen würde nothwendig eine der drei folgenden Wirkungen haben, davon keine eine heilsame, von Innen her gewirkte lebendige Frucht des göttlichen Wortes durch den Dienst des evangelischen Predigtamts wäre. Entweder nämlich würde die ganze Gemeinde sich dawider setzen und ihren Pastor nöthigen, sie, seinem irrenden Gewissen gemäß, flugs für eine Synagoge des Satans zu erklären und demzufolge zu verlassen; auch könnte sie dann leichtlich selber in die Versuchung kommen, ihn selber und mit ihm, zu ihrem großen Verderben, die reine und lautere Predigt göttlichen Wortes von sich zu stoßen; oder es würde durch solche voreilige Einführung der vollständigen Kirchenzucht eine Spaltung in der Gemeinde entstehen, die füglich noch hätte können verhütet werden und bei welcher noch nicht offenbar werden kann, ob diese und jene Abweiser dieser Kirchenzucht muthwillige und halsstarrige Sünder seien, die solches wider besser Wissen und Gewissen thun, oder Leute von dickem, ungelenkem Verstande und daher rührender schwacher Erkenntniß, dazu auch von etwas störriger Gemüthsart und eigenfinnigem Wesen und mit mancherlei Vorurtheilen gegen alle Neuerungen erfüllt, ohne jedoch wider die bereits gewonnene Erkenntniß einen bösen Willen zu setzen und durch dessen Antrieb dawider zu handeln; oder die ganze Gemeinde willigte in diese Kirchenzucht, ohne jedoch innerlich von ihrer Nothwendigkeit und Heilsamkeit überzeugt zu sein, etwa aus persönlicher Anhänglichkeit an ihren Pfarrer, also aus menschlicher Ursache, so daß daher, auch in diesem Falle, nichts wesentlich Gutes und Heilsames ausgerichtet wäre. Es ist also bei Uebernahme neuer oder verwahrloster Gemeinden dem evangelischen Geiste und Sinne gemäß, zunächst anzuhalten „in aller Geduld und Lehre“ öffentlich und sonderlich auch über dieses Stück christlicher Lehre die Gewissen zu berichten, sodann aber in der Einführung und Handhabung dieser Kirchenzucht nicht weiter zu gehen, als es der dermalige Erkenntnißstand der Gemeinde eben zuläßt, und nach evangelischer Weisheit und im Dienste der Liebe, auch hierin zwischen Verfrühen und Versäumen die rechte Mitte zu halten; denn es ist klar und offenbar, daß in christlich und kirchlich herangereiften Gemeinden gar Manches Gegenstand der Kirchenzucht werden muß, was in roheren als zeitweiliger Uebelstand noch getragen und geduldet werden muß, bis Gott Gnade giebt und die Gemeinde in der Erkenntniß göttlichen Wortes und zugleich in der Willigkeit zunimmt, sich der heilsamen Zucht desselben zu unterwerfen. Was nun den Gegenstand der Kirchenzucht betrifft, so besteht dieser an dem einen Ende aus Privat⸗Beleidigungen, an dem andern aus gröberen und offenbaren Aergernissen; und die Frage ist nun, wie soll sich der evangelische Sinn eines treuen lutherischen Kirchendieners hierin erweisen? In Hinsicht nun auf die Privat⸗Beleidigungen, da der Einzelne wider