# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1848_S56 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 56 — Begräbniß nicht verweigern. Dasſelbe gilt auch von Solchen, die ſich in ihrem Leben grober, ärgerlicher Sünden ſchuldig gemacht, aber doch vor ihrem Ende bereut und im Glauben an den HErrn Chriſtum geſtorben ſind. Wo indeſſen der Paſtor nicht genug Kunde hat, in welchem Seelenzuſtande die fragliche Perſon geſtorben ſei, ſo verhüte er wenigſtens, daß ihr nicht bei dem Begräbniß ein öffentliches Zeugniß ihrer Seligkeit gegeben werde, z. B. durch Singen des Liedes: „Nun laſſet uns den Leib begraben“ ꝛc. ꝛc. — Will man Solchen, bei denen offenbare Beweiſe vorhanden, daß ſie in Unbußfertigkeit geſtorben ſind, eine Leichenpredigt halten, ſo ſoll dieſe hauptſächlich den Zweck haben, Anderen die Exempel göttlicher Gerichte zur Warnung vorzu⸗ ſtellen, und der Leichnam ſoll ſodann ohne alle chriſtliche Ceremonien zur Erde beſtattet werden. (Vergl. die Bedenken der Wittenb. theol. Facultät, Buch 1, S. 487. ff., und Buch 3, S. 69.) Gutachten über den Gebrauch des Pommerſchen Katechismus. Da ſechszehn Mitglieder der evang.⸗lutheriſchen Gemeinde zu Freyſtadt, Wisconſin, in einem Schreiben vom 17ten Juni d. J. die deutſche evang.⸗ lutheriſche Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten um ein Gutachten in der zwiſchen ihnen und ihrem derzeitigen Prediger, Herrn Paſtor Keyl, ſich erhobenen Streitfrage wegen des Pommerſchen Katechismus erſucht haben, ſo hat die Synode nicht verfehlt, dieſe Sache ſorgfältig zu prüfen, um, dem Wunſche der dabei Betheiligten gemäß, ihr wohlerwogenes Urtheil darüber abzugeben. Es iſt ohne Zweifel der Sinn erfreulich, womit in jenem Schreiben das Amt und Werk des Herrn Paſtors Keyl, als Seelſorgers jener Gemeinde, dankbar anerkannt und das herzliche Verlangen ausgeſprochen wird, mit ihm in allen Stücken einig zu ſein. Es ſpricht ſich auch darin ein aufrichtiges Zutrauen gegen unſere Synode aus, indem die unterzeichneten Glieder jener Gemeinde ein ſolches Gutachten von uns begehren. Herr Paſtor Keyl hat nämlich Bedenken getragen, den erwähnten Kate⸗ chismus, der bisher in der dortigen Kirche und Schule eingeführt geweſen iſt, in ſeinem Confirmanden⸗Unterrichte beizubehalten, theils und vornehmlich deswegen, weil derſelbe den Unterricht Luthers von der Beichte gar nicht ent⸗ hält, theils weil darin vom Amt der Schlüſſel anders, als in dem gewöhn⸗ lichen ältern lutheriſchen Katechismus, geredet wird. Namentlich findet ſich in der, wenn auch nicht weſentlich veränderten Faſſung dieſes Lehrartikels in der vierten Antwort folgende Erklärung auf die Frage: „Wie kann der Menſch Sünde vergeben?“ Antwort: „Der Menſch thut es freilich nicht als ein Menſch von ſich ſelbſt, ſondern von Amtswegen, auf des HErrn Chriſti Befehl, wie die Worte lauten: Wel⸗ chen ihr die Sünden vergebet, denen ſind ſie vergeben. Nehmet hin den Hei⸗ ligen Geiſt. Denn gleichwie des Menſchen Sohn auf Erden Macht hat, die Sünde zu vergeben, alſo hat er dieſelbe Macht im Predigtamt eingeſetzt, da er ſpricht: Wie mich der Vater geſandt hat“ u. ſ. w. Hier hat Herr Paſtor Keyl keineswegs geleugnet, daß das Predigtamt allerdings die Macht habe, ſowohl durch die allgemeine als beſondere Predigt des Evangeliums, nämlich durch die heilige Abſolution, Sünden zu vergeben. Wiederum haben die Unterzeichner jenes Schreibens nicht geleugnet, daß Chriſtus ſeiner ganzen Kirche jene Macht gegeben habe; ſie haben aber die Meinung bis jetzt feſtgehalten, daß dieſe Stelle nicht zu mißbilligen oder zu verwerfen, und deswegen der Katechismus beizubehalten ſei.