# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1848_S37 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 37 — Unterwerfung unter die gemachten Ordnungen fordert. Ein Menſchenknecht iſt daher auch nur der Prediger, welcher aus Menſchenfurcht oder Menſchen⸗ gefälligkeit Chriſto nicht treulich dient, in Lehren oder Praxis von Gottes Wort abweicht, und predigt, nach dem ſeinen Zuhörern die Ohren jücken. Gerade da aber, wo dem Prediger zwar nur die Gewalt des Wortes gege⸗ ben iſt, aber die volle Gewalt desſelben, da, wo die Gemeinde, ſo oft ſie Chriſti Wort aus ihres Predigers Mund hört, es annimmt als Gottes Wort, da ſteht der Prediger im rechten Verhältniß zu ſeiner Gemeinde; er ſteht in ihr nicht als ein gemietheter Lohndiener, ſondern als ein Geſandter Gottes des Allerhöchſten; nicht als ein Menſchenknecht, ſondern als ein Knecht Chriſti, der an Chriſti Statt lehret, ermahnet und ſtrafet. Gerade da wird daher die apoſtoliſche Ermahnung recht befolgt: „Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen, denn ſie wachen über eure Seelen, als die dafür Rechenſchaft geben ſollen; auf daß ſie das mit Freuden thun und nicht mit Seufzen, denn das iſt euch nicht gut." Je mehr aber eine Gemeinde ſieht, daß der, der ihr vorſteht in dem HErrn, nichts begehre, als daß die Gemeinde Chriſto und ſeinem Worte unterthan ſei; je mehr ſie ſieht, daß er ſie nicht zu beherrſchen begehre, ja daß er mit eiferſüchtigem Auge über der Freiheit der Gemeinde ſelbſt wache, deſto williger wird ſie werden, auf ſeine heilſamen Vorſchläge auch in den Dingen, die Gott freigelaſſen hat, zu hören; ſie wird ihm hierin folgen, nicht als einem Zuchtmeiſter, weil ſie muß, ſondern als ihrem Vater in Chriſto, weil ſie es um ihres eigenen Wohles willen freudig will. Dieſelbe Ausſicht auf einen heilſamen Einfluß hat aber auch unſer Synodalkörper, wenn er durch nichts zu wirken ſucht, als durch die Gewalt des Wortes. Freilich erwarten uns auch da Kämpfe, aber es werden nicht jene kleinlichen niederſchlagenden Kämpfe um Gehorſam gegen Menſchen⸗ geſetze, ſondern jene heiligen Kämpfe um Gottes Wort, alſo um Gottes Ehre und Reich ſein. Und je mehr die Gemeinden einſehen werden, daß wir keine andere Gewalt über ſie auszuüben begehren, als jene Gotteskraft des Wor⸗ tes, das da ſelig macht alle, die daran glauben, eine deſto offenere Thür wird auch unſer Rath bei ihnen finden. Zwar werden ſich, die das Wort nicht mögen, von uns trennen, die es aber lieben, denen wird unſere Gemeinſchaft eine tröſtliche Zuflucht ſein; und wenn ſie unſere Beſchlüſſe annehmen, ſo werden ſie ſie nicht als eine fremde, von außen ihnen aufgelegte Laſt tragen, ſondern als eine Wohlthat und als eine Gabe brüderlicher Liebe achten, und als ihr Eigenthum vertreten, vertheidigen und bewahren. Mögen wir alſo immerhin keine Gewalt beſitzen, als die des Wortes, ſo können und ſollen wir doch unſer Werk mit Freuden treiben. Laſſen Sie uns daher, theure hochgeehrte Herrn und Brüder! dieſe Gewalt nur recht üben. Laſſen Sie uns vor allem und in allem darauf denken, daß die reine Lehre unſe⸗ rer theuren ev.⸗luth. Kirche unter uns immer vollſtändiger erkannt werde, in allen unſeren Gemeinden im Schwange gehe, und vor jeglicher Verfälſchung bewahrt und als das köſtlichſte Kleinod feſtgehalten werde; was das Wort for⸗ dert, davon laſſen Sie uns kein Jota vergeben; dieſes laſſen Sie uns in unſern Gemeinden zur vollen Herrſchaft bringen und davon nichts nachlaſſen, es gehe uns auch darüber, wie Gott will; hier laſſen Sie uns unbeugſam, hier laſſen Sie uns eiſern ſein; thun wir das, dann können wir unbeſorgt ſein um den Erfolg unſerer Arbeit; ob dieſelbe vergeblich zu ſein ſcheinen ſollte, ſie kann dann nicht vergeblich ſein, denn das Wort kommt nicht leer wieder zurück, ſondern richtet aus, wozu der HErr es geſendet hatte. Durch das Wort allein, ohne jegliche andere Gewalt, iſt die Kirche einſt gegründet worden;