# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1848_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 36 — nommen haben würde. Doch geſetzt, es fügten ſich alle Gemeinden den An⸗ ordnungen der Synode auch in den von Gott weder gebotenen noch ver⸗ botenen Dingen, weil ſie ſich einmal dazu verbindlich gemacht hätten, aber vielleicht viele mit innerem Widerſtreben und Unmuth — was wäre damit gewonnen? Auf dieſem Wege würden viele Gemeinden die Geſtalt lutheri⸗ ſcher Gemeinden annehmen, ohne ihr Weſen zu beſitzen; unſere Synode würde vielleicht eine große wohlgegliederte Maſchine werden, aber kein lebendiger Organismus ſein; je mehr uns der äußere Bau gelänge, deſto mehr würde das innere Leben ſchwinden; wir würden an der Wurzel faule Bäume pflegen, Pflanzen, die der Vater nicht gepflanzet hat, die daher ausgereutet werden ſollen; wir würden vielleicht oft Großes aus⸗ gerichtet zu haben vermeinen, während unſere Werke vor Gottes Augen leere Schalen wären, und unſer ſcheinbares Wachsthum würde oft nichts als ein Erſtarren und Erſterben in großen Maſſen lebloſer Formen ſein. Um die Vollſtreckung gemachter äußerer menſchlicher Ordnungen und Einrichtungen würde ſich bald unſer Hauptkampf bewegen und dieſer den rechten ſeligen Kampf um das wahre Kleinod der Kirche, um die Reinheit und Ein⸗ heit der Lehre, verſchlingen. Wir würden mit einem Worte unſer ſchö⸗ nes Ziel, die wahre Kirche, welche kein äußeres Gerüſte, ſondern ein Reich Gottes in den Herzen der Menſchen iſt, zu bauen, aus den Augen verlieren, und im beſten Falle unſere frühe Auflöſung ſelbſt herbeiführen. Wohl gibt es auch in dieſem Freiſtaate religiöſe Gemeinſchaften, welche bei ſtreng reprä⸗ ſentativer Verfaſſung ohne Widerſpruch ſich bauen und nach ihrer Weiſe gedeihen, — aber warum? — Weil man die Gemeinden nicht zur Kenntniß ihrer Freiheit kommen läßt und durch falſche Lehren die Gewiſſen für ſeine Verfaſſung bindet. In unſerer evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche aber, wo wir es unſeren Gemeinden predigen müſſen, daß die Wahl der Verfaſſung der Kirche ein unveräußerliches Stück ihrer chriſtlichen Freiheit iſt und daß die Chriſten als Glieder der Kirche keiner Gewalt in der Welt unterworfen ſind, als dem klaren Worte des lebendigen Gottes, da ſind von einer Beſchränkung der Freiheit der Gemeinden, inſonderheit in einem Freiſtaate, wie der unſrige, die genannten verderblichen Folgen allerdings mit Grund zu fürchten. Ganz andere Folgen aber haben wir mit Grund zu hoffen, wenn wir von unſeren Gemeinden nichts unbedingt begehren, als Unterwerfung unter das Wort, unter welches auch wir uns beugen, wenn wir ihnen daher ſich ſelbſt zu regieren überlaſſen, und ihnen nur berathend zur Seite ſtehen. Wir dürfen nicht beſorgen, daß auf dieſem Wege die weltlichen Elemente einer po⸗ litiſchen Demokratie in die Kirche eindringen, daß daraus eine knechtende Volksherrſchaft, ein Volkspabſthum entſtehen und daß wir, die wir Diener Chriſti ſein ſollen, dadurch Menſchenknechte werden würden. Wie kann das eine ungöttliche Volksherrſchaft ſein, wo das Volk ſeine ihm von Gott ge⸗ gebenen Rechte gebraucht? Wie kann das ein Volkspabſthum ſein, wenn das prieſterliche Volk der Chriſten in den Dingen, die Gott freigelaſſen hat, ſich von keinem Menſchen Geſetze machen laſſen und dem Prediger des Wortes nur dann unbedingt gehorchen will, wenn Chriſtus ſelbſt durch ihn redet, wenn er nemlich ſein Wort predigt? Nein, eine ſchimpfliche Volksherrſchaft findet nur da ſtatt, wo das Volk ſich anmaßt, dem Prediger vorzuſchreiben, was er von Gottes Wort predigen dürfe, was nicht; wo es ſich heraus⸗ nimmt, dem Worte Gottes zu widerſprechen und die Führung des Amtes nach demſelben in irgend einem Stücke zu hindern; oder wo das Volk die Gewalt, Ordnungen in der Kirche zu machen, als ein Privilegium für ſich allein in Anſpruch nimmt, den Prediger von dieſer Gewalt ausſchließt, und von ihm